Pflicht

E-Scooter-Versicherung: notwendig und nützlich

Für E-Scooter gelten beim Fahren im öffentlichen Verkehr andere Regeln als für E-Bikes. Das betrifft auch eine Kfz-Haftpflichtversicherung, die bei Elektrorollern Pflicht ist. Was hat es damit auf sich?

E-Scooter© Leika production/ Adobe.com

Eines ist bei E-Scootern grundsätzlich anders als bei E-Bikes: Sie brauchen eine Kfz-Haftpflichtversicherung, wenn sie im öffentlichen Raum genutzt werden sollen. Wer das als Schikane oder Diskriminierung empfindet, sollte nochmals darüber nachdenken. Als E-Scooter-Fahrer ist man am Verkehrsgeschehen noch dichter dran als auf dem Fahrrad. Das erfordert zusätzliche Aufmerksamkeit - und zusätzlichen Versicherungsschutz. Auch im eigenen Interesse.

Versicherung mit Kennzeichnungspflicht

Neben der allgemeinen Betriebserlaubnis, die der Hersteller für seine E-Scooter-Modelle erwirbt, gibt es für die Fahrer keine Kennzeichenpflicht im herkömmlichen Sinne. Was allerdings grundsätzlich vorhanden sein muss, ist die Versicherungsplakette. Dabei handelt es sich um einen selbstklebenden Sticker, der am Scooter gut sichtbar angebracht wird.

Die Plakette weist nach, dass der Halter für den Roller eine gültige Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat. Erst durch das Vorhandensein der Versicherungsplakette tritt die Betriebserlaubnis im öffentlichen Verkehr in Kraft. Von der Benutzung ohne Versicherung ist dringend abzuraten: Abgesehen von dem wirtschaftlichen Schaden, der bei Unfällen mit Personenschäden eintritt, kann das zu empfindlichen Strafen und zur Beschlagnahmung des Scooters führen.

Eine Versicherungsplakette ist bei jeder Versicherungsgesellschaft erhältlich, die auch Kfz-Versicherungen anbietet. Der Erwerb kann recht zügig ablaufen. Viele Gesellschaften bieten den Direktkauf in ihren Geschäftsstellen oder Agenturen an. In diesem Fall kann man die Plakette gleich mitnehmen.

Nach und nach steigen auch die Hersteller und Händler in das Versicherungsgeschäft ein: Immer häufiger gibt es Scooter, die komplett mit Versicherungsplakette angeboten werden.

Was passiert bei einem Unfall?

Eines sollte klar sein: Die Haftpflichtversicherung deckt Schäden beim Unfallgegner ab, nicht die eigenen. Möchte man auch das eigene Schadensrisiko abdecken, sind zwei zusätzliche Versicherungen erforderlich: Eine Unfallversicherung tritt bei eigenen Verletzungen in Aktion. Schäden am eigenen Roller deckt eine Kaskoversicherung ab. Mit ihr ist in der Regel auch der Diebstahl des Rollers abgedeckt.

Besondere Bestimmungen vor der Volljährigkeit

Jede Person ab dem vollendeten 14. Lebensjahr darf einen E-Scooter im öffentlichen Raum fahren. Anders ist das mit der Versicherung. Hier ist die Einwilligung eines Elternteils oder eines anderen Erziehungsberechtigten erforderlich. Das bedeutet im Endeffekt: Trotz gesetzlicher Erlaubnis ist das Fahren eines E-Scooters im öffentlichen Raum auch für Jungen und Mädchen ab 14 Jahren ohne Einwilligung von Erziehungsberechtigten nicht möglich.

Versicherungspflicht weicht beim E-Bike ab

Dass E-Bikes in der vorhandenen Haftpflichtversicherung mit eingeschlossen sind, E-Scooter aber eine eigene Kfz-Haftpflichtversicherung benötigen, hängt mit den unterschiedlichen technischen Prinzipien zusammen. E-Bikes, zumindest die geläufige Bauform des Pedelecs, sind auf den Antrieb aus Muskelkraft angewiesen, der nur bedarfsweise durch einen Elektromotor unterstützt wird. Damit ist das Pedelec im Grunde ein Fahrrad, und Fahrräder benötigen keine zusätzliche Haftpflichtversicherung.

E-Scooter dagegen sind durch einen Motor angetriebene Fahrzeuge, die für den Fahrbetrieb nach dem Antreten keine körperliche Anstrengung erfordern. Damit sind sie Fahrzeugen wie Mofas oder Motorrollern gleichgestellt - und die benötigen eben eine eigene Versicherung.

E-Scooter verleihen - eine riskante Angelegenheit

Abgesehen von dem Risiko, einen an Freunde verliehenen Scooter nicht unbeschädigt zurückzubekommen, gibt es auch einen versicherungstechnischen Aspekt. Die Haftpflichtversicherung klebt ebenso fest am Scooter wie die Versicherungsplakette. Das bedeutet: Baut der Fahrer des ausgeliehenen Scooters einen Unfall, ist auch dafür die abgeschlossene Haftpflichtversicherung zuständig.

Problematisch wird das, wenn zusätzliche Schäden entstehen, die von der Versicherung nicht erstattet werden. In diesem Fall ist erst einmal der Halter des Rollers haftbar. Die Ausgleichsregelung mit der Person, die den Unfall gebaut hat, kann sich als langwierig und konfliktreich erweisen. Auch das sollte bedacht werden, bevor man seinen E-Scooter in fremde Hände gibt.

Probleme beim Versichern älterer E-Scooter

Grundsätzlich lassen sich auch E-Scooter versichern, die vor der Bekanntgabe der technischen Voraussetzungen für die Zulassung im öffentlichen Verkehr gebaut wurden - das allerdings nur, wenn die Hersteller so vorausschauend waren, den Scooter verkehrstauglich zu konstruieren. Leider ist das bei den meisten älteren Modellen nicht der Fall. Die technische Nachrüstung kann extrem komplex sein, besonders im Bereich der Akkutechnik. Und selbst, wenn diese Hürde gemeistert wird, ist für die Zulassung und die damit verbundene Versicherungstauglichkeit eine technische Einzelprüfung der Zulassungsbehörde erforderlich. Da lohnt in manchen Fällen eher die Anschaffung eines neuen Scooters.

Mit dem E-Scooter in Urlaub - auf die Versicherung achten!

Der Versicherungsschutz für den E-Scooter gilt in allen Mitgliedsländern der EU. Damit es dabei keine Unklarheiten gibt, sollte vor jedem Reiseantritt die Ausstellung einer internationalen Versicherungsbestätigung stehen, der bekannten "grünen Versicherungskarte". Auch benötigt der Scooter in diesem Fall das Länderkennzeichen, also das bekannte ovale Schild mit dem "D".

Und dann ist da noch die Frage der Betriebserlaubnis. Nicht jedes Land hat E-Scooter bereits für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Sich darüber zu informieren - genauso wie über die genauen Bedingungen der Zulassung (wo darf gefahren werden) - sollte fester Bestandteil der Reisevorbereitungen sein.

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