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Ehevertrag: Das sind die wesentlichen Vorteile

Der Ehevertrag hat nicht gerade das beste Image. Dennoch kann eine solche vertragliche Vereinbarung für einige Paare sinnvoll sein. Auf wen trifft das am meisten zu?

HochzeitWer nicht mit den Vorgaben zum Eherecht im BGB konform geht, kann einen eigenen Ehevertrag schließen.© Eray / Fotolia.com

Am Ehevertrag scheiden sich die Geister: Sehen die einen hier eine Reglementierung, wo doch eher Gefühle eine Rolle spielen sollten, verstehen andere in eben diesen Regeln eine solide Basis für eine erfolgreiche Beziehung. Und das nicht ohne Grund.

Der Ehevertrag - schlechtes Image, großer Nutzen

Ein Sprichwort sagt: "Vertrag kommt von vertragen". Es werden also in guten Zeiten Vereinbarungen für stürmische Perioden in einer Beziehung getroffen - und das unabhängig davon, ob diese geschäftlicher oder privater Natur sind. Die Ehe ist die verbindlichste Vereinbarung, die zwei Menschen treffen können. Umso wichtiger ist es also, diese in einen rechtlichen Rahmen zu packen, der beiden Partnern Sicherheit gibt. Keiner weiß, wie sich die Partnerschaft in fünf, zehn oder 20 Jahren entwickeln wird, denn Garantien gibt es in dieser Frage nun einmal nicht. Vor diesem Hintergrund hat ein Ehevertrag gar nichts Verwerfliches, er ist ein ganz pragmatisches Instrument, das zum Tragen kommen kann, aber nicht muss. Aus dieser Perspektive betrachtet, ergeben sich nur Vorteile:

  • Zukünftige Eheleute können in aller Ruhe die Extremfälle für ihre Beziehung durchspielen und alle relevanten Punkte fair und besonnen regeln.
  • Die Regelungen sind keinen Vorgaben unterworfen, Sie sind hier vollkommen frei. Allerdings sollten Sie Ihre Vorstellungen von einem auf Familienrecht spezialisierten Anwalt prüfen und juristisch aufbereiten lassen.
  • Die einmal getroffenen vertraglichen Vereinbarungen lassen sich jederzeit an eine zwischenzeitlich veränderte Realität anpassen, wie beispielsweise die Geburt von Kindern.
  • Läuft in Ihrer Beziehung alles wie gewünscht, brauchen Sie diesen Vertrag nie wieder zu thematisieren.
  • Sollte es doch zu einer Trennung kommen, reicht ein Rechtsanwalt aus - Sie sparen also nicht nur Zeit, sondern vor allem Geld und Nerven: Ein Rosenkrieg wird von vornherein vermieden.

Eherecht im BGB

Ein Ehevertrag kann also generell sinnvoll sein, trotzdem verlassen sich viele Eheleute auf das im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankerte Eherecht. Hier sind die Themen Zugewinnausgleich, Unterhaltsanspruch oder Versorgungsausgleich für den Fall geregelt, dass keine gesonderten Vereinbarungen zwischen den Partnern getroffen wurden. Zugewinnausgleich bedeutet, dass derjenige, der während der Ehejahre das höhere Einkommen erwirtschaftet hat, dem anderen einen Teil abgeben muss. Außerdem sieht das BGB vor, dass ein Partner Ehegattenunterhalt einfordern kann, wenn dieser beispielsweise wegen Krankheit oder der Erziehung der gemeinsamen Kinder nicht selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen kann. Beim Versorgungsausgleich geht es darum, Rentenanwartschaften auszugleichen. Konnte beispielweise ein Partner wegen der Kindererziehung keine Rentenversicherungsbeiträge einzahlen, findet hier ein Ausgleich statt.

Für wen macht ein Ehevertrag am meisten Sinn?

Allerdings gibt es Konstellationen, für die diese gesetzlichen Rahmenbedingungen unzureichend sind und/oder enorme Risiken bergen können, wie zum Beispiel:

1. Ehegatten sind beide berufstätig - ohne Kinderwunsch

Verfolgen beide Partnern ihre berufliche Karriere weiter, entfällt die Notwendigkeit, Zugewinne oder Versorgungsansprüche auszugleichen. Probleme können entstehen, wenn einer der Ehepartner im Laufe der Zeit deutlich vermögender wird als der andere. Der Ehevertrag kann hier für Klarheit sorgen und das Verfahren beschleunigen.

2. Ehegatten sind unterschiedlicher Nationalität

Sollten beide Eheleute unterschiedliche Staatsangehörigkeiten haben und gemeinsam in Deutschland leben, gilt deutsches Recht. Um hier auf Nummer sicher zu gehen, können Ehegatten im Ehevertrag festlegen, welches Recht sie angewendet sehen wollen. Das betrifft auch deutsche Eheleute, die ihren Wohnsitz im Ausland haben.

3. Ehepartner sind unterschiedlich vermögend

Gehen die Vermögen der beiden Ehegatten weit auseinander, wird dies als Diskrepanz-Ehe bezeichnet - ein Ehevertrag ist dann besonders wichtig. So kann der oder die Vermögendere effektiv verhindern, dass die Ehe aus Berechnung geschlossen wird. Gleichzeitig kann der andere Partner oder die andere Partnerin klarstellen, dass eben diese Berechnung keine Rolle bei der Eheschließung spielt - eine solide Grundlage für eine erfolgreiche Beziehung.

4. Unternehmer wollen heiraten

Ist einer der Partner unternehmerisch tätig, sollte unbedingt ein Ehevertrag vereinbart werden: So lässt sich verhindern, dass im Falle einer Trennung oder auch des vorzeitigen Todesfalls der oder die Hinterbliebene Ansprüche stellt, die das Betriebsvermögen schmälern und das Unternehmen gefährden.

Die Gestaltungsmöglichkeiten für einen Ehevertrag sind enorm. Konsultieren Sie am besten Spezialisten für Familienrecht, die Ihre Intentionen aufnehmen und in die Vertragsgestaltung einbeziehen. Ein Ehevertrag sollte vom Notar beglaubigt werden, um Verbindlichkeit zu erlangen. In guten für schlechte Zeiten vorzusorgen, hat sich noch immer als guter Rat erwiesen.

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