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Fukushima

11. März 2011 in Fukushima: Nach einem schweren Erdbeben erreicht ein Tsunami die kleine Provinz und richtet auch im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi irreparable Schäden an, die zur Kernschmelze führen sollten.

Wie es zur Katastrophe von Fukushima kam

Kernkraftwerke müssen ständig gekühlt werden, um funktionstüchtig zu bleiben und dafür erbaut man sie gerne an größeren Flüssen oder auch am Meer – und genau dies wurde Japan zum Verhängnis. Zum Zeitpunkt des Bebens waren nur drei Reaktorblöcke von insgesamt sechs in Betrieb, bei einem lagerten die Brennelemente im Abklingbecken, zwei weitere waren wegen Wartungsarbeiten heruntergefahren.

Beben löst Katastrophe in Fukushima aus

Als sich am 11. März 2011 ein Beben der Stärke 9 ereignete, wurden zuallererst die Reaktoren heruntergefahren, die sich noch im Betrieb befanden. Aufgrund eines Stromausfalles mussten zudem die Notstromaggregate hochgefahren werden. Es hätte also gutgehen können – wäre nicht ein Tsunami dem Beben gefolgt. Durch diesen fiel schließlich auch die Notstromversorgung der Reaktoren aus, weshalb diese nicht mehr gekühlt werden konnten.

Kernschmelze setzt ein

Besonders brisant war der Strom- und damit Kühlausfall für die Reaktorblöcke 1 bis 3, da diese zum Zeitpunkt des Bebens hochgefahren waren. In Block 1 fielen mit dem Tsunami alle Sicherheitssysteme aus, in den Blöcken 2 und 3 konnte die Kühlung immerhin noch einige Tage aufrechterhalten werden. Trotz allem kam es schließlich in allen drei Reaktoren zu einer Überhitzung, was schließlich zur Kernschmelze führte.

Durch die Beschädigungen der Reaktorkerne bildete sich in den nächsten Tagen in den Blöcken Wasserstoff, welcher schließlich explodierte und so in den Reaktoren 1, 2 und 4 zu schweren Schäden führte. Bei dem eigentlich nicht von einer Kernschmelze betroffenen Block 4 vermutete man, dass der Wasserstoff über gemeinsam genutzte Leitungen einströmen konnte. Nach der Explosion stieg die Radioaktivität schlagartig an, sodass alle Maßnahmen kurzzeitig unterbrochen werden mussten.

Radioaktivität wird freigesetzt

Eingeordnet wurde die Katastrophe über die INES-Skala in die höchstmögliche Stufe 7. Das liegt darin begründet, dass große Mengen Radioaktivität frei wurden. Zum einen gelangte Radioaktivität nach den Explosionen in die Umwelt, da die Brennstäbe freilagen und die Sicherheitsbehälter beschädigt wurden. Weiterhin gelangte Radioaktivität durch das verwendete Kühlwasser, welches ungefiltert abgeleitet wurde, in die Umwelt.

Erste Maßnahmen

Als erste Maßnahme zur Stabilisierung der Lage griff man zu den einfachsten Mitteln: Wichtig war, dass noch intakte Brennstäbe nicht überhitzten und so kühlte man provisorisch mit Wasserwerfern, welche später durch automatische Pumpen ersetzt werden sollten. Als nächstes bemühte man sich, die Stromanschluss des Kraftwerkes wieder herzustellen, um die Kühlsysteme wieder in Betrieb nehmen zu können. Um die Kühlung eines Reaktor aufrecht zu erhalten, benötigt man jedoch bis zu 200 Tonnen Wasser pro Tag – eine Menge, die schnell zum Problem werden sollte.

Alleine bis zum 4. April des Katastrophenjahres sammelten sich über 60.000 Tonnen radioaktiv verseuchten Wassers unter dem Kernkraftwerk. Rund 10.000 Tonnen davon pumpte man einfach ins Meer. Aus diesem Grund war hier schnelles Handeln gefragt und man errichtete provisorische Auffangbecken und Filteranlagen, um das Wasser zu dekontaminieren. Das Problem: Die Filteranlagen sind für das hohe Wasseraufkommen zu klein und richtig gereinigt kann das Wasser auch nicht werden. So sammeln sich immer größere Mengen in riesigen Wassertank auf dem Reaktorgelände. Dabei treten immer wieder mehr oder minder große Mengen radioaktiv verseuchten Wassers aus und fließen ins Meer. Die größten bekannten Lecks gab es im August 2013 mit rund 300 Tonnen radioaktiv verseuchtem Wasser und im Februar 2014 mit etwa 100 Tonnen abfließendem Wasser.

Stabilisierungsversuche in Fukushima

Schienen alle Maßnahmen in den ersten Wochen noch ein wenig chaotisch, so versuchte man nach und nach Ordnung in die Aufräumarbeiten zu bringen. Mit Robotern räumte man radioaktiven Schutt beiseite und versuchte das Gelände wieder für den Menschen begehbar zu machen. Auch installierte man eine bessere Filteranlage für das kontaminierte Kühlwasser und machte sich Gedanken darüber, wie man die havarierten Blöcke zukünftig von der Umwelt abriegeln könnte.

Langfristig möchte man nicht nur einfach wie in Tschernobyl einen Sarkophag um die havarierten Kraftwerke errichten, sondern alle Brennelemente bergen, sodass die Gefahr eines erneuten Unfalles möglichst gering gehalten wird. Allerdings wird sich diese Maßnahme hinziehen: In Block 4 begann man zwar bereits Ende 2013 mit der Bergung, für Block 1 und 2 ist eine Bergung jedoch erst 2020 vorgesehen.

Fukushima und die Folgen für die Zivilgesellschaft

Nach dem GAU wurden von der Regierung rund 110.000 Menschen aus der nahen Umgebung von Fukushima evakuiert, weitere 50.000 flohen eigenständig. Das Problem bei der Evakuierung lag darin, dass man einfach einen symmetrischen Kreis vom 20 Kilometern um die Kernkraftwerke zog und nicht die Zugrichtung der radioaktiven Wolke bedachte. Später wurde die Evakuierungszone auf 30 Kilometer erweitert, allerdings wurden viele Menschen in weiterhin hoch kontaminierte Zonen gebracht oder erst gar nicht von dort fort geholt. Heute ist die Sperrzone der Kontamination entsprechend angepasst: Ein 60 Kilometer langer Streifen nach Nordwesten ist für die Zivilbevölkerung gesperrt.

Verschiedene Studien haben sich mit den Langzeitfolgen beschäftigt. Grundsätzlich hielt man fest, dass nur wenige Leute dank günstiger Winde zum Unfallzeitpunkt schwer betroffen sein dürften. Nur innerhalb der Gebiete, wo der radioaktive Ausfall am größten war, sei mit erhöhten Krebsraten zu rechnen. Das höchste Risiko sehen die Forscher für jetzige Kinder, welche künftig mit einem um 70 Prozent erhöhten Risiko für Schilddrüsenkrebs rechnen müssten.

Deutschlands Reaktion auf Fukushima

Schon lange schwelte in Deutschland der Konflikt zwischen Atom-Befürwortern und Atom-Gegnern. Durch Fukushima wurde die Diskussion erneut angefacht und auch in der Politik erkannte man den Handlungsbedarf. So kam es, dass alle deutschen Meiler auf ihre Sicherheit überprüft wurden und die sieben ältesten Meiler sowie Krümmel abgeschaltet wurden. Alle anderen sollen bis spätestens 2022 vom Netz gehen.

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