Mieterbund

Vermieter nutzen Sanierung als Druckmittel

Es sind nicht immer Umweltaspekte, die Vermieter im Sinn haben, wenn sie eine energetische Sanierung beauftragen. Eigentümer nutzten zunehmend den Einbau neuer Heizungen, Fenster und Dämmung, um anschließend die Miete in die Höhe zu treiben oder Mieter loszuwerden, sagte der Verbandsdirektor des Deutschen Mieterbunds, Lukas Siebenkotten, der Nachrichtenagentur dpa.

24.03.2014, 11:14 Uhr (Quelle: DPA)
Wärmedämmung© Jean Kobben / Fotolia.com

Berlin (dpa/red) - Nach dem Regierungsvorstoß für die sogenannte Mietpreisbremse fordert der Deutsche Mieterbund weitere Verbesserungen für Mieter. "Es häuft sich in letzter Zeit, dass die energetische Sanierung als Waffe genutzt wird." Der Verband fordert, Mieterhöhungen nach Sanierungen davon abhängig zu machen, wie sehr die Arbeiten die Energiebilanz des Gebäudes verbessern.

Mieter durch Preiserhöhung vertreiben

Siebenkotten berichtete von Einzelfällen, in denen die Miete nach der Sanierung auf das zwei- oder dreifache stieg, etwa in Berlin. "Da geht es erkennbar nur um eine Entmietung, um später Eigentumswohnungen verkaufen zu können." Betroffen seien Metropolen und Uni-Städte, wo die Nachfrage hoch sei. "Das finden sie in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Stuttgart und Frankfurt genauso."

Oft rechnet sich die Sanierung trotzdem

Andernorts ließen sich derartige Mietsteigerungen aber oft nicht durchsetzen. Es gebe viele unproblematische Fälle, wo sich die Sanierung trotz höherer Miete für die Bewohner rechne, weil die Heizkosten sinken, sagte Siebenkotten.

Vermieter dürfen jährlich elf Prozent der Sanierungskosten auf die Mieter umlegen - bislang ohne zeitliche Begrenzung. Union und SPD arbeiten zunächst an der "Mietpreisbremse", die hohe Aufschläge bei Neuvermietungen verhindern soll. Die Koalition will aber auch erreichen, dass Vermieter nur noch zehn Prozent umlegen dürfen, und das auch nur, bis sie ihre Ausgaben gedeckt haben.

Mietzuschlag nach Effizienzsteigerung berechnen

Die zeitliche Begrenzung hält der Mieterbund für sinnvoll. "Aber ob zehn oder elf Prozent, das macht den Kohl nicht fett", sagte Siebenkotten. Die Höhe des Mietzuschlags solle sich stattdessen nach der Effizienzsteigerung richten. "Der, der mit möglichst wenig Einsatz eine hohe Effizienzsteigerung erreicht, sollte belohnt werden." Notwendig seien dafür einheitliche Energieausweise.

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