Sackgasse

Verbraucherverband: Liberalisierung des Strommarkts ist gescheitert

Bei Strom habe sich kein echter Wettbewerb entwickeln können, bei Gas gebe es für Privathaushalte noch immer keinerlei Möglichkeit, den Versorger zu wechseln. Mit diesem Fazit bilanzierte der Verbraucherzentrale Bundesverband kürzlich fünf Jahre Energieliberalisierung in Deutschland. Das neue EnWG müsse deshalb zurückgezogen werden.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Die Liberalisierung des Strommarkts in Deutschland ist gescheitert. Dieses Fazit zog der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) kürzlich in Berlin. Bei Strom habe sich kein echter Wettbewerb entwickeln können, bei Gas gebe es für Privathaushalte noch immer keinerlei Möglichkeit, den Versorger zu wechseln. Der vzbv fordert deshalb eine Entflechtung der Netzbetreiber und der Stromanbieter. Für das Scheitern der Liberalisierung machte er das Fehlen einer unabhängigen Regulierung verantwortlich. "Der deutsche Sonderweg, dass die Wirtschaftsverbände die Wettbewerbsregeln unter sich aushandeln, war ein Weg in die Sackgasse", kritisierte vzbv-Vorstand Prof. Dr. Edda Müller.

Der vzbv kritisierte insbesondere die missbräuchlich überzogenen Nutzungsentgelte, die die Stromnetzbetreiber als Monopolisten ihren Konkurrenten in Rechnung stellen. Dadurch sei es für neue Wettbewerber kaum möglich, Strom zu konkurrenzfähigen Preisen anzubieten. Besonders kritisch ist nach Auffassung des vzbv auch die Situation auf dem Gasmarkt. Obwohl über 43 Prozent der privaten Haushalte für Wärme auf Erdgas angewiesen sind, gebe es hier noch immer keinerlei Wettbewerb für Privatkunden. Mit der Fusion von E.ON und Ruhrgas würden die Chancen auf einen echten Wettbewerb weiter sinken, so der vzbv.

Der vzbv fordert nun die Entflechtung der Energieanbieter von den Netzbetreibern. "Unser Ziel ist die volle Unabhängigkeit der Netzbetreiber von den Stromanbietern", erklärte vzbv-Vorstand Edda Müller. "Es ist blauäugig zu glauben, dass die Netzbetreiber anderen Stromanbietern jemals faire Konditionen für die Stromdurchleitung einräumen, solange sie über diese Netze den eigenen Strom verkaufen wollen." Falls die volle Unabhängigkeit der Netzbetreiber nicht zu erreichen ist, sei eine strenge Regulierung durch eine unabhängige Regulierungsbehörde dringend notwendig. Gleichzeitig forderte der vzbv Bundeswirtschaftsminister Clement auf, das geplante Energiewirtschaftsgesetz zurückzuziehen. "Mit dem Energiewirtschaftsgesetz würde der bisherige Zustand eines Nicht-Wettbewerbs zementiert", beschreibt Edda Müller die aktuelle Situation.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Strompreis

    Netzentgelte sinken im Schnitt um vier Prozent

    Die Netzentgelte sollen den Tarifexperten von Verivox zufolge im kommenden Jahr im bundesweiten Schnitt sinken. Das gilt leider nicht für alle Bundesländer. Und vor allem bedeutet das nicht, dass die Stromanbieter die Preissenkungen weitergeben.

  • Strompreis

    Studenten zahlen je nach Uni-Stadt unterschiedlich viel für Strom

    Studenten sparen in Wohngemeinschaften nicht nur bei der Miete. Einer Analyse zufolge sind auch beim Strom erhebliche Einsparungen möglich. Wie viel Geld genau eingespart werden kann, hängt unter anderem aber vom jeweiligen Wohnort ab.

  • Stromtarife

    Reaktionen auf Kartellamtsentscheidung gegen TEAG: Yello senkt Preise und TEAG legt Beschwerde ein

    Das Bundeskartellamt hat heute den Thüringer Energieversorger TEAG angewiesen, die Netznutzungsentgelte sofort um 10 Prozent zu reduzieren. Damit ist wieder etwas Schwung in den deutschen Strommarkt gekommen. Während Yello und bne den "Vorstoß mit Signalwirkung" begrüßen, legt die TEAG beim OLG Düsseldorf Beschwerde ein.

  • Stromtarife

    Teufel: Verbraucher können Strompreise beeinflussen

    Der baden-württembergische Ministerpräsident Erwin Teufel hat heute in Stuttgart den Verbrauchern Mut gemacht, die Vorteile des Wettbewerbs auf dem Strommarkt besser zu nutzen. "Der Wettbewerb funktioniert nur, wenn sich alle Beteiligten bewegen." Nur wenn die Verbraucher ihre Spielräume nutzen, könnten sie die Preisgestaltung beeinflussen.

  • Stromtarife

    Bewag zahlt stabilie Dividende

    "Die Bewag steht auf einer sehr soliden wirtschaftlichen Basis." Mit diesem Worten charakterisierte Bewag-Vorstandssprecher Cramer bei der Vorstellung der Jahresbilanz sein Unternehmen. Vor allem das Stromgeschäft hätte sich solide entwickelt, die Stromerlöse sind auf 2,5 Milliarden Euro deutlich angestiegen.

Top