Photovoltaik

Solaranlage pachten: Was spricht dafür, was dagegen?

Eine Solaranlage pachten statt kaufen: Das macht unter bestimmten Umständen Sinn und bringt einige Vorteile mit sich. Hier erfahren Sie, wer überhaupt die Anbieter sind und was die Entscheidungskriterien bei so einem Vertragsmodell sind.

09.12.2019, 15:47 Uhr
Photovoltaik VergleichDer offensichtlichste Vorteil bei der Pachtung einer Solaranlage ist der Wegfall der einmaligen Investition zu Beginn.© pf30 / Fotolia.com

Die Nutzung selbst erzeugten Solarstroms ist eine ökologisch verantwortungsvolle Art des Energieverbrauchs. Die Kosten für eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sind allerdings nicht unerheblich. Als Alternative bietet sich die Möglichkeit an, eine Solaranlage zu pachten. Diese Variante hat neben der Ersparnis hoher Investitionskosten viele Vorteile - aber auch Nachteile. Wie wirtschaftlich es im Einzelfall ist, eine Solaranlage zu pachten, sollte mit spitzem Bleistift berechnet werden.

Begriffsklärung: Solaranlage pachten, mieten oder leasen

Obwohl die beiden Begriffe "mieten" und "pachten" rein rechtlich einen kleinen, feinen Unterschied bergen, werden Sie bei der Thematik "Solaranlage pachten" oder "Solaranlage mieten" zumeist synonym verwendet. Prinzipiell bedeutet "mieten" eine Gebrauchsüberlassung zur ausschließlich eigenen Verwendung. "Pachten" schließt hingegen das Erzielen von Erträgen oder Erlösen aus der gemieteten Sache mit ein - im Falle einer gepachteten Solaranlage also beispielsweise die Vergütung für ins öffentliche Stromnetz eingespeisten Strom. Zwischen diesen beiden (rechtlichen) Varianten wird bei Solaranlagen gemeinhin auch deshalb nicht sauber getrennt, weil die Stromeinspeisung bei beiden vorgesehen ist bzw. möglich ist. Das Leasen einer Solaranlage unterscheidet sich hingegen vor allem durch das Fehlen des größten Vorteils, der mit dem Pachten einer Solaranlage verbunden ist: Die geleaste Anlage muss zumeist in Eigenregie instandgehalten und gewartet werden.

Solaranlage pachten: Das sind die Vorteile

Das Pachten einer Solaranlage ist eine recht bequeme Angelegenheit: Der Anbieter installiert auf dem Dach eine Solaranlage, trägt dabei nicht nur die Investitionskosten, sondern ist auch in der Pflicht, wenn es um die regelmäßige Wartung, anfallende Reparaturkosten oder den Versicherungsschutz geht. Im Gegenzug wird für den Nutzer eine fixe Monatsmiete fällig. Der gewonnene Strom kann selbst genutzt, ein Überschuss ins öffentliche Netz eingespeist werden - wofür zusätzlich die Einspeisevergütung nach EEG in Anspruch genommen werden kann. Alternativ kann der nicht genutzte Strom in einem Solarspeicher "zwischengelagert" werden. Das sind die Kernpunkte der gern "Rundum-sorglos"-Pakete genannten Modelle verschiedener Anbieter.

Nachteile bei Pachtmodellen

Eine grundsätzliche Problematik beim Pachten einer Solaranlage liegt in der langen Vertragsbindung an einen Anbieter. Solaranlagen werden zumeist für 20 Jahre gepachtet - und was zu Vertragsende geschieht, regelt jeder Anbieter unterschiedlich. Hier sollte unbedingt auf das Kleingedruckte geachtet werden. Was geschieht mit der Anlage? Wer entsorgt sie? Kann sie noch weiter genutzt werden? Zu welchen Konditionen?

Noch wichtiger für die grundsätzliche Überlegung, eine Solaranlage zu pachten, sind gleichwohl die wirtschaftlichen Aspekte. Bei monatlichen Mietraten zwischen 50 und 150 Euro (je nach Größe der Anlage) kann das Pachten einer Solaranlage nur rentabel werden, wenn mindestens 60 bis 70 Prozent des Eigenbedarfs über die Solaranlage gedeckt werden. Dazu ist in Deutschland auf jeden Fall ein Solarspeicher nötig. Hintergrund: Durch den Selbstverbrauch wird deutlich mehr Geld gespart als durch den Stromverkauf an das öffentliche Netz eingenommen werden kann. Eine Solaranlage zu pachten, ist über die gesamte Betriebsdauer in der Summe grundsätzlich teurer als eine eigene Investition, zeigt eine Rechnung von Finanztip (12/20019).

Wer verpachtet Solaranlagen?

Sowohl die einzelnen regionalen Energieversorger als auch Stadtwerke und sonstige Stromanbieter verpachten Solaranlagen. Daneben haben sich spezielle Dienstleistungsfirmen etabliert, die in Kooperation mit örtlichen Versorgern Solaranlagen verpachten und die Planung, Montage und Wartung übernehmen. Dazu zählen beispielsweise die DZ-4 GmbH, die Entega Energie GmbH und die Greenergetic GmbH. Eine nicht beabsichtigte "Popularität" erhielten die MEP Werke, die 2018 von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen abgemahnt wurden, weil sie bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung allzu großzügig mit den Eigenverbrauchsquoten umgegangen waren.

Empfohlene Entscheidungskriterien

Wer eine Solaranlage pachten möchte, sollte diese Entscheidung anhand einer Checkliste überprüfen und vor allem verschiedene Anbieter vergleichen. Prinzipiell empfiehlt es sich dabei auch, die Möglichkeiten eines Ratenkaufs oder einer Finanzierung durchzurechnen. Einige Stromanbieter bieten Modelle an, die Varianten mit einer Laufzeit von zehn oder 15 Jahren vorsehen, Planung und Montage durch eigene Solarspezialisten und eine Finanzierung ohne Grundbucheintrag beinhalten. Das ganze inklusive Solarspeicher.

Die folgenden Fragen sollten vor Abschluss eines Pachtvertrags zufriedenstellend beantwortet werden können:

  • Sind Instandhaltung, Wartung, Reparaturarbeiten sowie eine Versicherung inbegriffen?
  • Wird eine Errichtungsgebühr verlangt?
  • Gibt es eine Garantie über Mindeststromerträge?
  • Wieviel kostet es über die gesamte Betriebsdauer, die Solaranlage zu pachten?
  • Was passiert nach Ablauf des Vertrages?
  • Welche Regelungen greifen bei einem Hausverkauf?
  • Verlangt der Anbieter eine Eintragung des Dach-Nutzungsrechtes in das Grundbuch?
  • Ist ein Pachtvertrag für das Dach eingeschlossen?

Solaranlage pachten: Wann lohnt es sich?

Eine Solaranlage zu pachten macht wirtschaftlich nur Sinn, wenn ein Vertrag mit besten Anbieterkonditionen geschlossen wird und ein möglichst großer Anteil des erzeugten Stroms für den Eigenbedarf genutzt werden kann. Dies setzt zwangsläufig die gleichzeitige Installation eines Solarspeichers voraus. Davon unbenommen bleibt allerdings die Tatsache, dass Photovoltaik auf dem eigenen Dach einen nachhaltigen Beitrag zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten leistet. Selbst für den Fall also, dass mit dem Pachten einer Solaranlage nicht das ganz große Geld gespart werden sollte, ist Photovoltaik auf dem Dach die sauberste und nachhaltigste Art Energie zu erzeugen. Und die Unabhängigkeit von steigenden Strompreisen gibt es garantiert kostenlos dazu.

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