Netzentgelte

Womöglich drei Milliarden Euro Mehrkosten für Stromkunden

Auf die Stromkunden könnten durch eine Entscheidung der Netzagentur zusätzliche Mehrkosten von mehreren Milliarden Euro zukommen. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter kritisierte, die Netzbetreiber erhöhten ihre Rendite auf dem Rücken der Verbraucher.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin/Bonn (red) - Die Netzagentur hatte am Donnerstag bekannt gegeben, den Netzbetreibern einen Eigenkapitalzinssatz von 9,05 Prozent zu gewähren. Diese Entscheidung führt nach ersten Schätzungen des Bundesverbandes Neuer Energieanbieter e.V. (bne) zu einer Mehrbelastung von über drei Milliarden Euro für Verbraucher. Die Bundesnetzagentur sei gegenüber der Netzbetreiberlobby eingeknickt, so der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Nun habe es das Bundeswirtschaftsministerium in der Hand, mit der Novelle der Anreizregulierungsverordnung für angemessene Netzentgelte zu sorgen.

Regulierer sei vor den Netzbetreibern eingeknickt

"Die heute von Matthias Kurth verkündete Entscheidung, den Eigenkapitalzinssatz für Netzbetreiber lediglich um 0,24 Prozent zu senken ist für uns nicht nachvollziehbar", sagte Robert Busch, Geschäftsführer des bne. "Unseren Berechnungen zufolge wäre ein Eigenkapitalzinssatz in Höhe von 7,53 Prozent vollkommen ausreichend und durchaus auskömmlich für den wirtschaftlichen Betrieb eines Strom- oder Gasnetzes", erläuterte er. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, hatte eine Verzinsung von 8,2 Prozent statt der derzeit geltenden 9,29 Prozent in den Raum gestellt.

Verbraucherschützer fordern Beteiligungsrechte

Damit die Kosten der Energiewende nicht weiter unnötig steigen und damit deren Akzeptanz gefährden, seien umfangreiche institutionelle Reformen erforderlich, forderte Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Erstens müssten die Beteiligungsrechte der Verbraucher bei den Entscheidungen der Bundesnetzagentur erweitert werden. "Es geht nicht an, dass am Ende die Netzagentur allein mit den Netzbetreibern verhandelt, aber diejenigen, die das Ergebnis bezahlen müssen, außen vor bleiben". Zweitens muss die Eigentümerstruktur der Netzbetreiber überprüft werden. Auffällig sei im Übrigen, dass die Renditen bei den staatlichen Netzbetreibern in Skandinavien mit etwa sechs Prozent deutlich niedriger lägen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Smart Meter

    Schlaue Stromzähler: Ausbau scheitert an fehlenden Zertifikaten

    Bis 2032 soll der Strom in sämtlichen deutschen Haushalten durch digitale Stromzähler gemessen werden. Das ist der Plan der Bundesregierung, der allerdings immer weiter ins Stocken gerät. Hintergrund: Die schlauen Geräte benötigen Sicherheitszertifikate.

  • Energieversorung

    Urteil zu Garantierenditen - Netzkosten sinken vorerst nicht

    Weit die Bundesnetzagentur die Garantierenditen für Netzbetreiber gekappt hatte, gab es zumindest die Hoffnung, dass die Netzkosten für Stromkunden sinken könnten. Gegen die Pläne zogen aber über 1.000 Stadtwerke vor Gericht - und bekamen Recht.

  • Strom sparen

    Stromanbieterwechsel: 3 Millionen Verbraucher haben gewechselt

    Im vergangenen Jahr haben drei Millionen Verbraucher Ihren Stromanbieter gewechselt, das sind etwa ein Drittel mehr als im Vorjahr. Wer sich noch nie für einen anderen Stromtarif entschieden hat, kann mit einem Wechsel zum günstigsten Angebot im Durchschnitt 229 Euro sparen. Ein Strompreisvergleich lohnt sich also sehr.

  • Hochspannungsmasten

    Netzagentur kritisiert überzogene Preiserhöhungen

    Die deutlichen Preiserhöhungen einiger Stromversorger zum Jahreswechsel stoßen bei der Bundesnetzagentur auf Kritik. Behördenchef Matthias Kurth rief die Verbraucher dazu auf, ihre Tarife zu überprüfen und gegebenenfalls den Stromanbieter zu wechseln. Einige Preisforderungen seien deutlich überzogen, so Kurth.

  • Stromtarife

    Bundesnetzagentur dämpft Hoffnung auf höhere Stromnetz-Renditen

    Die Bundesnetzagentur lehnt höhere Renditen für Stromnetzbetreiber ab. Da dass Energiekonzept der Bundesregierung besagt, dass Investitionen in die Stromnetze wirtschaftlich attraktiv sein müssen, hatten die Netzbetreiber auf höhere Entgelte gehofft.

Top