FÖS-Studie

Warum Kohle- und Atomstrom teurer als Ökoenergie sind

Eine kürzlich aktualisierte Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft im Auftrag von Greenpeace Energy und des Bundesverbands Windenergie zeigt, "Was Strom wirklich kostet" - so der Titel der Studie. Beziehe man alle Kosten und Folgekosten ein, so wären konventionelle Energien deutlich teurer als Strom aus Sonne, Wind und Wasser.

AKW© herculaneum79 / Fotolia.com

Berlin (red) - Durch die gestiegene Ökostrom-Umlage, mit der die Kosten der Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien auf die Verbraucher umgelegt werden, entstehe der Eindruck, dass erneuerbare Energien die einzige Stromerzeugungstechnologie sind, die ohne Förderungen im freien Wettbewerb mit den kostengünstigeren konventionellen Energieträgern nicht überlebensfähig wären.

Die Stromrechnung weist nicht alles aus

Doch auch die konventionellen Energieträger Atomenergie, Steinkohle und Braunkohle profitieren seit Jahrzehnten in erheblichem Umfang von staatlichen Förderungen in Form von Finanzhilfen, Steuervergünstigungen und weiteren begünstigenden Rahmenbedingungen. Der Unterschied zu den Erneuerbaren besteht vor allem darin, dass ein Großteil der Kosten nicht transparent über den Strompreis ausgewiesen und bezahlt wird, sondern zulasten des Staatshaushalts geht.

Hohe Folgekosten für die Gesellschaft

Hinzu kommt, dass die fossilen und atomaren Energieträger hohe Folgekosten durch Umwelt- und Klimaschäden verursachen sowie die mit Atomenergie verbundenen Risiken bergen, die ihnen ebenfalls nur zu geringen Anteilen in Rechnung gestellt werden (so genannte externe Kosten). Diese beiden Kostenblöcke staatlicher Förderungen und externer Kosten werden oftmals nicht direkt mit dem Preis konventioneller Energieträger in Verbindung gebracht, müssen aber in letzter Konsequenz doch bezahlt werden: in Form von Steuerzahlungen oder als gesellschaftliche Folgekosten des Klimawandels und der Belastungen von Menschen und Umwelt.

So teuer ist konventioneller Strom wirklich

Im Ergebnis trägt die Gesellschaft im Jahr 2012 bei einer Kilowattstunde Windstrom ungerechnet Kosten von 8,1 Cent und bei Wasserstrom 7,6 Cent. Die Gesamtkosten für Strom aus Braun- und Steinkohlekraftwerken summieren sich hingegen auf 15,6 bzw. 14,8 Cent und für Atomenergie sogar auf mindestens 16,4 Cent je Kilowattstunde. Die Kosten für Erdgasstrom liegen bei 9,0 Cent.

Die Zusatzkosten der konventionellen Energieträger sind sogar deutlich höher als die Förderung der erneuerbaren Energien durch das EEG. Sie betragen im Jahr 2012 mehr als 40 Milliarden Euro, während beim EEG erwartete 13 Milliarden Euro Differenzkosten auf die Verbraucher umgelegt werden. Würde man die Belastungen des Staatshaushalts und die externen Kosten durch die konventionellen Energieträger nach EEG-Methode auf den Verbrauch der nicht privilegierten Stromabnehmer umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage im Jahr 2012 bei umgerechnet 10,2 Cent pro Kilowattstunde, so die Autoren der Studie.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Tennet plant Anhebung der Netzentgelte

    Die Netzentgelte, die aktuell etwa ein Viertel der Stromrechnung ausmachen, steigen 2018 für viele Haushalte mit großer Wahrscheinlichkeit. Netzbetreiber Tennet, der Stromleitungen in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns betreibt, hat eine Preiserhöhung angekündigt.

  • Strompreis

    Agora: EEG-Umlage sinkt zunächst - Anstieg folgt dann 2019

    2018 dürfte die EEG-Umlage Experten zufolge etwas geringer ausfallen. 2017 lag die Umlage bei 6,88 Cent pro Kilowattstunde. Allerdings handele es sich nur um eine kurze Atempause: 2019 soll es dafür wieder steil nach oben gehen.

  • Strom sparen

    Hessischer Versorger erhöht Strompreise um 13,2 Prozent

    Die ovag Energie AG mit Sitz im hessischen Friedberg ist einer der ersten Energieversorger, die die fürs neue Jahr angesetzte Preissteigerung veröffentlicht haben.

  • Tarife

    Deutsche stellen Energiewende trotz hoher Kosten nicht in Frage

    Trotz der stark steigenden Kosten für Strom im kommenden Jahr stellen die Bundesbürger einer Umfrage zufolge die Energiewende an sich nicht in Frage. Sieben von zehn Deutschen hielten den nach der Atomkatastrophe von Fukushima beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie für richtig, so Allensbach-Chefin Renate Köcher.

  • Gaspreise

    Auch Netzentgelte für Gas werden steigen

    Nun geht es also auch den Gaskunden an den Kragen und nicht nur den Stromverbrauchern: Die Gebühren für die Gasnetze steigen 2013 um rund zehn Prozent, teilweise sogar noch deutlich stärker - obwohl die Gasnetzbetreiber nichts mit Anschlusskosten für Ökostrom zu tun haben, also diese Belastungen anders als die Stromnetzbetreiber nicht schultern müssen.

Top