Ölpalmenfrüchte© ThKatz / Fotolia.com
Palmöl

Palmöl ist seit Jahren umstritten: Einerseits ist es ein nachwachsender Rohstoff, andererseits wird durch die erhöhte Nachfrage und den Platzbedarf der Plantagen zunehmend Natur zerstört. Das Öl findet sich nicht nur in Kosmetik und Nahrungsmitteln, sondern auch in Biokraftstoffen.

Palmöl – der umstrittene Alleskönner

Palmöl ist ein günstiger Rohstoff, der mittlerweile nahezu in jedem zweiten Produkt steckt. Egal ob in Lebensmitteln, Tierfutter, Kosmetik, Biokraftstoff oder Pharmaprodukten. Kein Wunder, dass die importierten Mengen riesig sind: Laut einer durch das Forum für Nachhaltiges Palmöl in Auftrag gegebenen Studie wurden im Jahr 2015 1,3 Millionen Tonnen Palmöl pur und 600.000 Tonnen bereits verarbeitetes Palmöl nach Deutschland importiert.

Wo Palmöl drin steckt

45 Prozent des importieren Öls fließen in die Energie, hauptsächlich in Biodiesel. Den zweiten Platz im Palmölverbrauch wird durch Lebensmittel belegt, gefolgt von Tierfutter. Aber auch für die Kosmetik, welche dem letzten Platz belegt, werden immer noch 20.000 Tonnen jährlich aufgewendet. Das verwendete Öl stammt aus Südostasien, Lateinamerika oder Afrika – wo es das ein oder andere Problem mit der Herstellung gibt, weswegen das Produkt eben umstritten ist.

Regenwälder und Moore müssen weichen

Schon beim Anbau von Palmöl treten viele Konflikte auf. Ölpalmen wachsen in den Regenwäldern der ärmsten Regionen der Erde. Durch die hohe Nachfrage werden immer mehr Ölpalmen angebaut, wodurch sich die Landschaft in Asien, Amerika und Afrika unumkehrbar wandelt: Klimastabilisierende CO2-Senken wie Regenwälder und Moore verschwinden unter dem hohen Nutzungsdruck der Palmplantagen. Der aus seinem Lebensraum vertriebene und durch Brandrodung verletzte Orang-Utan ist so etwas wie das Symbol der Palmöl-Gegner geworden.

Durch die Rodungen und Trockenlegungen werden nicht nur Unmengen CO2 frei, sondern es verschwinden unwiederbringlich Lebensräume für eine einmalige Tier- und Pflanzenwelt. Die Natur wieder herzustellen ist nahezu unmöglich: Regenwälder wachsen auf sehr armen Böden, welche weder Wasser noch Nährstoffe lange speicher können – alles befindet sich in der alten Biomasse, den Bäumen. Werden diese gerodet, bleibt ein karger Boden zurück, auf welchem sich so schnell nichts anderes mehr als vom Mensch unterstützte Pflanzen ansiedeln. Sehr ähnlich sieht es bei Moorkomplexen aus. Hier setzt, einmal das Wasser abgelassen, die Mineralisierung der über Jahrtausende gewachsenen Torfschicht ein.

Landbevölkerung wird durch Konzerne vertrieben

Doch nicht nur die Natur leidet: Auch die dort ansässigen Menschen, welche durch große Konzerne von ihren Ländereien vertrieben werden und die Lebensgrundlage genommen bekommen. Denn besonders in den Anbauländern der Ölpalme gibt es noch zahlreiche Kleinbauern, welche sich mit ihrem Stück Land und dem angrenzenden Regenwald selbst versorgen. Ebenfalls belastet und verbraucht wird das Wasser in den Anbauregionen: Denn das ohnehin knappe Gut Wasser wird nicht nur zur Bewässerung verbraucht, sondern auch das verbleibende durch Düngung und Pestizideinsatz verunreinigt.

Ressourcen schonend? Eher nicht.

Auch das Argument, dass es sich beim Palmöl um einen nachwachsenden und somit ressourcenschonenden Rohstoff handelt, überzeugt beim genaueren Betrachten nicht mehr so recht. In den Anbau und auch die spätere Verarbeitung wird viel Energie gesteckt. Die Palmen wollen angebaut, gepflegt und geerntet werden. Durch die intensive Düngung wird immer wieder Distickstoffoxid (Lachgas) frei, ein ebenfalls klimarelevantes Gas, welches sogar noch schädlicher als CO2 ist. Für die Früchte geht es dann auf eine lange Reise quer durch Lagerhäuser der ganzen Welt, um anschließend zum Endprodukt verarbeitet zu werden.

Wie viel Palme steckt in Benzin und Diesel?

