Geld leihen

Verivox: Kreditsummen steigen in der Corona-Krise

Die Kreditsummen sind binnen eines Jahres um 11 Prozent gestiegen, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung. Vergleicht man den Februar und den März 2020, sind die Geldsummen noch einmal besonders gestiegen.

05.05.2020, 17:15 Uhr
KreditBesonders die Gutverdiener nehmen höhere Kreditsummen auf, so die Untersuchung von Verivox.© Tobif82 / Fotolia.com

Die Corona-Krise hinterlässt auch im Kreditgeschäft deutliche Spuren. Aktuelle Verivox-Daten zeigen: Kreditnehmer leihen sich heute im Schnitt mehr Geld als vor der Krise. Der durchschnittliche Kreditbetrag war im März 7,5 Prozent höher als im Februar. Im Jahresvergleich beläuft sich das Plus auf 11 Prozent. Zugleich verschieben sich die Anteile der einzelnen Kundengruppen. Banken vergeben Kredite vermehrt an Gutverdiener mit sicherer Beschäftigung.

Vergleich: Kreditsummen vor und nach der Krise

In der Corona-Krise sind die durchschnittlichen Kreditsummen deutlich gestiegen. Verbraucher, die im März einen Kredit über Verivox abgeschlossen haben, nahmen im Schnitt 15.676 Euro auf. Im Februar – vor Ausbruch der Krise – lag der durchschnittliche Kreditbetrag noch bei 14.588 Euro. Damit stieg das Kreditvolumen binnen eines Monats um 7,5 Prozent. Im Jahresvergleich zum März 2019 fällt der Anstieg mit 11 Prozent sogar noch deutlicher aus.

Gutverdiener erhöhen Kreditsummen am stärksten

Gerade in der Krise kalkulieren Kreditnehmer mit ausreichender Bonität ihren Finanzbedarf lieber nicht zu knapp. In allen Einkommensgruppen stieg der durchschnittliche Kreditbetrag – bei den kleineren und mittleren Einkommen aber weniger stark als bei Gutverdienern.

Verivox-Kunden mit einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 2.000 Euro liehen sich im März 2020 durchschnittlich 12.086 Euro – 3,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Deutlich stärker stiegen die Kreditsummen bei Kunden mit höheren Einkommen von 3.000 bis 4.000 Euro (16 Prozent) sowie 4.000 bis 5.000 Euro (17 Prozent). Bei den Gutverdienern mit über 5.000 Euro Nettoeinkommen war der Anstieg mit 40 Prozent am stärksten. Sie liehen sich im Schnitt 26.864 Euro.

Planbare Investitionen werden aufgeschoben

Viele Verbraucher verschieben planbare Investitionen derzeit lieber auf einen späteren Zeitpunkt. Darauf deuten die angegebenen Verwendungszwecke hin. Kredite für den Fahrzeugkauf hatten im März 2020 einen Anteil von 8,2 Prozent am Gesamtgeschäft – ein Drittel weniger als im Vorjahr, als Autokredite noch 13,2 Prozent des Gesamtgeschäfts ausmachten. Der Anteil von Modernisierungs- und Renovierungskrediten sank um ein Sechstel.

"Dafür nehmen Kreditnehmer die Optimierung ihrer Finanzen nun stärker in den Blick", sagt Oliver Maier. "In der Krise müssen die Verbraucher sparen. Viele nutzen das anhaltende Zinstief dafür, laufende Kredite mit einem günstigeren Darlehen abzulösen."

Spielt das Einkommen bei der Kreditvergabe eine größere Rolle?

Verivox hat untersucht, wie sich die Anteile unterschiedlicher Kundengruppen an den genehmigten Krediten in der Krise verändert haben. Im März 2020 wurden 44 Prozent der Kredite von Verbrauchern mit einem Nettoeinkommen zwischen 1.000 und 2.000 Euro beantragt. Diese Einkommensgruppe hat damit immer noch den größten Einzelanteil am Gesamtgeschäft. Doch ihr Anteil ist deutlich geschrumpft. Im März 2019 waren es noch 51 Prozent.

Der Anteil der Gutverdiener ist hingegen gestiegen – in der Einkommensgruppe von 3.000 bis 4.000 Euro um knapp ein Drittel, in der Gruppe mit 4.000 bis 5.000 Euro Nettoverdienst sogar um zwei Drittel. "Banken setzen bei der Kreditvergabe heute noch stärker auf Sicherheit als vor der Krise", sagt Oliver Maier. "Sie bauen das Geschäft mit einkommensstarken Kreditnehmern in sicheren Jobs aus und legen dafür bei einigen Berufsgruppen und Branchen strengere Maßstäbe an."

So ist der Beamten-Anteil unter den bewilligten Krediten nach der Krise um ein Fünftel gestiegen, während der Anteil von Arbeitern und Selbstständigen sank. Ebenso verringerte sich der Anteil von Kreditnehmern in Branchen wie Handel, Verkehr und Gastgewerbe, die besonders stark von der Corona-Krise betroffen sind. Das größte Plus verzeichneten die Bereiche Erziehung sowie die IT- und Kommunikationsbranche – beides Wirtschaftsbereiche, die von der Krise weniger stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.

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