Abwägung

Wann ist ein Ratenkredit sinnvoll?

"Heute kaufen, morgen zahlen" – Fast jede Bank und jedes Kreditinstitut in Deutschland bietet Kunden heute Ratenkredite an. Doch in welchen Fällen ist es wirklich sinnvoll, einen Ratenkredit abzuschließen und wann sollte man eher darauf verzichten?

Kredit© Tobif82 / Fotolia.com

Als Ratenkredit werden Verbraucherdarlehen bezeichnet, die in regelmäßigen Raten zurückgezahlt werden. Typisch sind monatlich gleich hohe Beträge, so lassen sich die Darlehen gut planen und handhaben. Zinsen werden immer auf die noch bestehende Restschuld erhoben, so dass sich in der gleichbleibend hohen Monatsrate der Anteil für die Zinsen stetig verringert und der Tilgungsteil steigt. Bei der so genannten Ballonfinanzierung dagegen sind die Raten zunächst niedrig, dafür ist die Schlussrate besonders hoch.

Bankkunden nutzen Ratenkredite häufig für bestimmte Anschaffungen wie Einrichtungsgegenstände, Fahrzeuge oder Elektrogeräte, aber auch für die Erfüllung von besonderen Wünschen. Im Jahr 2017 wurde laut Statista ein Kreditvolumen von mehr als einer Billion (1.000 Milliarden) Euro an Privatpersonen vergeben, fast die Hälfte davon von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken.

Konditionen für Ratenkredite genau vergleichen

Bei Angeboten für Verbraucherkredite lohnt sich ein genauer Blick auf die Konditionen. Die vereinbarte Zinshöhe ist von vielen verschiedenen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel die Laufzeit des Ratenkredits, seiner Höhe, der Bonität des Schuldners oder den Bedingungen des allgemeinen Zinsmarktes. Oft fallen zusätzlich Gebühren für den Kredit an. Mit Blick auf die Transparenz der Angebote ist der Darlehensgeber gesetzlich verpflichtet, den effektiven Jahreszins des Kredits anzugeben. Dieser enthält alle Kosten.

Für Ratenkredite, die von den Banken und Kreditinstituten meist mit einem kleinen Zinssatz ausgestattet werden und über eine Laufzeit zwischen 36 Monaten bis zu 15 Jahren gehen, werden in der Regel keine Sicherheiten verlangt. Ausnahmen davon gibt es nur wenige, wie etwa der Autokredit, bei dem die Bank den Fahrzeugbrief als Pfand einbehalten kann.

Eine besondere Art des Kredits sind Ballonfinanzierungen. Hierbei handelt es sich um Darlehen, die zunächst deutlich geringere Raten vorsehen, als ein üblicher Ratenkredit. Dafür ist die Schlussrate besonders hoch. Diese Art der Finanzierung ist oft teurer als als die über gleichbleibende Raten; im Einzelfall kann sie aber sinnvoll sein. Hierzu sollte man sich beraten lassen.

Wann sind Verbraucherdarlehen sinnvoll?

Mit Ratenkrediten geben wir heute bereits das Geld aus, das wir erst morgen verdienen werden. Doch oft ist unser Wunsch, etwas sofort zu erleben oder zu besitzen, so groß, dass wir dieses Risiko eingehen. Mit jeder Kreditaufnahme bauen wir Schulden auf, dass darf nicht vergessen werden. Es lohnt sich, vorher genau zu überlegen: Ist die Ausgabe heute so wichtig, dass ich dafür einen Kredit aufnehme? Kann ich die Raten regelmäßig zurückzahlen? Kann ich vielleicht doch warten, bis ich die benötigte Summe angespart habe? Dennoch gibt es natürlich auch Situationen, in denen die Aufnahme eines Ratenkredits durchaus sinnvoll ist.

Beispiele

Für die Überziehung des laufenden Kontos verlangt die Bank einen Zinssatz von über 12 Prozent. Eine vollständige Rückzahlung ist in nächster Zeit nicht möglich. Mit einer Umschuldung auf einen Ratenkredit würde man in dem Fall weniger Zinsen zahlen, als wenn man weiter tief im Dispo bleibt.

Mit der Finanzierung eines Autos könnte man ein Stellenangebot im Nachbarort annehmen, das besser bezahlt ist. Damit steigt der Verdienst, die Ratenzahlungen wären kein Problem.

Die Reparatur des Wagens war deutlich teurer als erwartet, die Anschaffung eines neuen Fahrzeugs kommt aber nicht in Frage. Ohne Auto droht der Verlust des Arbeitsplatzes.

Eine größere Investition ist zeitnah nötig und die Finanzierung wird voraussichtlich keine Probleme bereiten, da beispielsweise ein gutes, sicheres Einkommen vorhanden ist oder die Zahlung einer Versicherung oder einer anderen Geldanlage absehbar ist.

Wann sollte man lieber auf einen Kredit verzichten?

Wenn man sich nicht sicher ist, dass man die Raten auch bezahlen kannst, dann sollte man mit der Kreditaufnahme vorsichtig sein. Schafft man es nicht, jeden Monat einen kleinen Betrag zu sparen, wie soll man dann eine Kreditrate zahlen? Eine Überschuldung kann über viele Jahre Probleme bereiten, negative Schufa-Auskünfte erschweren das Mieten von Wohnungen oder das Abschließen von Handyverträgen. Einen Ratenkredit sollte man daher nur für Dinge ausgeben, die unbedingt benötigt werden und die über einen gewissen Wert verfügen. Dazu zählen Gegenstände, die im Notfall auch wieder veräußert (oder verpfändet) werden könnten. Für eine Urlaubsreise lohnt sich also kein Ratenkredit.

Welche Alternativen zum Ratenkredit gibt es?

Die beste Empfehlung, die Aufnahme von Ratenkrediten zu vermeiden, heißt: Sparen! Der gute alte Notgroschen hilft, wenn plötzliche Ausgaben drohen. Wie hoch diese Reserve sein muss, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab. Für Verbraucher, die zu günstigen Konditionen eine Finanzierungslücke schließen müssen, sind Ratenkredite attraktive Angebote, für die es fast keine Alternativen gibt. Andere Möglichkeiten wären:

  • Private Darlehen aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis
  • Ratenzahlung direkt beim Händler (Elektronik und Haushaltsgeräte)
  • Pfandhäuser
  • Dispokredite (zur kurzen Überbrückung eines Engpasses)

Fazit: Sinnvoll sind Ratenkredite vor allem, wenn Tilgungen und Zinsen aus dem laufenden Einkommen problemlos möglich sind und wenn damit bedrohliche finanzielle Lücken geschlossen werden.

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