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Tschernobyl

Wenn wir an Tschernobyl denken, dann kommen uns Bilder eines verlassenen, lebensgefährlichen Landstriches in den Kopf, welcher für lange Zeit für die Menschheit verloren ist. Was damals geschah und wie es heute in Tschernobyl aussieht...

Tschernobyl: Die dunkle Seite der Atomkraft

Tschernobyl im Jahre 1986: Es stehen vier fertig gestellte und weitere zwei im Bau befindliche Reaktoren auf dem Gelände. Am 25. April 1986 soll am Reaktor Vier ein Stromausfall simuliert werden, um zu zeigen, dass bei einem heruntergefahrenen Reaktor, welcher auf Fremdstrom angewiesen ist, die Notstromaggregate schnell genug anlaufen.

Die Vorstufen zum GAU

Bei diesem Versuch gingen jedoch zahlreiche Dinge schief: Eines der schwerwiegenden Probleme war, dass man den Kernreaktor auf eine viel zu niedrige Leistung herunterfuhr. Dazu kam, dass der zur Leistungsregelung verwendete Stoff Graphit besonders empfindlich gegenüber Leistungsschwankungen reagiert.

Durch das Herunterfahren des Reaktors veränderten sich die Bestandteile im Reaktor auf eine nicht geplante Weise und man erkannte die Probleme nicht schnell genug. Im Normalfall hätten in diesem Fall Sicherheitssysteme die Problematik erkannt, jedoch hatte man diese abgeschaltet, um das Experiment gegebenenfalls wiederholen zu können. Ob die Sicherheitssysteme den GAU tatsächlich hätten verhindern können, ist jedoch umstritten.

Ausschlaggebender Fehler

Man vermutet, dass die Explosion des Reaktors schließlich durch die Bauweise des AKW herbeigeführt wurde. Die Steuerstäbe waren in Tschernobyl mit Graphit ausgestattet, welches bei einer bestimmten Stellung im Reaktor mehr oder weniger Energie produziert. Als später im Experiment eine Reaktorschnellabschaltung auslöst wurde, fuhren die Stäbe für einige Sekunden genau in die Position, in der sie am meisten Radioaktivität produzierten. So stieg die Leistung stark über den Sollwert an, was schließlich in der Nacht des 26. April zur Explosion führte.

Die Konsequenzen am Unfallreaktor

Durch die Explosion wurde das Dach des Reaktors zerstört, sodass der Reaktorkern nun ungehindert mit dem Sauerstoff der Luft reagieren konnte: die rund 250 Tonnen Graphit fingen Feuer und sowohl durch die Explosion als auch den Brand wurden Unmengen an radioaktiven Stoffen in die Umwelt abgegeben. Obwohl man einen Tag später bereits damit begann, den havarierten Reaktor mit Sand, Lehm und anderen Produkten zuzuschütten, verteilte sich die Radioaktivität über die gesamte Nordhalbkugel.

Mitte Mai des Unfalljahres begann man schließlich, den havarierten Reaktor zu versiegeln, die Umgebung und vor allen Dingen das Dach von radioaktivem Material zu befreien. Später untertunnelte man Block Vier, um ihn von unten zu kühlen, letztendlich wurden diese Tunnel jedoch nur mit Beton aufgefüllt, um eine Kontamination des Grundwassers zu vermeiden. Derzeit ist ein neuer Sarkophag im Bau, da der alte Beton-Sarkophag Risse bildet und Radioaktivität zu entweichen droht.

Die Konsequenzen für die Anwohner

Ein großes Problem beim GAU war, dass man die Lage unterschätzte, nicht schnell genug handelte und versuchte, den Unfall herunterzuspielen. Erste Evakuierungsmaßnahmen ergriff man am 27. April, 30 Stunden nach dem GAU, indem man die nahe Arbeiterstadt mit etwa 50.000 Einwohnern räumen ließ. Bis zum dritten Mai evakuierte man die umliegenden zehn Kilometer um das Kraftwerk herum, am vierten Mai rund 30 Kilometer um den Reaktor. Mit der Zeit vergrößerte man die Sperrzone immer mehr, sodass sie heute 4300 Quadratkilometer beträgt.

Bis heute sind große Teile weiterhin für die allgemeine Bevölkerung gesperrt, wenige Gebiete sind zur Rückkehr freigegeben. Trotz allem zieht es einige der Bewohner zurück in die Sperrzone. Sie wollten zurück auf ihren Hof, woanders habe es ihnen nicht gefallen. Einige von ihnen glauben nicht an die Radioaktivität und leben ein ganz normales Leben.

Weltweite Konsequenzen für die Umwelt

Doch der GAU in der Ukraine beschränkte sich nicht nur auf ein einziges Land – auf der gesamten Nordhalbkugel ließen sich unmittelbar nach der Katastrophe erhöhte radioaktive Werte messen. Woher die erhöhten Werte kamen, wurde dem Rest der Welt erst am Abend des 28. April bekannt, vorher hatten die Sowjets eine Nachrichtensperre erteilt. Erste nicht retuschierte Bilder erhielt man schließlich am 1. Mai über einen französischen Satelliten.

Besonders Länder, in welchen es in den Wochen nach dem GAU regnete, bekamen viel des radioaktiven Niederschlags ab. Im Regenwasser wurden stark erhöhte Werte gemessen. Noch heute kann man beim GAU freigesetzte Bestandteile in Bodenproben messen, Pilze oder Fleisch von Wild sind immer noch kontaminiert. So wurde 2002 bei Wildschweinen aus dem bayrischen Wald beispielsweise ein Cäsium-Wert von 20 kBq pro Kilogramm gemessen. Dabei liegt der EU-Grenzwert bei 0,6 kBq das Kilogramm.

Politische Folgen von Tschernobyl

Man wusste schon vor Tschernobyl, dass Atomkraftwerke eine Katastrophe heraufbeschwören können und baute an diesen wegen der günstigen und abgasarmen Energie trotz allem fleißig weiter. Nach Tschernobyl waren jedoch große Menschenmassen in Aufruhr. Was viele fürchteten, war eingetreten, und nun ging man verstärkt in Form von Demonstrationen und anderen Aktionen gegen den Weiterbetrieb und Bau von Atomkraftwerken vor.

Aber auch ohne den Druck der Bevölkerung hatten die Regierungen zahlreicher Länder einen Denkanstoß erhalten. So machte man sich auch in Deutschland Gedanken darüber, wie es um die Sicherheit der eigenen Meiler steht und ob diese Auswirkungen auf die Umgebung haben. Um die Fragen zu klären, startete man zahlreiche Forschungsprojekte. Neben den Projekten gab Tschernobyl auch den Anstoß dazu, ein bundesweites Umweltministerium zu bilden.

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