Überblick

Versicherungen und Vorsorge: Das ändert sich 2012

Im nächsten Jahr ändert sich wieder so einiges. Die Rente mit 67 kommt und damit auch Änderungen bei Rentenversicherung und Altersvorsorge. Aber auch bei Kranken- und Pflegeversicherung gibt es Neuerungen. Die Verbraucherzentrale NRW informiert über die wichtigsten Änderungen.

Sparbuch© svort / Fotolia.com

Düsseldorf (red) - Was sich 2012 für Verbraucherinnen und Verbraucher sonst noch ändert – den kompletten Überblick gibt's im Internet auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW unter vz-nrw.de/2012 zum Lesen und Herunterladen.

Der Beitrag zur gesetzlichen Rentenversicherung sinkt

Die Rentenbeitragssätze sinken zum 1. Januar von 19,9 auf 19,6 Prozent. Bei einem Brutto-Durchschnittsverdienst in Höhe von 2.500 Euro monatlich macht das 3,75 Euro weniger Abzug aus. Insgesamt werden Arbeitnehmer und Arbeitgeber um jeweils 1,3 Milliarden Euro entlastet. Gleichzeitig steigt die Beitragsbemessungsgrenze bei der Rentenversicherung auf 67.200 Euro pro Jahr oder 5.600 Euro im Monat (im Osten 57.600 Euro pro Jahr oder 4.800 Euro im Monat).

Riester- und Rürup-Rente: Auszahlung erst mit 62

Die Anhebung der Altersrente auf 67 in der gesetzlichen Rentenversicherung wirkt sich auch auf die Riester-Rente aus. Für alle ab dem 1. Januar 2012 abgeschlossenen Riester-Verträge darf die erste Rentenzahlung nicht mehr vor dem 62. Lebensjahr erfolgen – ansonsten gehen staatliche Förderung und mögliche Steuervorteile verloren. Dies gilt auch für die Altersvorsorge über Wohn-Riester. Für alle bis Ende 2011 abgeschlossenen Verträge gilt noch: Die Auszahlung der Riester-Rente kann schon ab dem 60. Lebensjahr beginnen, und sämtliche Zulagen werden gewährt. Zwar können auch noch ab 2012 Riester-Renten-Sparpläne mit einem früheren Auszahlungsbeginn als dem 62. Lebensjahr abgeschlossen werden, doch dann entfällt die staatliche Förderung durch Zulagen. Gleiches gilt für die Rürup-Rente.

Riester-Rente: Nullverträge wurden abgeschafft

Die sogenannten "Nullverträge", vielfach auch als "Hausfrauen-Verträge" bezeichnet, wurden abgeschafft. Ab 2012 müssen alle Riester-Sparer immer einen Eigenbetrag von mindestens 60 Euro einzahlen – je nach Vertrag auf einmal oder fünf Euro pro Monat. Das betrifft vor allem Ehepartner von Erwerbstätigen. Sie können bislang ohne eigene Sparleistung die vollen Zulagen (154 Euro Grundzulage und bis zu 300 Euro Kinderzulage) erhalten, wenn ihr Partner ebenfalls eine Riester-Rente abgeschlossen hat.

Rürup-Rente: Höhere Sonderausgaben

Rürup-Sparer können wieder einen höheren Betrag als Sonderausgaben von der Steuer absetzen. Im nächsten Jahr beträgt er 74 Prozent der Beiträge in die Rürup-Rente. Wer als Single den maximal geförderten Beitrag von 20.000 Euro in die Rürup-Rente einzahlt, kann somit 14.800 Euro als Sonderausgaben geltend machen. Für Verheiratete sind es 40.000 Euro Einzahlung und 29.600 Euro Sonderausgaben.

Lebensversicherer müssen Garantiezins reduzieren

Lebensversicherer müssen zum 1. Januar den Rechnungszins – oft auch Garantiezins genannt – von derzeit 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent reduzieren. So hat es das Bundesfinanzministerium für neue Verträge vorgegeben. Für bestehende Verträge gilt weiterhin der zum Zeitpunkt des Abschlusses gültige Zins. Die Verbraucherzentrale rät dennoch, sich jetzt von niemandem unter Druck setzen zu lassen und allein mit Blick auf den Garantiezins auf einen Vertrag einzulassen, der meist über Jahrzehnte läuft. Nur wer ohnehin entschlossen ist, eine Lebensversicherung abzuschließen, und sich bereits eingehend schlau gemacht sowie Angebote verglichen hat, sollte noch in diesem Jahr eine Police kaufen.

Steuer auf Lebensversicherungen

Seit dem Jahr 2005 werden neu abgeschlossene Kapitallebensversicherungen zum Auszahlungszeitpunkt voll besteuert. Das ändert sich für Verträge, die ab dem 1. Januar abgeschlossen werden. Dann wird nur die Hälfte des Ertragsanteils besteuert, wenn der Vertrag ab dem 62. Geburtstag des Versicherungsnehmers fällig wird. Die Altersgrenze gilt auch für Einmalauszahlungen privater Rentenversicherungen mit Kapitalwahlrecht.

