Nachthimmel© Christian Schwier / Fotolia.com
Lichtverschmutzung

Wie viele Sterne sehen Sie nachts, wenn sie in den Himmel blicken? Lichtverschmutzung und ein aufgehellter Sternenhimmel sind in Deutschland und europaweit allgegenwärtig. Das führt zu diversen Problemen für Mensch und Natur. Welche das sind und was wir dagegen unternehmen können.

Lichtverschmutzung: Stufen, Ursachen, Gegenmaßnahmen

Immer weniger Menschen haben die Milchstraße schon einmal mit eigenen Augen gesehen. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung der Atmosphäre, welche durch zahlreiche künstliche Lichtquellen entsteht. Besonders in dicht besiedelten Regionen ist der Lichtsmog intensiv. Straßenlaternen und Leuchtreklame machen nicht nur für uns die Nacht zum Tag, sondern strahlen auch in die Atmosphäre und hellen diese künstlich auf. So verblassen scheinbar immer mehr Sterne am Himmel, die Jahrhunderte lang ihre Faszination auf den Menschen ausübten und ihm bei der Bestimmung von Jahreszeiten und Weg halfen.

Durch Lichtverschmutzung verlorenes Kulturgut

Gerade mal rund 200 Jahre ist es her, da sah man noch zahlreiche kleine Edelsteine am Himmel, die Milchstraße zog sich als helles Band über den Nachthimmel. Umfangreiche elektrische Beleuchtung kannte man noch nicht, das Licht in der Nacht kam von Sternen, dem Mond und der ein oder anderen Handlaterne. Mithilfe der Sterne wurden Zeit und Kalender erstellt. Zog der Schwan etwa über den Zenit des Himmels, erreichte der Sommer seinen Höhepunkt – das wissen heute nur noch die wenigsten, geschweige denn wie das Sternbild Schwan überhaupt aussieht.

Auch die Navigation erfolgte früher anhand der Sterne – so navigierte auch Kolumbus neben seinem Kompass mit den Sternen in Richtung Amerika. Die Astronomie gilt als eine der ältesten Wissenschaften der Menschheit.

Auch heute fühlen sich viele Menschen noch von der unendlichen Weite des Sternenhimmels magisch angezogen – bloß, dass der Himmel gar nicht mehr so beeindruckend aussieht wie vor noch 100 Jahren, weil immer mehr Sterne durch das Strahlen des künstlichen Lichts kaum noch erkennbar sind. Rund 90 Prozent aller Europäer und Amerikaner leben unter einem Himmel, der künstlich aufgehellt ist, die Lichtverschmutzung nimmt außerdem jährlich um rund sechs Prozent zu.

Die Nacht suchen

Um den Sternenhimmel in all seiner Schönheit zu erleben, muss man raus aus der Stadt, die Nacht suchen. Finden kann man sie noch in dünn besiedelten Gebieten, in welchen unter anderem sogenannte Sternenparks und Nachthimmelreservate ausgewiesen sind. 40 Regionen gibt es weltweit, neben der Wüste Namibia oder dem Death Valley in den USA drei davon auch in Deutschland. Im Naturpark Westhavelland, im Nationalpark Eifel und im Biosphärenreservat Rhön lässt sich die Milchstraße noch in all ihrer Schönheit betrachten.

Auswirkungen von künstlichem Licht auf den Schlaf

Doch nicht nur ein Kulturgut geht mit den hellen Lichtglocken über eng besiedelten Gebieten verloren, sondern auch ein Stückchen Gesundheit. Denn über die Jahrhunderte hat der Mensch einen empfindlichen Tag-Nacht-Rhythmus ausgebildet: Tagsüber aktiv für den Lebensunterhalt sorgen, bei Nacht schlafen, um Kraft für den nächsten Tag zu tanken. Dabei war der Tag-Nacht-Rhythmus ohne künstliches Licht sehr fest und änderte sich maximal mit der Tageslänge. Durch künstliches Licht ist dieser Rhythmus jedoch außer Kraft gesetzt, was zu Schlafstörungen führen kann: Wir schlafen erst gar nicht ein, werden während der Nacht mehrfach wach, kommen morgens nicht aus den Federn.

Schuld daran ist die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin, welche durch künstliches Licht aus dem Gleichgewicht kommt. Eigentlich wird Melatonin mit abnehmenden Licht verstärkt ausgeschüttet und macht uns schläfrig. Nimmt die Lichtintensität wieder zu, wird die Produktion wieder gehemmt. So kommt es, dass unsere innere biologische Uhr aus dem Takt gerät. Selbst wenn wir keine direkten Probleme beim Schlaf bemerken, zeigen Studien, dass der Schlaf durch die vermehrten Lichtreize flacher und somit weniger erholsam wird.

US-Forscher zeigten, dass Zelten ohne künstliches Licht die innere Uhr innerhalb weniger Tage wieder korrekt takten kann. Wer das nicht umsetzen kann, sollte tagsüber viel natürliches Tageslicht genießen und möglichst auf künstliches Licht bei Dunkelheit verzichten. Auch sogenannte Lichtwecker, welche im Schlafzimmer den Sonnenaufgang simulieren, sollen dem einen oder anderen schon geholfen haben.

