Preissteigerungen

Verrottende Bahnhöfe trotz teurerer Tickets

Stuttgart 21 ist nicht das einzige Renommierprojekt der Deutschen Bahn - leider, sagen Kritiker.

Bahn© Vargas / Fotolia.com

Stuttgart 21 ist nicht das einzige Renommierprojekt der Deutschen Bahn - leider, sagen Kritiker. Denn trotz teils massiv gestiegener Ticketpreise vergammeln gerade kleine, im Vergleich unbedeutende Bahnhöfe zusehends. Bizarr: Einem TV-Bericht zufolge bewertet die Bahn den Zustand ihrer Bahnhöfe selbst.

Wie die Bahn den Zustand schönredet

In einem Bericht des ARD-Magazins "Plusminus" heißt es beispielsweise, dass Bahnhöfe mit weniger als 1000 Reisenden am Tag automatisch als barrierefrei gelten - auch, wenn sie nur durch Treppen zu erreichen und damit für Rollstuhlfahrer unpassierbar sind. Diese Systematik habe der Bundesrechnungshof bereits vor Jahren massiv kritisiert. Der Unmut vieler Reisender richte sich aber nicht nur gegen eine solch ungeheuerliche Schönfärberei, sondern vor allem dagegen, dass kleinere Bahnhöfe vielfach komplett durchs Renovierungsraster fallen. Auf Rückfrage des Magazins habe sich die Bahn nicht zu den konkreten Vorwürfen äußern wollen, sondern lediglich mitgeteilt, dass bei der Modernisierung der Bahnhöfe solche Stationen Vorrecht hätten, die von vielen Reisenden genutzt würden. Wer an einem kleineren Bahnhof zusteigt, hat also Pech gehabt.

Massiv gestiegene Ticketpreise

Die Bahn indes bekommt für jeden Zug, der in einem Bahnhof hält, das so genannte Stationsentgelt. Dieses habe sich dem Fernsehbericht zufolge im vergangenen Jahr in Summe auf 700 Millionen Euro belaufen. Hinzu kämen pro Jahr 2,5 Milliarden Euro vom Bund, um Gleisanlagen und Netze in einem guten Zustand zu halten. Doch offenbar würden viele Anlagen "auf Verschleiß gefahren" und das Geld stattdessen anderweitig ausgegeben, wie Bahnexperten kritisieren. Dies sei unverhältnismäßig, zumal die Preise für Bahntickets in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen seien, also um rund das Doppelte der allgemeinen Preisentwicklung. Für Vielfahrer stellt sich die Situation noch deutlich schlimmer dar: Laut "Plusminus" habe sich der Preis der Bahncard 50 im genannten Zeitraum sogar um satte 80 Prozent erhöht.

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