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Grobe Fahrlässigkeit

Immer mal wieder hört man den Begriff "grobe Fahrlässigkeit" – besonders wenn es um die Rechtsprechung in Versicherungsfragen geht. Wer grob fahrlässig handelt, bekommt oft Probleme mit der Versicherung. Doch was genau ist grob fahrlässig?

Grobe Fahrlässigkeit: Eine Frage des gesunden Menschenverstands

Natürlich handelt auch ein Versicherungsunternehmen wirtschaftsorientiert und möchte nicht für jede Dummheit des Versicherten aufkommen müssen – besonders, wenn sie grob fahrlässig war. Doch was ist grobe Fahrlässigkeit überhaupt?

Eine Definition der der groben Fahrlässigkeit

Unterschieden wird zwischen grober und leichter Fahrlässigkeit: Eine genaue Definition gibt es jedoch nur für die leichte Fahrlässigkeit: Diese liegt vor, wenn die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen wird.

Grob fahrlässig handelt dagegen der, der sich entgegen geltender Regeln und dem gesunden Menschenverstand verhält. Als grob fahrlässig wird bezeichnet, wer mit wenig Umsicht und Sorgfalt durchs Leben spaziert. Stellt man beispielsweise sein Auto an einer Steigung ab, kuppelt aus und zieht keine Handbremse an oder lässt den Schlüssel offen liegen und das Auto ist hinterher weg, so ist dies als grob fahrlässig zu bewerten. Grundsätzlich gilt also: Jede Handlung, die, mit gesundem Menschenverstand bedacht, zu einem Schaden führen muss, gilt als fahrlässig.

Trotz grober Fahrlässigkeit: Teilleistungen realistisch

Bei Versicherungen, egal ob KFZ-Versicherung oder Hausrat-Versicherung, ist grobe Fahrlässigkeit nicht gerne gesehen: Wer fahrlässig handelt, der sollte nicht damit rechnen, eine vollständige Erstattung von der Versicherung zu erhalten. Teilzahlungen sind in letzter Zeit jedoch immer realistischer geworden.

Bis 2007 galt die "Alles-oder-nichts-Regel": Entweder man bekam seinen Schaden ersetzt oder auch nicht. Im Falle von grober Fahrlässigkeit war eine Erstattung selten der Fall. Heute sieht die Lage jedoch etwas anders aus: Heute kann man auch bei grober Fahrlässigkeit davon ausgehen, dass man mindestens eine Teilzahlung erhält. Dies kommt jedoch stark auf die Situation an – und diese wird vor Gericht betrachtet.

Wie Versicherungen und Gerichte mit grober Fahrlässigkeit umgehen

Grundsätzlich gilt: Es muss immer der individuelle Fall betrachtet werden und Pauschallösungen gibt es nicht. Was sich jedoch zu einer gängigen Praxis entwickelt hat, ist die Tatsache, dass man anfänglich von einem fünfzig-prozentigen Erstattungsbetrag ausgeht und diesen nach oben oder unten korrigiert – je nach Situation. Nehmen wir an, jemand ist über eine rote Ampel gefahren und hat einen Unfall verursacht. Hat er dies vorsätzlich getan, zahlt die Versicherung nichts. Vielleicht war der Fahrer aber auch ortsfremd und auf der Suche nach dem richtigen Weg und daher abgelenkt? Oder die Sonne stand im falschen Winkel, sodass die Ampel nicht lesbar war? In solchen Fällen kann man von einer Erstattung ausgehen – auch wenn sie selten vollständig ist.

Weiterhin gilt: Fahrlässigkeit im Alltag vermeiden!

Trotz neuerer Tendenzen in der Rechtsprechung ist es also nach wie vor empfehlenswert, im Alltag seinen Kopf zu benutzen: Denn wer grob fahrlässig handelt, hat jede Menge Ärger und unnötige Arbeit, die sich durch gesunden Menschenverstand hätte vermeiden lassen. Und: Sicher sein kann man sich ohnehin nicht, wie ein Gericht im konkreten Fall entscheidet.

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