Versicherungen: Gleiche Tarife für Mann und Frau

Spätestens ab dem 21. Dezember 2012 müssen Versicherer sogenannte Unisex-Tarife anbieten, also für Frau und Mann gleich teure Policen. Weil sie statistisch länger leben, zahlen Frauen für manche Versicherungen in aller Regel mehr, etwa in der Kranken- und privaten Rentenversicherung. Dafür sind die Prämien für Männer in der Lebens- und in der Kfz-Versicherung häufig höher. Erwartet wird, dass auf Männer höhere Prämien bei der privaten Renten- und Krankenversicherung zukommen. Dagegen werden Frauen wohl für Lebens- und für die bisher auch nach Geschlecht differenzierten Kfz-Policen mehr zahlen müssen.

Krankenkasse: Beitragsbemessungs- und Versicherungspflichtgrenze steigen

Die Beitragsbemessungsgrenze steigt im Jahr 2012 von 3.712,50 Euro auf 3.825 Euro im Monat. Wer brutto mehr verdient, zahlt deshalb auf das gesamte Einkommen oberhalb von 3.825 Euro keine Beiträge in die Krankenkasse. Die Versicherungspflichtgrenze klettert von 49.500 auf 50.850 Euro im Jahr – bis zu diesem Einkommen sind Arbeitnehmer verpflichtet, sich bei der gesetzlichen Krankenkasse zu versichern.

Kostspieligerer Zahnersatz

Besuche beim Zahnarzt werden ab 1. Januar teurer. Ab dann gilt die novellierte Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ). Für gesetzlich versicherte Patienten werden in erster Linie Kronen, Brücken und Prothesen mehr ins Geld gehen. Rechnungen an Privatversicherte stellen Zahnärzte ausschließlich nach der GOZ aus. Deshalb werden sie im nächsten Jahr nicht nur für Zahnersatz, sondern generell mehr zahlen müssen.

Familienpflegezeit kommt

Am 1. Januar kommt die Familienpflegezeit. Beschäftigte, die einen Angehörigen pflegen, können ihre wöchentliche Arbeitszeit für die Dauer von zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren, ohne allzu hohe Gehaltseinbußen in Kauf nehmen zu müssen. Ein Beispiel: Der Arbeitgeber zahlt einem Pflegenden, der seine Arbeitszeit um 50 Prozent verringert, weiterhin 75 Prozent des Bruttogehalts. Arbeitet der Beschäftige nach zwei Jahren wieder voll, erhält er weiterhin 75 Prozent des Ursprungsgehalts – und zwar solange, bis der Ausfall ausgeglichen ist. Für den Fall, dass der Arbeitnehmer – aus welchen Gründen auch immer – nicht wieder voll in den Betrieb einsteigt, muss er zwingend eine Versicherung abschließen. Wichtig: Gesetzlich verpflichtet, dem Arbeitnehmer Familienpflegezeit einzuräumen, ist der Arbeitgeber nicht.

Steigende Sätze in den Pflegestufen

Pflegebedürftige, die von der Pflegekasse unterstützt werden, bekommen ab Januar mehr Geld. So werden die Sätze für die Versorgung durch ambulante Pflegedienste angehoben:

  • in der Pflegestufe I von 440 auf 450 Euro im Monat
  • in der Pflegestufe II von 1.040 auf 1.100 Euro im Monat
  • in der Pflegestufe III von 1.510 auf 1.550 Euro im Monat

Auch das Pflegegeld steigt. In Pflegestufe I und II erhöht es sich um 10 Euro auf 235 und 440 Euro; in Pflegestufe III gibt's künftig 700 Euro pro Monat. Für die Leistungen in der Tages- und Nachtpflege sowie in der Kurzzeit- und Verhinderungspflege stehen jeweils 40 Euro mehr zu Verfügung, insgesamt 1.550 Euro monatlich. Das gilt ebenso für die Leistungen in der stationären Pflege für Pflegebedürftige der Stufe III.

Reform der Pflegeversicherung geplant

Im Jahr 2012 soll es mit der Reform der Pflegeversicherung vorangehen. Nach den Plänen der Bundesregierung wird es zum 1. Juli 2012 mehr Leistungen für Menschen geben, die an Demenz erkrankt sind. Beabsichtigt ist außerdem, dass Pflegebedürftige, die von ambulanten Pflegediensten versorgt werden, flexiblere Leistungspakete vereinbaren können. Um die Änderungen zu finanzieren, soll ab 2013 der Beitrag zur Pflegeversicherung steigen. Die freiwillige private Vorsorge für den Pflegefall könnte dann zudem steuerlich gefördert werden.

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