Preissteigerungen

Warum hohe Strompreise die soziale Schieflage verstärken

Immer wieder ist von Energiearmut die Rede und dass immer mehr Haushalte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können.

Stromrechnung© Sergej Toporkov / Fotolia.com

Immer wieder ist von Energiearmut die Rede und dass immer mehr Haushalte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen können. Das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) hat jetzt ausgerechnet, warum höhere Strompreise gerade ärmere Haushalte besonders belasten.

Fataler Verteilungseffekt

Den IW-Zahlen zufolge verstärken die Verteilungswirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes die soziale Schieflage hierzulande. Laut dieser jetzt vorgelegten Berechnung sind Geringverdiener von den Extrakosten für den Ökostrom (oder jeder anderen starken Strompreiserhöhung) fast genauso stark betroffen wie wohlhabende Haushalte - de facto jedoch viel stärker, weil sie um Längen weniger Geld zur Verfügung haben. Denn der Stromverbrauch verändert sich mit steigendem Einkommen kaum. Das dürfte nicht zuletzt daran liegen, dass ärmere Haushalte keine teuren energieeffizienten Anschaffungen tätigen können, was insbesondere bei häufig genutzten Geräten wie Kühlschränken, Waschmaschinen oder Gefriertruhen einen deutlichen Spareffekt hätte. Zwar können finanzschwache Haushalte auf elektrische Messer, zusätzliche Lampen oder andere strombetriebene Accessiores verzichten, nicht jedoch auf diese existenziellen Geräte.

Erschwerter Wechsel

Laut den vom IW vorgelegten Zahlen fließen bei den einkommensschwächsten zehn Prozent der Bevölkerung ab 2013 gut 1,3 Prozent ihres Einkommens in die EEG-Finanzierung, bei den einkommensstärksten zehn Prozent sind es dagegen nur 0,2 Prozent. Verstärkt wird der Effekt noch dadurch, dass es ärmeren Haushalten durch die Bonitätsvorgaben der meisten Anbieter erschwert wird, ihren Stromtarif zu wechseln. Viele Kunden stecken deshalb in der teuren Grundversorgung fest, könnten bei einem anderen Anbieter jedoch deutlich günstigeren Strom beziehen. Die meisten Anbieter prüfen die Bonität ihrer potenziellen Kunden, wozu nicht nur eventuelle Schulden oder der Bezug von Transferleistungen gehören, sondern auch weiche Faktoren wie die Wohnlage oder das Lebensalter, die für schlechtere Scoring-Werte sorgen.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Wechsel

    18 Jahre EEG: Durchschnittshaushalte zahlten 2.200 Euro

    Mit der EEG-Umlage wird nun seit 18 Jahren der Umstieg auf die erneuerbaren Energien finanziert. In diesem Zeitraum hat eine durchschnittliche Familie etwa 2.200 Euro beigesteuert, so eine Berechnung von Verivox.

  • Ökostrom

    Polarstern: Wärmepumpentarife am besten mit Gütesiegel

    Einige Stromversorger bieten auch spezielle Wärmepumpentarife an. Das kann sich finanziell, aber auch mit Blick auf Umwelt und Klima lohnen. Auf bestimmte Aspekt muss jedoch unbedingt geachtet werden, so der Ökostromversorger Polarstern.

  • Stromrechnung

    Linke fordert Verbot von Stromsperren

    Die Linksfraktion fordert ein verbindliches Verbot von Stromsperren für Privatkunden bei unbezahlten Rechnungen. Die Stromversorgung gehöre zu den Grundbedürfnissen, sagte Fraktionschef Wulf Gallert am Mittwoch in Magdeburg. Die Energiewende drohe ansonsten die soziale Spaltung zu vertiefen.

  • Stromrechnung

    Energiewende belastet Ostdeutsche besonders stark

    Ostdeutsche Verbraucher sind durch die Energiewende besonders stark belastet: In den neuen Ländern steigt der Strompreis im nächsten Jahr nach Berechnungen des Verbraucherportals Verivox um elf Prozent, berichtet die "Mitteldeutsche Zeitung" (Samstagsausgabe). In Westdeutschland liege der Anstieg bei acht Prozent.

  • Stromrechnung

    Warum nicht alle Stromanbieter die Preise erhöhen

    Deutschland erlebt die stärkste Strompreiswelle seit Jahren; 468 Anbieter haben höhere Preise angekündigt. Doch nicht alle Versorger erhöhen die Preise, die Erhöhungen fallen sehr unterschiedlich aus, obwohl die Bedingungen durch die staatlichen Eingriffe doch für alle gleich scheinen. Woran liegt das?

Top