Analyse

Verivox: Über 100 Banken führten Anfang 2021 Negativzinsen ein

Immer mehr Banken führen Negativzinsen ein, mit dem Jahreswechsel hat dieser Trend sogar noch einmal Aufwind bekommen, berichtet das Vergleichsportal Verivox. Teilweise würden Banken hier auch auf andere Gebühren zurückgreifen.

15.04.2021, 09:04 Uhr
ZinsenWenn Banken neue Gebühren einführen wollen, müssen sie das mit Bestandskunden individuell lösen.

Der Trend zu Negativzinsen hat sich 2021 noch einmal beschleunigt. Aktuell weisen 300 Banken Negativzinsen für Privatkunden aus – 122 mehr als noch zum Jahreswechsel vor 100 Tagen (Stand: 9. April). Zu diesem Ergebnis kommt eine fortlaufende Verivox-Auswertung von rund 1.300 Banken.

Über 100 Banken führten Anfang 2021 Negativzinsen ein

"Die Dynamik bei den Negativzinsen hat sich in diesem Jahr noch einmal deutlich verschärft", sagt Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH. "Seit dem Jahreswechsel haben schon über 100 Institute ein sogenanntes Verwahrentgelt für Privatkunden eingeführt. Aktuell kommen nahezu täglich weitere Banken hinzu."

Für die Auswertung beobachtet Verivox die online ausgewiesenen Konditionen für private Tagesgeld-, Giro- und Verrechnungskonten auf den Internetseiten von rund 1.300 Banken und Sparkassen. Davon verlangen aktuell 300 Häuser Negativzinsen. Ende 2020 waren es noch 178. Nicht alle Banken veröffentlichen Negativzinsen frei zugänglich auf ihrer Website. Es gibt also eine Dunkelziffer und tatsächlich dürften sogar noch mehr Banken ihren Kunden Verwahrentgelte in Rechnung stellen.

Negativzinsen auch bei niedrigerem Guthaben

Corona hat den bestehenden Trend zu Negativzinsen noch einmal beschleunigt, wie Oliver Maier erklärt: "In der Pandemie legen viele Verbraucher ihr Geld lieber aufs Konto, statt es auszugeben. Für Banken ist das ein Problem, denn sie zahlen selbst Strafzinsen auf überschüssige Einlagen. Je mehr Spargelder sie annehmen müssen, desto größer wird der Druck, diese Kosten an ihre Kunden weiterzugeben."

Lange Zeit wurden vor allem sehr hohe Sparsummen ab 100.000 Euro und mehr mit Negativzinsen belastet. Inzwischen sind aber auch deutlich niedrigere Freibeträge keine Seltenheit mehr. Mindestens 95 Banken berechnen Negativzinsen schon ab einem Gesamtguthaben von 50.000 Euro oder weniger.

Weitere Gebühren für das Sparen

Nicht immer werden Negativzinsen als solche ausgewiesen. Im laufenden Jahr haben bislang 4 Geldhäuser eine Kontoführungsgebühr für das üblicherweise kostenfreie Tagesgeldkonto eingeführt. Aus Sicht der Sparer entstehen dadurch faktisch Negativzinsen. Das Geld auf dem Konto wird weniger, auch wenn die Bank nominal 0,00 oder 0,01 Prozent Zinsen ausweist. Insgesamt verlangen aktuell 18 Banken so eine Gebühr, 4 davon berechnen zusätzlich auch nominal Negativzinsen.

Negativzinsen können zunächst nur für Neukunden eingeführt werden

Wichtig zu wissen: In laufenden Verträgen können Banken Negativzinsen nicht einseitig einführen. Mit der Veröffentlichung im Preisaushang gelten die Verwahrentgelte deshalb zunächst nur für Neukunden. Will eine Bank auch ihren Bestandskunden Negativzinsen berechnen, muss sie das mit den Betroffenen individuell vereinbaren. In diesem Fall sollten Bankkunden wechseln.

"Negativzinsen werden immer mehr zum Standard, trotzdem haben Verbraucher noch Alternativen", sagt Oliver Maier. „Top-Banken mit Sitz im europäischen Ausland zahlen Anlegern bis zu 0,4 Prozent Guthabenzinsen aufs Tagesgeld. Bei Anbietern mit deutscher Einlagensicherung gibt es in der Spitze 0,21 Prozent."

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