Besonders gerne verwendet wird das günstige Palmöl für sogenannte Biokraftstoffe. Diesel hat bis zu sieben Prozent Bioanteil. Ein Großteil davon wird aus den Ölpalmen gewonnen. Innerhalb von vier Jahren hat sich der Palmölanteil in Diesel versiebenfacht. 3,2 Millionen Tonnen Palmöl verbrennen die Deutschen jährlich auf der Straße. EU-weit gehen rund 45 Prozent des importierten Palmöls in Kraftstoffe. Dabei ist es nicht so, dass es für Biodiesel nicht Alternativen gäbe. Mit 6,5 Millionen Tonnen macht Raps immer noch den größten Anteil am Biodiesel aus, aber auch Soja und Sonnenblumenkerne. So verfährt ein Oberklassewagen jährlich Nahrung für etwa 26 Menschen.

Wer einen Benziner fährt, der tankt mit E10 maximal zehn Prozent Biokraftstoff, mit normalem Super rund 6,25 Prozent Biokraftstoff. Ins Benzin fließen statt Palmöl, welches für diesen Kraftstoff nicht verwendbar ist, Mais, Weizen, Zuckerrübe und Zuckerrohr.

Warum überhaupt Pflanzen im Kraftstoff?

Nun könnte man sich natürlich fragen, warum wir denn überhaupt Kraftstoff auf Pflanzenbasis den fossilen Energieträgern beimischen. Klar ist, dass die fossilen Ressourcen stark begrenzt sind. Öl, Kohle und Gas sind über Jahrmillionen entstanden und die Vorräte werden in geraumer Zeit immer weniger werden. Der Mensch sucht also nach Alternativen und versucht über sogenannte Biokraftstoffe, die noch vorhandenen Vorkommen zu schonen. Neue, zukunftsweisende Techniken müssen her. Gleichzeitig sollten diese Techniken klimaverträglich sein, also möglichst wenig klimarelevante Gase wie CO2 freisetzen – auch das erscheint durch Biokraftstoff erfüllt zu sein, wenn denn die Rohstoffe aus entsprechenden Quellen stammen. EU-weit ist ein gewisser Anteil an Biokraftstoffen vorgeschrieben, ein Schritt mit viel Konfliktpotenzial.

Über die Nachhaltigkeit von Biokraftstoff

Neben der Vorschrift, einen gewissen Anteil Biokraftstoff den fossilen Energieträgern beizumischen, hat sich die EU auch Gedanken um die Palmölproblematik gemacht. Sie schreibt vor, dass nur Öl von Palmen verwendet werden darf, die ohnehin auf bereits landwirtschaftlich genutzten Flächen wachsen. So möchte man die voranschreitende Abholzung von Regenwald und Trockenlegung von Mooren verhindern. Ebenfalls Teil der Nachhaltigkeitsverordnung ist die Vorschrift, bei der Angabe des CO2-Ausstoßes bereits den Anbau, die Verarbeitung und die Lieferung mit einzubeziehen.

Soweit werden diese Vorschriften auch eingehalten, nicht dabei bedacht wurde jedoch, dass auf diese Weise nicht genügend Palmöl für die anderen Anwendungsbereiche übrig bleibt. So weicht der Palmölanbau für andere Produkte auf neue Flächen aus und es verschwinden weiterhin Regenwälder und Moore.

Alternativen zu Palmöl

Wer nun lieber auf Palmöl verzichten möchte, hat es je nach Anwendungsgebiet leicht oder schwer. Bei Lebensmittel lohnt es sich, auf Zertifikate zu achten, etwa das POIG-Zertifikat (kurz für Palm Oil Innovation Group) oder durch die Rainforest Alliance zertifiziertes Palm(kern)öl. In Kosmetika finden sich auch Produkte ohne Palmöl, man muss nur ein wenig suchen.

Beim Tanken von Diesel hingegen ist der Verzicht auf Palmöl nahezu unmöglich, da es schlicht nicht ausgewiesen wird. Hier hilft nur ein Kraftstoff sparendes Auto, ein Benziner oder noch besser gleich das Fahrrad – wobei hier derzeit alle Lösungen recht unbefriedigend sein dürften.

Hinzu kommt, dass nur durch einen Verzicht auf Palmöl die genannten Probleme nicht gelöst werden dürften. Hier hilft es wenig, die Nutzung der Ölpalme zu verteufeln und auf anderes Öl umzustellen, das theoretisch die gleichen negativen Effekte hat. Die Ölpalme ist eine der effizientesten Quellen für Pflanzenöl. Um die gleiche Menge an Öl aus anderen Quellen zu beschaffen, wären noch größere Anbauflächen nötig. Das Problem der Monokulturen und Regenwandabholzung ist in der heutigen Konsumgesellschaft ein generelles.

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