Überspart

Wüstenrot kündigt 15.000 Bausparkunden

Die Bausparkasse Wüstenrot hat 15.000 Kunden den Vertrag gekündigt, weil ihr die Zinsen auf die Guthaben zu hoch sind. Das kommt nach Angaben der Verbraucherzentrale immer wieder vor. Dagegen unternehmen kann man kaum etwas, wenn die Barsparsumme bereits überschritten ist.

13.09.2013, 13:36 Uhr
Baukredit© eyewave / Fotolia.com

Stuttgart (dpa/red) - Das Unternehmen bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" und bezeichnete das Vorgehen als "branchenüblich". Die Bausparkasse beruft sich auf einen Passus in seinen Allgemeinen Bausparbedingungen, wonach es Verträge kündigen kann, sobald Guthaben und Bonuszinsen die Bausparsumme übersteigen. Die 15.000 betroffenen Kunden hatten offensichtlich ihren Vertrag "überspart", wie die Bausparkasse mitteilte.

"Bausparen ist Zwecksparen"

Der Verband der Privaten Bausparkassen wies darauf hin, dass Ombudsleute seit Anfang 2008 in einer Vielzahl von Fällen so entschieden hätten, wie Wüstenrot nun vorgehe. "Denn Bausparen ist Zwecksparen", sagte der Sprecher. Das Vorgehen stößt bei Verbraucherschützern auf Kritik. "Man hat den Kunden den Vertrag als Sparprodukt mit attraktivem Guthabenzins verkauft und sollte jetzt nicht im Kleingedruckten nach Ausflüchten suchen", sagte Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Am besten unter der Einzahlungsgrenze bleiben

Es sei äußerst problematisch, etwas dagegen zu unternehmen, sagte Annabel Oelmann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen dem dpa-Themendienst. Verbraucher, die einen gut verzinsten Altvertrag haben, bleiben Oelmann zufolge am besten unterhalb der Einzahlungsgrenze. Dann könnten sie ihren zugesagten Guthabenzins noch mitnehmen - und müssten nicht befürchten, ebenfalls die Kündigung zu bekommen. Nach Angaben der Finanzexpertin kommt es seit gut eineinhalb Jahren immer wieder vor, dass Bausparkassen Kunden mit gut verzinsten Verträgen kündigen.

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