Uni Duisburg

Windstrom: Erdkabel bei Netzausbau günstiger

Eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen belegt, dass im für den Windstrom wichtigen Hochspannungsnetz die Gesamtkosten für Erdkabel niedriger liegen als für Freileitungen. Die Studie soll E.ON überzeugen, das überlastete Stromnetz in Nord-Friesland im Erdreich und nicht als Freileitung auszubauen.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Im Streit um den Netzausbau zwischen dem Bundesverband WindEnergie (BWE) und den Netzbetreibern konnte die Windenergie-Branche in der vergangenen Woche punkten. E.ON-Sprecher Matthias Boxberger lenkte auf einer Veranstaltung in Husum in der Frage Freileitung oder Erdkabel ein: "Wenn das Erdkabel günstiger ist, dann werden wir es bauen", zitierten beispielsweise die Husumer Nachrichten Boxberger.

Anlass für den Sinneswandel gab offensichtlich eine neue Studie der Universität Duisburg-Essen unter Federführung von Professor Heinrich Brakelmann. In seiner Studie stellte der Experte für Energie-Transport und -Speicherung fest, dass im für den Windstrom wichtigen Hochspannungsnetz die Gesamtkosten für Erdkabel niedriger als für Freileitungen liegen. Auch im Höchstspannungsbereich lägen Erdkabel und Freileitung bei der Kostenfrage gleich auf.

Konkreter Hintergrund der Studie ist das überlastete E.ON-Stromnetz in Nord-Friesland zwischen Breklum und Flensburg. Immer öfter müssen dort Windparks vom Netz genommen werden, was laut BWE 20 Millionen Euro pro Jahr Verlust ohne Entschädigungen für Windstrom-Erzeuger bedeute. E.ON wollte das Netz durch eine Freileitung verstärken, wogegen die betroffenen Gemeinden ihr Veto einlegten. Somit wäre der Netzausbau auf die lange Bank geschoben worden, wobei Bürgerinitiativen einen Netzausbau durch Erdkabel begrüßten. Für BWE-Vize Herrmann Albers ist die neue Studie daher ein wichtiger Etappen-Sieg für einen unkomplizierten Netzausbau in den nächsten Jahren.

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