Einfluss der Lichtverschmutzung auf die Natur

Auch die Natur hat ähnliche Probleme wie der Mensch: Die Tier- und Pflanzenwelt ist nicht auf das künstliche Licht in der eigentlich dunklen Nacht ausgelegt und erhält so falsche Reize. So krabbeln frisch geschlüpfte Meeresschildkröten in Richtung heller Hotels anstatt zum mondbeschienenen Meer, Zugvögel kreisen über hellen Städten oder in der Nähe von Leuchttürmen, nachtaktive Insekten verwechseln Straßenlaternen mit dem Mond und dämmerungs- oder tagaktive Vögel fangen mitten in der Nacht an zu singen oder trällern gar durch. So unterscheidet man mittlerweile sogar zwischen der Stadt- und Landamsel, welche völlig unterschiedliche Aktivitätszeiträume und Gesänge aufweisen.

Weiterhin kommen sich tag- und nachtaktive Arten, welche die gleichen Ressourcen nutzen, plötzlich in die Quere. Pflanzen werden in ihrem Wachstumszyklus beeinflusst und ganze Artengemeinschaften ändern sich. So fanden Forscher unter Straßenlaternen etwa deutlich mehr räuberische und aasfressende Käferarten als an dunkleren Vergleichsorten.

Nicht von der Hand zu weisende Probleme tun sich auf, die Natur versucht sich entsprechend anzupassen. Was das auf Dauer mit unserem Ökosystem macht, steht in den Sternen, die wir dummerweise wegen der Lichtverschmutzung nicht sehen – zahlreiche Forschungsvorhaben haben sich zum Ziel gemacht, die Auswirkungen weiter zu erforschen.

Schützt die Dunkelheit!

Doch was kann man nun gegen die Lichtverschmutzung tun, um den Nachthimmel zurückzuholen? Künstliches Licht, besonders wenn es ungehindert nach oben abstrahlen kann, sollte möglichst vermindert werden. Das funktioniert etwa dank Straßenlampen mit nach unten gerichteten, nach oben hin abgeschirmten Lichtkegeln. Einige Gemeinden schalten Straßenlampen nachts auch ganz ab, wobei das eher finanzielle Gründe hat. Manche Städte testen Bewegungsmelder, sodass Lampen nur dort angehen, wo sie auch benötigt werden.

Auch in Sachen Lichtfarbe kann man Einfluss auf den Lichtsmog nehmen, denn wählt man die Lichtfarbe möglichst gelblich-orange mit wenig Blauanteil, vermindert man die Streuung in der Atmosphäre. Außerdem tragen wenig Leuchtreklame, sowie eine begrenzte und angepasste nächtliche Außenbeleuchtung (etwa von Baudenkmälern) zu einem dunkleren Nachthimmel bei.

Diese Maßnahmen helfen nicht nur, Lichtverschmutzung einzudämmen, sondern sparen gleichzeitig auch Strom und schützen somit noch auf andere Weise die Umwelt.

Stufen der Lichtverschmutzung

  • Natürlich ist ein Himmel, an dem die Milchstraße bis zum Horizont sichtbar ist und Wolken schwarz erscheinen – in Europa ist dieses Szenario jedoch selten geworden.
  • Sieht man die Milchstraße, zeigt der Horizont (außerhalb der Dämmerungszeit) jedoch Lichtschimmer, spricht man vom Landhimmel. Auch diese sind in Deutschland selten geworden und man findet sich nur noch in ländlich geprägten Gebieten wie den Mittelgebirgen oder den Alpen.
  • Wer die Milchstraße noch angedeutet sehen kann, aber helle Wolken am Nachthimmel hat, schaut in einen Dorfhimmel, der schwächere Sterne bereits verblassen lässt.
  • Am Vorstadthimmel ist die Milchstraße nur noch im Zenit gerade so erkennbar, dem kleinen Wagen fehlen bereits Eckpunkte.
  • Am stark aufgehellten Stadthimmel sind gerade mal so noch unsere beiden hellsten Sterne, der Polarstern und Kochab, erkennbar.

Lichtverschmutzung am eigenen Wohnort

Wie stark die Lichtverschmutzung am eigenen Wohnort ist, kann man mithilfe von Lichtverschmutzungskarten und verschiedenen Apps herausfinden. Wer die Lichtverschmutzung an seinem Wohnort selbst bestimmen mag, kann über Citizen-Science-Projekte, also Forschungsprojekten, an denen jeder teilnehmen kann, wie "GLOBE at Night" oder "Loss of the night" zu künftigen Lichtverschmutzungskarten beitragen. Die App, die beispielsweise "GLOBE at Night" zur Verfügung stellt, fragt den Nutzer nach der Sichtbarkeit verschiedener Sterne. Durch die Bestimmung des lichtschwächsten Sternes lässt sich der Lichtsmog-Faktor ableiten.

Zur Bestimmung der Lichtverschmutzung sollte man außerdem darauf achten, dass möglichst Neumond und die Dämmerung vorbei ist, außerdem sollte die Luft möglichst klar und windstill sein und selbstverständlich dürfen keine künstlichen Lichtquellen in unmittelbarer Nähe des Beobachtungsortes sein.

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