Familie

Wer, wie viel, wie lange: Antworten zum Thema Elterngeld

Das Elterngeld soll es Eltern leichter zu machen, nach der Geburt eines Kindes zu Hause zu bleiben und sich um den Nachwuchs zu kümmern. Durch das zeitweise Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit entstehen finanzielle Nachteile, die durch diese Entgeltersatzleistung teilweise aufgefangen werden.

Mutter und Kind© drubig-photo / Fotolia.com

Das Elterngeld soll während der Zeit, in der ein oder beide Elternteile nicht arbeiten, einen Ausgleich für wegfallendes Einkommen darstellen. Es berechnet sich nach dem Einkommen und unterstützt Eltern finanziell in der Zeit nach einer Geburt.

Wer bekommt Elterngeld und wie viel?

Um Elterngeld zu bekommen, muss der Antragsteller seinen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben, mit dem Kind, das er betreut, im gleichen Haushalt leben und nicht (voll) erwerbstätig sein. Das Elterngeld berechnet sich grundsätzlich aus dem durchschnittlichen Nettogehalt der vorangegangenen zwölf Monate. Der Mindestsatz liegt jedoch bei 300 Euro, etwa wenn man gar kein Einkommen hatte. Bei einem Netto von weniger als 1.000 Euro liegt das Elterngeld zwischen 67 und 100 Prozent. Zwischen 1.000 und 1.200 Euro sind es genau 67 Prozent. Ist das Nettogehalt höher, wird schrittweise bis auf 65 Prozent reduziert. Der Höchstsatz liegt jedoch bei 1.800 Euro; mehr bekommen auch Gutverdiener nicht.

Boni können Elterngeld-Bezieher erhalten, wenn mehrere kleine Kinder vorhanden sind (Geschwisterbonus) oder bei einer Mehrlingsgeburt. Sozialabgaben und Steuern fallen auf das Elterngeld nicht an.

Das Basiselterngeld

Bis hierhin ist es noch einfach: Elterngeld wird in der Regel zwölf Monate lang gezahlt. Für Alleinerziehende, oder wenn auch der zweite Elternteil mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt, sind es 14 Monate. Diese "klassische" Elterngeld-Lösung gibt es seit 2007 und sie wird heute von vielen Elternpaaren genutzt.

Was ist Elterngeld Plus?

Das sogenannte Elterngeld Plus gilt für Kinder, die ab Juli 2015 geboren wurden. Es gibt Eltern die Möglichkeit, die Elternzeit flexibler zu gestalten und länger Elterngeld zu erhalten. Es ist insbesondere für Eltern gedacht, die in Teilzeit arbeiten möchten. Durch das Elterngeld Plus kann man doppelt so lange Leistungen erhalten (ein Elterngeldmonat entspricht zwei Elterngeld-Plus-Monaten). Die Höhe des Elterngeld Plus beträgt dabei maximal die Hälfte des Betrages, der den Eltern mit normalem Elterngeld zustünde; auch der Mindest- und Höchstbetrag beläuft sich auf die Hälfte (150 Euro bzw. 900 Euro).

GeldRechnen lohnt sich auch beim Elterngeld.© drubig-photo / Fotolia.com

Mit Elterngeld Plus haben Eltern die Möglichkeit, den Bezugszeitraum bei geringeren Bezügen weiter zu strecken. Die beiden ersten Monate gelten aber stets als volle Elterngeldmonate für die Mutter, sofern diese sich im Mutterschutz befindet. Ab dem dritten Monat kann man dann entscheiden, wie die übrige Elterngeldzeit aufgeteilt wird.

Der Partnerschaftsbonus

Noch einmal vier Monate zusätzlich kann man sich sichern, wenn man den Partnerschaftsbonus nutzt. Durch diesen gibt es noch einmal jeweils vier zusätzliche Elterngeld-Plus-Monate. Die Voraussetzung dafür ist, dass beide Partner gleichzeitig vier Monate lang in Teilzeit arbeiten (25-30 Stunden). Aber auch als Alleinerziehende/r kann man den Partnerschaftsbonus beantragen und damit vier weitere Monate zusätzlich zur Teilzeit Elterngeld Plus beziehen. Die Bonusmonate können im Anschluss an den Elterngeldbezug genommen werden oder auch mittendrin, es darf aber keine Lücken geben.

Man kann die Elterngeld und die "Plus"-Monate kombinieren, beispielsweise einige Monate Elterngeld beziehen und dann auf Elterngeld Plus wechseln. Nach dem 14. Monat gibt es jedoch nur noch die Plus-Variante. Es dürfen während des Bezugs maximal 30 Stunden in der Woche gearbeitet werden.

Wie die folgenden Beispiele zeigen, gibt es zahlreiche Optionen, die man im jeweiligen Einzelfall genau durchrechnen (lassen) sollte. Bei voller Ausschöpfung sind so bis zu 36 Monatsbezüge drin.

