Solarenergie© arsdigital / Fotolia.com
Desertec

Desertec – ein Wort, das immer mal wieder im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien fällt und für eine ganz spezielle Idee steht. Photovoltaik-Anlagen in der Wüste produzieren Strom für die lokale Nutzung und den Export nach Europa.

Desertec: Strom aus der Wüste

Die Desertec Foundation ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich dafür einsetzt, Strom an energieeffizienten Standorten der Welt zu produzierten und sie per Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung an die Orte zu bringen, wo Energie verbraucht wird. Bei Desertec stehen besonders Wüsten im Mittelpunkt, wie das "Desert" (zu Deutsch "Wüste") schon vermuten lässt. Man möchte die freien Flächen, wo Sonne über Stunden viel Energie liefert, sinnvoll nutzen. Entwickelt wurde das Konzept von einem internationalen Team, bestehend aus Wissenschaftlern, Politikern und Ökonomen.

Was genau man bei Desertec plant

Das Desertec-Konzept sieht vor, grünen Strom dort zu produzieren, wo er am günstigsten ist: So möchte man beispielsweise auf Photovoltaik in Wüsten setzen. Der dort entstandene Strom soll schließlich über eine Gleichstromleitung zu den Verbrauchern gelangen, unter anderem bis nach Europa. Doch nicht nur Strom für Europa soll das Desertec-Projekt liefern, der größte Teil des Stromes soll an Afrika gehen und dort beispielsweise zur Trinkwasserreinigung eingesetzt werden. 2009 gründete man schließlich die Dii GmbH, ein Unternehmen mit dessen Hilfe man Desertec umsetzen wollte.

Über die Umsetzbarkeit von Desertec

Der Frage, ob Desertec wirklich umsetzbar ist, ging man in den Jahren 2004 bis 2007 im Deutschen Zentrum für Luft und Raumfahrt nach. Man kam zu dem Schluss, dass das angedachte Projekt sowohl technisch als auch wirtschaftlich sinnvoll umzusetzen ist. Sowohl die Länder, in denen der Strom produziert würde, als auch die EU könnten von dem Projekt profitieren. Laut der Studie benötige man lediglich 0,3 Prozent der Wüstenfläche des Nahen Ostens, um sowohl den Bedarf angrenzender Länder als auch 17 Prozent des EU-Strombedarfes im Jahre 2050 zu decken. Die Übertragung nach Europa per Hochspannungs-Gleichstrom wäre mit einem Verlust von rund 15 Prozent möglich.

Erste Desertec-Projekte

Da es nicht nur bei der Theorie bleiben sollte, begann man bald, erste Desertec-Projekte umzusetzen. So errichtete man sowohl in Spanien als auch in den USA erste solarthermische Anlagen auf Wüstenfläche. Auch im Marokko begann 2013 der Bau von solarthermischen Kraftwerken, welche 2016 ans Netz gehen sollen.

Das Scheitern der Desertec-Idee

Aufgrund zahlreicher Meinungsverschiedenheiten und unklaren Erfolgsaussichten beschloss man im Oktober 2014, die Dii-Initiative aufzulösen. Damit geht eine treibende Kraft für Desertec verloren, der Rahmen wird stark verkleinert. Die verbliebenen Gesellschafter führen nur noch ein kleines Beratungsunternehmen weiter. Der Aufbau von Kraftwerken zur regenerativen Energieerzeugung vor Ort, also etwa in Nordafrika, soll immerhin weitergehen. Vom Gedanken des Stromexports nach Europa hat man sich aber vorläufig verabschiedet. Probleme mit der Organisation und auch der schnellere Ausbau erneuerbarer Energien werden als Gründe für das Scheitern des Projekts benannt.

Aktuelle Nachrichten zum Thema
  • Alternative Stromerzeugung

    Studie: 34 Prozent Ökoenergie-Anteil ist bis 2030 möglich

    Die EU-Länder wollen den Anteil an Ökoenergie beim Strommix bis 2030 auf 27 Prozent erhöhen. Einer aktuellen Studie zufolge ist aber ein deutlich höherer Anteil erreichbar und gleichzeitig könnten so Milliarden bei der Stromerzeugung gespart werden.

  • Strom- und Gaspreise

    ECF: Energiepreise sind im Januar gestiegen

    Insgesamt sind die Energiepreise im Januar gestiegen, zeigt eine Untersuchung der European Climate Foundation. Das gilt aber nicht für alle Brennstoffe gleichermaßen. Während Gas zumindest für Endkunden günstiger geworden ist, musste Heizölkunden draufzahlen.

  • Wärmedämmung

    Gutachten: Baukosten erhöhen sich durch Energie-Vorschriften kaum

    Die Baukosten sind in den vergangenen Jahren angestiegen. Einer Studie zufolge liegt das aber nur zu einem sehr geringen Anteil an Maßnahmen, um den Energieverbrauch in den Gebäuden zu senken. Vielmehr seien die gestiegenen Kosten beispielsweise auf höhere Grundstückspreise zurückzuführen.

  • Steckdose

    Hohe Stromrechnung: Kunden zahlen beim Grundversorger drauf

    Die Stromrechnung lässt sich deutlich reduzieren, wenn man den Energieanbieter wechselt. Einer Analyse zufolge zahlen Stromkunden mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh, die sich im Grundversorgungstarif des örtlichen Versorgers befinden, knapp 400 Euro drauf.

  • Auspuff

    VW: Rund 150.000 alte Diesel umgetauscht

    Die nach dem Diesel-Gipfel angekündigte Umtauschprämie wurde mittlerweile bei mehreren Autohäusern noch einmal verlängert. VW zufolge sind bisher 150.000 alte Diesel-Fahrzeuge des Konzerns umgetauscht worden.

Top