Stromtransport

Weniger Noteingriffe zur Stabilisierung der Stromnetze

Der Ausbau der Stromnetze macht sich offenbar allmählich bezahlt: Zur Stabilisierung der Stromversorgung mussten die Netzbetreiber deutlich seltener eingreifen und Kraftwerke ihre Produktion drosseln. Das könnte sich auch bald bei den Stromkosten positiv bemerkbar machen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Essen - Trotz der steigenden Ökostromerzeugung hat es im ersten Halbjahr weniger Noteingriffe zur Stabilisierung der deutschen Stromnetze gegeben. Die vier Übertragungsnetzbetreiber melden für Januar bis Juni zurückgehende Zahlen. "Unsere Fortschritte beim Netzausbau tragen Früchte", sagte Tennet-Vorstandsmitglied Lex Hartman der Deutschen Presse-Agentur. Wegen des starken Ausbaus der erneuerbaren Energien bleibe das Netz aber weiter extrem belastet.

Zu viel Windstrom: Stromproduktion muss gedrosselt werden

Wenn viel Windstrom im Norden erzeugt wird, gibt es regelmäßig Engpässe beim Stromtransport nach Süddeutschland, da die Leitungen dafür nicht ausreichen. Die Übertragungsnetzbetreiber lassen dann vor dem Engpass im Norden die Einspeisung von Strom aus konventionellen Kraftwerken senken und im Süden erhöhen. Reicht das nicht aus, müssen zusätzlich Windkraftanlagen ihre Leistung drosseln.

Stromkunden zahlen Kosten für Noteingriffe

Bezahlen müssen die Noteingriffe die Verbraucher über den Strompreis. 2017 waren dafür Rekordkosten von 1,4 Milliarden Euro angefallen, davon knapp eine Milliarde Euro bei Tennet. Setzt sich der Rückgang fort, könnten die Stromkunden in diesem Jahr billiger davonkommen. Allerdings ist die zweite Jahreshälfte meist windreicher, sodass in den Übertragungsnetzen größere Belastungen entstehen.

Netzbetreiber Tennet muss deutlich seltener eingreifen

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres musste im Netzgebiet von Tennet, das in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis in den Süden Bayerns reicht, die Leistung von konventionellen Kraftwerken im Umfang von 3.600 Gigawattstunden gedrosselt oder erhöht werden, um Engpässe auszugleichen. Im Vorjahreszeitraum waren dafür noch 6.000 Gigawattstunden erforderlich. Die zusätzlich nötige Reduzierung der Leistung von Windparks blieb von Januar bis Mai mit 1.700 Gigawattstunden nahezu unverändert.

Noteingriffe bei 50Hertz haben sich fast halbiert

Beim Netzbetreiber 50Hertz, der für das Übertragungsnetz in den ostdeutschen Bundesländern sowie in Hamburg zuständig ist, haben sich die Noteingriffe bei den konventionellen Kraftwerken mehr als halbiert. Sie gingen binnen Jahresfrist von rund 300 Gigawattstunden auf etwa 150 Gigawattstunden zurück. Die Leistung aus Windkraftanlagen musste im ersten Halbjahr 2018 um 300 Gigawattstunden reduziert werden. Im Vorjahreszeitraum waren es 415 Gigawattstunden. Auch bei Amprion, dem Betreiber der Übertragungsnetze im Westen, sind die Eingriffe nach Angaben eines Sprechers "eher geringer ausgefallen". Neben dem im Vergleich zu 2017 milderen Winter habe sich auch die deutlich entspanntere Versorgungssituation in Europa ausgewirkt. Bei TransnetBW in Stuttgart hieß es, im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr sei der Umfang der Noteingriffe deutlich gesunken.

Große Nord-Süd-Stromtrassen sollen eine durchgreifende Verbesserung bringen

Eine generelle Trendwende bei den Noteingriffen ist nach Angaben von Tennet aber noch nicht erreicht. Bis alle beschlossenen neuen Leitungen gebaut seien, "werden wir das Stromnetz weiter mit teuren Notmaßnahmen stabilisieren müssen", sagte Hartman. Zum Rückgang der Noteingriffe im ersten Halbjahr hätten eine neue Höchstspannungsleitung von Thüringen nach Bayern, eine stärkere Verbindung der Höchstspannungsnetze in Schleswig-Holstein und Hamburg sowie eine generell effizientere Nutzung vorhandener Stromleitungen beigetragen, sagte Hartman. Eine durchgreifende Verbesserung wird von den großen Nord-Süd-Stromautobahnen erwartet, die als Erdkabel gebaut werden und ab 2025 große Mengen an erneuerbarem Strom aus dem Norden Deutschlands in die großen Verbrauchszentren im Süden des Landes transportieren sollen.

Quelle: DPA

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