Berechnungen

Wie Familien die Stromrechnung der Industrie subventionieren

Familien müssen die Stromrechnung der Industrie nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation BUND mit rund 70 Euro pro Jahr subventionieren. Im nächsten Jahr werde diese Subvention für die vom BUND als Modell genommenen vierköpfigen Familien sogar auf rund 80 Euro steigen, erklärte die Organisation am Montag in Berlin.

Rechnung© Martin Saure / Fotolia.com

Berlin (AFP/red) - Der BUND ging für seine Berechnung von einem durchschnittlichen Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie von 3500 Kilowattstunden aus. Die Stromrechnung der Privathaushalte für diese Verbrauchsmenge könnte in diesem Jahr um 69,34 Euro und im kommenden Jahr sogar um 79,52 Euro niedriger liegen, falls die Verbraucher nicht durch gesetzliche Vorgaben zur Unterstützung engergieintensiver Betriebe gezwungen wären, erklärte die Organisation.

Hauptkostentreiber sind Privilegien der Großverbraucher bei der Ökostrom-Umlage, ermittelte das Institut für Zukunftsenergiesysteme, das vom BUND beauftragt worden war. Allein dadurch werde die Durchschnittsfamilie in diesem Jahr mit 51,80 Euro belastet. Hinzu kämen weitere Vergünstigungen für Teile der Wirtschaft. Der BUND forderte, dass Unternehmen nur noch im Härtefall in den Genuss der Privilegien kommen dürften. Auch müssten begünstigte Firmen eine Mindest-Ökostrom-Umlage zahlen.

Energiewende gut, Umsetzung schlecht

Nach einer von der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage unterstützen nach wie vor 82 Prozent der Deutschen den Ausstieg aus der Atomenergie und einen verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien. Bei der Umsetzung der Energiewende gibt es mit 48 Prozent Kritikern aber eine größere Zahl als die Gruppe der Unterstützer (40 Prozent). Schuld daran seien die steigenden Energiekosten - die höheren Preise benannten 52 Prozent als Nachteile der Energiewende.

Der Chef des vzbv, Gerd Billen, forderte die Regierung auf, die Akzeptanz der Energiewende nicht zu verspielen. "Damit die Stimmung nicht kippt, sind jetzt Korrekturen in der Umsetzung nötig. Die Energiekosten dürfen nicht weiter steigen", erklärte Billen. Die vom BUND kritisierten Subventionen für energieintensive Unternehmen lehnten 62 Prozent der Befragten ab.

Kritik auch von Seiten der Industrie

Auch die Industrie indes bewertet die Umsetzung der Energiewende kritisch. In einer Umfrage für den Bundesverband der deutschen Industrie gaben die Unternehmen der Politik nur die Schulnote vier minus für das Management der Energiewende. Demnach bewertete die Hälfte der Manager die Arbeit sogar mit einem "mangelhaft" oder "ungenügend". Lediglich 3,4 Prozent der Unternehmen gaben der Politik die Note "gut" oder "sehr gut".

Quelle: AFP

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