Für und Wider

Versicherung kündigen: Überlegt vorgehen und sicher zum Ziel kommen

Es gibt einige triftige Gründe für die Kündigung eines Versicherungsvertrages. Versicherte sollten die Konsequenzen gut abwägen, aber auch die jeweils in den Versicherungsbedingungen festgeschriebenen Voraussetzungen beachten. Hier gibt es einen Überblick zu den wesentlichen Fakten.

FinanzenOb sich die Kündigung einer Versicherung lohnt, hängt von mehreren Faktoren ab.© WavebreakMediaMicro / Fotolia.com

Es gibt fast nichts, was sich nicht versichern lässt - oft genug sind Versicherungsverträge zu teuer, überflüssig oder nicht mehr bedarfsgerecht. Moderne Versicherungsvergleiche bieten die Chance, sich mit den geeigneten Verträgen auszustatten. Eine laufende Versicherung zu kündigen, sollte jedoch überlegt angegangen werden: Einerseits gibt es große Unterschiede bei den zu beachtenden Fristen, andererseits sind eventuelle Nachteile abzuwägen.

Versicherung kündigen - was ist dabei zu beachten?

Ein Versicherungsvertrag bietet Schutz vor den finanziellen Folgen bestimmter Ereignisse - bei Beschädigung des Eigentums, bei beeinträchtigter Gesundheit, für Krankheitskosten oder im Todesfall. Damit übernehmen diese Absicherungen wichtige Funktionen, sie sichern in diesen Situationen die finanzielle Existenz des Versicherten. Allerdings sollten sowohl der Versicherungsumfang als auch die Konditionen zum jeweiligen Bedarf passen. Der kann sich ebenso ändern wie die Angebote am Versicherungsmarkt, was Anpassungen im individuellen Versicherungspaket durchaus sinnvoll macht.

Vor einiger Kündigung sind deswegen einige Vorüberlegungen notwendig:

1. Welcher Versicherungsschutz ist existenziell wichtig, welcher sinnvoll - und welcher überflüssig?

2. Gibt es zwischenzeitlich eventuell günstigere Angebote am Markt - nach Preis und Leistung?

3. Lohnt sich ein Wechsel des Anbieters?

Um diese Fragen zu beantworten, ist zwischen verschiedenen Versicherungsarten zu unterscheiden.

Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherung

Sach- und Haftpflichtverträge, wie beispielsweise Wohngebäude, Hausrat, Privathaftpflicht, Kfz-Versicherung oder auch Unfallversicherungen, sind in der Regel jährlich zum Vertragsablauf zu kündigen und ohne Nachteile neu abzuschließen.

Ausnahmen: Sollten in den laufenden Verträgen jedoch bereits Schäden reguliert worden sein, kann sich das bei einem Neuabschluss negativ auswirken - die Vorschäden werden nämlich generell mit abgefragt.

Ordentliche Kündigungsfristen Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherung:

  • Bis auf die Kfz-Versicherung können Sach-, Haftpflicht- und Unfallversicherungen mit einer Frist von drei Monaten zur Hauptfälligkeit gekündigt werden.
  • In der Kfz-Versicherung gilt eine Kündigungsfrist von einem Monat zum Ablauf.

Außerordentliche Kündigungsfristen:

  • Sollte der Versicherer die Beiträge erhöhen, ohne dass dies durch verbesserte Leistungen begründet wäre, eröffnet sich ein Sonderkündigungsrecht: Innerhalb von einem Monat nach Zugang der Information kann die betreffende Versicherung gekündigt werden.
  • Eine weitere Möglichkeit ergibt sich nach einem Schaden: Innerhalb eines Monats nach Abschluss der Schadensregulierung kann der Vertrag mit sofortiger Wirkung oder zum Ablauf gekündigt werden.

Wichtig: Der Vertragsablauf muss nicht auf den 1.1. eines Jahres fallen, die genauen Termine finden sich im Versicherungsschein.

Empfehlung: Versicherte sollten zunächst den neuen Versicherungsschutz mit einem passenden Beginn organisieren und erst dann die Kündigung des bisherigen Vertrages aussprechen - so lassen sich riskante Deckungslücken vermeiden.

Lebens-, Renten- und Krankenversicherung

Anders stellt sich die Situation bei Lebens-, Renten-, BU- und Krankenversicherungen dar. Hier beeinflussen nämlich subjektive Faktoren, wie zum Beispiel das Eintrittsalter und der Gesundheitszustand, die Beitragshöhe. Besteht also die Lebensversicherung schon einige Jahre, wird bei einem Wechsel nicht nur das höhere Eintrittsalter berücksichtigt, sondern auch eine erneute Gesundheitsprüfung durchgeführt. Hat sich der Gesundheitszustand des Versicherten in der Zwischenzeitlich verschlechtert, kann es zur erschwerten und verteuerten Annahme oder gar zur Ablehnung des Versicherungsantrages kommen.

Ein weiterer nicht zu verkennender Aspekt: Die Rückkaufswerte bei Lebens- und Rentenversicherungen sind wegen der Vertriebskosten deutlich niedriger als die eingezahlten Beiträge. Bei einem Neuabschluss fallen diese Kosten erneut an.

Ordentliche Kündigung bei der Lebens-, Renten- und Krankenversicherung:

  • Lebens-, Renten- und BU-Versicherung lassen sich mit einer Frist von einem Monat zum Monatsersten kündigen. Allerdings sollten Versicherte den Rückkaufswert im Auge behalten, der immer zur Hauptfälligkeit angepasst wird.
  • Eine private Krankenversicherung lässt sich nach Ende einer eventuell vereinbarten Mindestlaufzeit und unter Einhaltung der dreimonatigen Kündigungsfrist zum Ablauf des Kalender- oder Versicherungsjahres kündigen.

Außerordentliche Kündigung:

  • Sollten PKV-Beiträge erhöht oder Leistungen geändert werden, eröffnet sich innerhalb von zwei Monaten nach Information ein Sonderkündigungsrecht.

Wichtig: Beim Wechsel von Lebens-, Kranken- und BU-Versicherungen ist es ausgesprochen wichtig, zunächst den Vertragsabschluss und vor allem die Konditionen mit dem neuen Anbieter sicherzustellen. So umgehen Versicherte das Risiko, im Ernstfall ohne den benötigten Versicherungsschutz dazustehen.

Empfehlung: In einigen Fällen kann auch die Beitragsfreistellung sinnvoller sein, beispielsweise bei den geförderten Instrumenten zur Altersvorsorge. Wurden nämlich steuerliche Vorteile wie bei der Rürup-Rente in Anspruch genommen, müssten diese wieder rückabgewickelt werden, sobald der Vertrag vor Rentenbeginn aufgelöst wird.

Wichtige formale Regeln - Versicherung reibungslos kündigen

Eine Vertragskündigung muss schriftlich erfolgen, dabei dürfen folgende Informationen nicht fehlen:

  • Name und Anschrift des Versicherungsnehmers
  • Name und Anschrift des Versicherungsunternehmens
  • Versicherungsnehmer
  • Kündigungstermin
  • Unterschrift

Sicherheitshalber empfiehlt sich die Versendung als Einschreiben, denn entscheidend ist der Posteingang beim Versicherer. Alternativ kann auch ein Fax geschickt werden, das Sendeprotokoll reicht meist als Nachweis.

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