Stromerzeugung© Bernd Boscolo / pixelio.de
Unbundling

Von Unbundling hört man immer mal wieder in Bezug auf den Strom- und Gasmarkt. Dahinter verbirgt sich eine gesetzliche Vorschrift, die Chancengleichheit auf dem Energiemarkt sicherstellen soll. Genaueres erfahren Sie hier!

Unbundling für gleiche Chancen auf dem Energiemarkt

Durch Unbundling – zu deutsch Entflechtung – sollen ein freier Wettbewerb und Chancengleichheit auf dem Strom- und Gasmarkt (oder auch in anderen Branchen) sichergestellt werden. Betriebe, die sowohl Strom oder Gas herstellen als auch Netzbetreiber sind und Tarife anbieten, müssen diese Tätigkeiten klar voneinander trennen, da sie ansonsten Vorteile aus dieser Verflechtung ziehen könnten.

StromindustrieUnbundling soll einen neutralen Netzbetrieb ermöglichen. Auf dem Energiemarkt greifen die Regelungen kaum.© christian42 / Fotolia.com

Warum ist Unbundling nötig?

Unternehmen, die in mehreren Bereichen der Energiewirtschaft tätig sind, könnten einen Vorteil aus der Verflechtung der Unternehmensteile ziehen, indem sie beispielsweise Kunden Durchleitungsgebühren nicht oder in geringerem Maße berechnen. Dies würde zu einem Ungleichgewicht auf dem Markt führen, da andere Unternehmen sehr wohl die Durchleitungsgebühren umlegen müssen.

Durch Unbundling sollen solche oder ähnliche Wettbewerbsverzerrungen vermieden und und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Marktteilnehmer ermöglicht werden.

Was genau wird beim Unbundling getrennt?

Unbundling bezieht sich dabei nicht nur auf einen einzigen Bereich, der im Unternehmen getrennt werden soll, sondern umfasst mehrere verschiedene Ebenen:

  • Das buchhalterische Unbundling stellt sicher, dass die verschiedenen Abteilungen des Unternehmens auf Basis der Finanzen getrennt bleiben: Separate Konten, getrennte Gewinn- und Verlustaufführungen - so sollen Quersubventionierungen verhindert werden.
  • Informationen (informatorisches Unbundling) werden nur noch in dem Bereich behandelt, aus welchem sie auch stammen. Somit bleiben beispielsweise Kundendaten und Netzdaten in getrennten Abteilungen. Informationen aus den verschiedenen Abteilungen dürfen sich nicht vermischen.
  • Weiterhin sieht ein organisatorisches Unbundling vor, dass das Management der verschiedenen Tätigkeitsbereiche unabhängig voneinander ist. So darf eine leitende Person im Netzbereich nicht ebenfalls eine führende Position im Vertrieb einnehmen. Ausnahmen entkräften Unbundling beinahe gänzlich.

Unbundling im Energiebereich: Theorie und Praxis

Hört sich alles erstmal sinnvoll an, allerdings wird wohl jedem der Mehraufwand für die Unternehmen aufgefallen sein. Genau aus diesem Grund hat man in Deutschland eine Ausnahmeregelung geschaffen, die es kleineren Unternehmen erleichtern soll, am Markt präsent zu bleiben.

Betreiber mit weniger als 100.000 Kunden müssen sich nur an entschärfte Vorschriften halten. Die Problematik dabei ist jedoch, dass rund 90 Prozent der Stromverteilnetzbetreiber unter diese Regelung fallen und demzufolge Vertrieb und Netzbetrieb nicht voneinander trennen müssen.

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