Atommüll© papapopolus / Fotolia.com
AKW-Restlaufzeiten

Schon wird gegen den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken protestiert und nach Fukushima wurden die Stimmen des Volkes immer dringlicher. Die Politik musste reagieren und so versuchte sie sich an einem Kompromiss: den AKW-Restlaufzeiten.

AKW-Restlaufzeiten: Die Jahre der Atomkraftwerke sind gezählt

Dass AKW ein großes Risiko für Land und Bevölkerung darstellen, ist den meisten bereits mit der Katastrophe in Tschernobyl klar geworden und seitdem gibt es zahlreiche Proteste gegen den Betrieb von Atomkraftwerken.

Unsere hiesigen Meiler laufen zwar in der Regel stabil, allerdings möchten sich viele Bürger lieber nicht auf diese Regel verlassen. Zu schnell lässt ein nicht einkalkuliertes Ereignis wie ein Sturm oder Erdbeben, menschliches oder technisches Versagen ein Atomkraftwerk zur großen Gefahr für die Allgemeinheit werden.

Auf die massiven Proteste der Bevölkerung hin und auch anhand zahlreicher Forschungsergebnisse handelte die Regierung schließlich erstmals 2002, indem sie für jedes Kernkraftwerk anhand einer speziell entwickelten Formel eine Restlaufzeit berechnete. Nach Ablauf dieser Zeit sollte der jeweilige Meiler von Netz genommen werden.

Der erste Schritt

Einen ersten Schritt bezüglich der Restlaufzeiten unternahm man bereits 2000. Schon vor Fukushima legte man fest, dass die Nutzung der Kernkraftwerke zeitlich begrenzt werden sollte und Neubauten nicht länger zulässig sind. 2002 legte man eine Reststrommenge für jedes Kraftwerk fest. Hatte es die festgelegte Leistung erbracht, sollte es vom Netz gehen. Nach den damaligen Plänen wären alle Kernreaktoren bis spätestens 2021 vom Netz gewesen. Abgeschaltet wurden nach diesem Plan jedoch nur zwei AKW.

Laufzeitverlängerungen beschlossen

Als 2009 die Regierung wechselte und ein Jahr später mehrheitlich für eine Laufzeitverlängerung stimmte, wurden erneut zahlreiche Proteste laut. Man beschloss, den AKW eine "Gnadenfrist" zu gewähren und verschob die Abschaltungstermine um rund zwölf Jahre nach hinten. Neben den zahlreichen Demos reichten zudem einige Bundesländer eine Klage beim Bundesverfassungsgericht ein.

Atromkraftwerke Karte AKW in Deutschland© Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Fukushima ändert alles

Scheinbar brauchte Deutschland einen weiteren Denkanstoß, um zu handeln: Als die Katastrophe in Fukushima ihren Lauf nahm, begann man auch in Deutschland nochmals, die Pläne für die Atommeiler zu überdenken. Man entwarf das sogenannte Atom-Moratorium, nach welchem die sieben ältesten AKWs zeitnah von Netz genommen werden sollten. Klage wurde gegen diesen Beschluss von den Betreibern der AKW eingereicht, da die Rechtsgrundlage des Moratoriums nicht ganz klar war. Spätestens jedoch mit dem Mitte 2011 beschlossenen neuen Atomgesetz wurde den ältesten Kraftwerken sowie dem Kraftwerk in Krümmel die Betriebserlaubnis entzogen.

Der heutige Stand der AKW-Restlaufzeiten

Schnell verliert man bei den zahlreichen Änderungen an den Restlaufzeiten den Überblick. Nach dem aktuellen Atomgesetz müssen einheitlich alle Kraftwerke bis spätestens 2022 von Netz sein. Insgesamt sind noch neun Kernkraftwerke in Betrieb, welche alle ihre Arbeit in den 80er Jahren aufnahmen.

Grundsätzlich kann man sagen, dass sich durch die neue Gesetzeslage von 2011 die Restlaufzeiten gegenüber dem ersten Gesetz von 2000 zwar verlängert haben, aber bei einigen Meilern sehr nah beieinander liegen. So findet man bei zwei Kraftwerken lediglich eine Differenz von wenigen Monaten, bei anderen beträgt sie jedoch Jahre.

Das erste AKW, welches vom Netz gehen soll, ist Grafenrheinfeld im Dezember 2015. Die Meiler Isar 2, Emsland und Neckarwestheim werden dem Plan zufolge als letztes Ende 2022 heruntergefahren.

Vom Netz ist nicht aus der Welt

Zwar produzieren die Meiler nach ihrer Abschaltung keinen Strom und damit auch kein neues radioaktives Material mehr, allerdings werden sich mit den Meilern noch viele künftige Generationen beschäftigen müssen. Schließlich kann man ein AKW nicht einfach wie Licht an- und ausknipsen, eine Gefahr geht auch weiterhin von den abgeschalteten Atomkraftwerken aus. Die Brennstäbe im Inneren der Meiler müssen noch Jahrzehnte gekühlt werden und schließlich gilt es, das radioaktive Material zu entsorgen – wohin damit weiß jedoch niemand so recht.

Aktuelle Nachrichten zum Thema
  • Öko-Auto

    Höhere Kaufprämie für E-Autos ab 8. Juli

    Die Bundesregierung hat die Kaufprämie für den Kauf von Elektroautos und Hybridautos erhöht. Zwar tritt der Beschluss erst am 8. Juli in Kraft, die Zuschüsse von bis zu 9.000 Euro werden aber auch rückwirkend ausgezahlt.

  • Atomenergie in Europa

    Atomkraftwerk Fessenheim für immer heruntergefahren

    Das Atomkraftwerk Fessenheim stand über viele Jahre im Fokus von Atomkraftgegnern. Am Montagabend wurde die Anlage endgültig abgeschaltet. Der Rückbau des Kraftwerks soll mehrere Jahrzehnte andauern.

  • Energieeffizienz

    Waschen und Spülen: Besser nicht auf Kurzprogramme setzen

    Geschirrspüler und Waschmaschinen bieten oft auch Kurzprogramme an. In Sachen Energieverbrauch bringt das aber Nachteile mit sich, warnt die Initiative Hausgeräte+. Aber auch die Waschwirkung ist demnach geringer als bei normalen Programmen.

  • Benzinpreise

    Benzinpreise ziehen wieder an

    In den letzten Wochen erlebten die Diesel- und Benzinpreise eine Talfahrt, deren Tiefpunkt Ende April erreicht war. Jetzt geht es allmählich wieder nach oben, wie der ADAC berichtet. Benzin ist jetzt wieder so teuer wie zuletzt Mitte März.

  • Taschenrechner

    Gas- und Strompreise sind 2020 günstiger geworden

    Im ersten Halbjahr 2020 sind die Strom- und Gaspreise gesunken - allerdings nicht für alle, wie eine Analyse von Verivox zeigt. Strom in der Grundversorgung ist aktuell teurer als zu Beginn des Jahres. Beim Gas fällt die Preissenkung deutlicher aus.

Alle Tarif- und Preisangaben brutto. Trotz sorgfältiger Erstellung wird für die Richtigkeit keine Haftung übernommen. Beachten Sie Preise und AGB der Anbieter. Alle Angaben ohne Gewähr.

Cookie-Einstellungen

Top