Beispiele: Elterngeld, Elterngeld Plus und Partnerschaftsbonus

1. Mit Elterngeld Plus könnten beide Elternteile parallel 14 Monate lang in Teilzeit arbeiten und sich die Kindererziehung teilen. Dies gilt, wenn die Mutter als Selbstständige keinen Mutterschutz hat (sonst wären die ersten beiden Monate volle Elterngeld-Monate für die Mutter).

2. Oder die Mutter erhält acht Monate lang Elterngeld, anschließend beide gleichzeitig sechs Monate Elterngeld Plus und durch den Partnerschaftsbonus noch einmal gleichzeitig vier Monate.

3. Oder die Mutter bleibt sechs Monate lang zu Hause, nimmt anschließend zwölf Monate Elterngeld Plus in Anspruch, danach folgen vier "Plus"-Monate für den Vater und dann nehmen beide zusammen den Partnerschaftsbonus.

Elterngeld und Hartz IV

Wer Hartz IV bezieht, kann auch Elterngeld bekommen, dieses wird jedoch als Einkommen gewertet und entsprechend auf die Leistungen vom Amt angerechnet. Schließlich ist das Elterngeld als Ersatz für ein Einkommen gedacht, dass aufgrund der Geburt des Kindes wegfällt. Bezieht man Hartz IV und hat sonst kein Einkommen, steht man also genauso da wie ohne Elterngeld. Trotzdem muss man dieses beantragen.

Anders sieht es aus, wenn man vor der Geburt des Kindes einen Minijob hatte oder Hartz IV aufstockend bezogen hat. In dem Fall ersetzt das Elterngeld dieses Einkommen bis zum Mindestsatz, im besten Fall hat man also 300 Euro mehr als vorher.

1 Euro

Sozialleistungen wie Insolvenzgeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld oder eine Erwerbsminderungsrente werden auf das Elterngeld angerechnet.

Elterngeld und Elternzeit

Im Gegensatz zum Elterngeld, das auch an Selbstständige, nicht Erwerbstätige oder auch an Verwandte gezahlt werden kann, steht die Elternzeit nur Arbeitnehmern zu. Bis zum vollendeten dritten Lebensjahr des Kindes hat man Anspruch auf Elternzeit, und zwar bis zu 36 Monate lang. In dieser Zeit ist aber die Dauer des Mutterschutzes schon mit eingerechnet. Für Kinder, die seit dem 1. Juli 2015 geboren wurden, können 24 Monate der Elternzeit auch verschoben und irgendwann zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes genommen werden. Vorher galt dies nur für zwölf Monate. Vorsicht: Man kann zwar bis zu drei Jahre in Elternzeit gehen, das Elterngeld wird jedoch nicht so lange gezahlt.

Elterngeld richtig beantragen

Elterngeld kann erst nach der Geburt des Kindes beantragt werden. Der Antrag muss nicht sofort eingereicht werden; um kein Geld zu verlieren, sollte er aber spätestens nach drei Monaten schriftlich bei der Elterngeldstelle eingehen. So lange wird nämlich rückwirkend gezahlt. Links zu den Antragsformularen der Bundesländer stellt das Familienministerium bereit. Die zuständige Stelle kann zudem eine Modellrechnung erstellen, wenn man noch nicht sicher ist, welche Variante des Elterngeldes die beste im konkreten Fall ist. Durch Elterngeld Plus ist zwar alles sehr viel flexibler, dadurch aber auch komplizierter geworden. Gerade bei komplexen Einkommens- und Lebenssituationen ist eine Beratung nicht verkehrt.

5 Tipps: Mehr aus dem Elterngeld herausholen

Eltern können mit dem ein oder anderen Trick ihren Elterngeldbezug optimieren. Wichtig ist, hierbei frühzeitig zu planen, am besten schon vor der Schwangerschaft.

Ausgaben reduzieren: Selbstständige sollten vor der Geburt ihre Ausgaben reduzieren. Werden weniger Ausgaben angesetzt, ist entsprechend der Gewinn größer, der bei der Berechnung des Elterngeldes als Einkommen angesetzt wird.

Die richtige Steuerklasse wählen: Der Elternteil, der das Kind hauptsächlich betreut, sollte Steuerklasse 3 wählen und mindestens 7 Monate vor Beginn des Mutterschutzes wechseln. Das Minus wird mit der Steuererklärung ausgeglichen, gleichzeitig gibt es mehr Elterngeld.

Einkommen umverteilen: Wer mehr als 12 Monatsgehälter bekommt, kann mit seinem Vorgesetzten reden. Eventuell lassen sich Weihnachts- und Urlaubsgeld gleichmäßig verteilen statt einmalig ausgezahlt zu werden. Dadurch lässt sich das Durchschnittseinkommen steigern.

Überstunden auszahlen lassen: Wer keine Überstunden nimmt, sondern sich diese übers Jahr verteilt auszahlen lässt, steigert ebenfalls sein Einkommen. In beiden Fällen muss aber sehr frühzeitig geplant werden.

Steuerlast mindern: Zwar fallen aufs Elterngeld keine Steuern an, es wird jedoch als Einkommen zur Steuerberechnung herangezogen. Hier kann es günstiger sein, durch Elterngeld Plus das Einkommen zu strecken und so die Steuerprogression zu verhindern.

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