Umfrage

Viele verstehen Finanzprodukte nicht

Geschlossener Fonds? Festverzinsliche Wertpapiere? Viele Menschen halten Finanzprodukte laut einer Umfrage im Auftrag des Bankenverbandes BdB für zu kompliziert. Besonders Senioren fühlen sich verloren. Zudem gehen Bankberater oft nach Provision. Eine positive Entwicklung gibt es: Ab August gelten neue Regeln für die Honorarberatung.

Finanzberater© Yuri Arcurs / Fotolia.com

Berlin/Bonn (dpa/red) - Knapp acht von zehn Befragten stimmten der Aussage eher oder voll zu, Finanzprodukte, Geldanlagen und Bankgeschäfte seien heute so kompliziert, dass man vieles daran überhaupt nicht verstehen könne. "Das ist kein richtig guter Befund", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Michael Kemmer, am Donnerstag in Berlin. "Und das ist natürlich auch ein Arbeitsauftrag an die Banken und an uns." Auch Verbraucherschützer sehen Nachholbedarf.

Senioren legen viel Wert auf Sparsamkeit

Die Komplexität und das große Angebot an Finanzanlagen machten deutschen Sparern zu schaffen - besonders Senioren, berichtete Kemmer. "Die fühlen sich besonders verloren in der Komplexität. Hier müssen wir einfach mehr erklären." Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) befragte nicht nur eine repräsentative Auswahl der deutschen Bevölkerung, sondern zusätzlich mehr Menschen ab 60 Jahren. Ein Ergebnis: Drei von vier Älteren legen viel oder sehr viel Wert auf Sparsamkeit. "Die alte klassische Tugend", sagte Kemmer.

Und diese Tugend setzen viele auch um. Von den befragten Älteren legt die Hälfte regelmäßig Geld zur Seite, ein Sechstel ab und zu. Ein Drittel spart so gut wie nie. Laut der Studie legen von den sparenden Senioren 37 Prozent mindestens 300 Euro im Monat zurück. "Das hat mich persönlich durchaus überrascht", sagte Kemmer. Er habe gedacht, Senioren sagten eher: "So, jetzt haben wir schön gespart für einen unbeschwerten Ruhestand, und jetzt machen wir ein paar Kreuzfahrten oder geben das Geld für schöne Dinge aus."

Ältere haben das größte Vermögen

Denn in der Regel haben Ältere ein größeres Vermögen als Jüngere. "Bis zur Verrentung wird das höchste Vermögen erreicht", erklärte Markus Grabka vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Werden Immobilien, Versicherungen, Bausparverträge oder auch Schmuck mitgerechnet, besitzen Menschen im Westen Deutschlands um die 70 Jahre das größte Vermögen. Anders ist es nach DIW-Angaben im Osten, wo Menschen zu DDR-Zeiten weniger Vermögen anhäufen konnten. Dort gleichen sich die Verhältnisse erst nach und nach an.

Bei der Geldanlage sind Ältere und Jüngere eher vorsichtig. In der GfK-Befragung konnten sich 72 Prozent der Älteren überhaupt nicht vorstellen, ein höheres Risiko einzugehen, um mehr Rendite zu bekommen. Bei den 18- bis 59-Jährigen lag der Anteil bei 54 Prozent. Eine detailliertere Aufteilung der Altersgruppen lag nicht vor.

Bankberater gehen oft nach Provision

Dass die Bundesbürger eher auf Sicherheit setzen, beobachtet auch Sylvia Schönke von der Verbraucherzentrale Potsdam. "Aber nach wie vor machen Bankberater oft Angebote, wo für sie mehr Provision herausspringt." Nach ihrer Einschätzung bekommen Bankkunden oft zu viele Informationspapiere in die Hand gedrückt, wo meist eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte auf ein bis zwei Seiten sinnvoller wäre. "Es ist zum Teil so, dass viele Materialien ausgehändigt werden, viele mit diesen Informationen aber überfordert sind", sagte Schönke.

Neue Regeln für Honorarberatung

Doch es ist Besserung in Sicht: Ab dem 1. August gelten neue gesetzliche Regelungen zur Honorarberatung. Darauf macht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) aufmerksam. Eine wichtige Anforderung: Der Honorar-Anlageberater darf sich ausschließlich vom Kunden bezahlen lassen. Derzeit dominiert in Deutschland die provisionsgestützte Finanzberatung. Dabei wird der Anlageberater von den Anbietern der Finanzprodukte vergütet. Dieser Zusammenhang ist Kunden aber nicht immer bewusst.

Die Angebotspalette des Honorarberaters unterliegt dabei besonderen Anforderungen: "Er hat seine Empfehlungen auf einen hinreichenden Marktüberblick zu gründen, den er sich verschaffen muss", heißt es im Bafin-Journal (Ausgabe Juli 2014). Auch bei den Anbietern muss er sich am Markt orientieren und darf nicht nur auf eigene Finanzinstrumente oder Produkte aus seinem Konzern oder ihm nahestehenden Anbietern zurückgreifen.

Außerdem ist die Bezeichnung Honorar-Anlageberatung gesetzlich geschützt. Das soll es dem Kunden ermöglichen, darauf vertrauen zu können, dass die Beratung den besonderen Pflichten genügt. Die Bafin führt ein Honorar-Anbieterregister, in das sich Anbieter eintragen müssen. Anleger können das Register ab dem 1. August auf den Internetseiten der Bafin einsehen.

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