Stopp!

VEA warnt vor totalem Stillstand auf den Energiemärkten

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer hat auf seiner Mitgliederversammlung eine niederschmetternde Bilanz vom Wettbewerb auf den deutschen Energiemärkten gezogen. Die großen Konzerne kontrollierten die Märkte, neuen Anbietern würde der Markteintritt bewusst schwer gemacht, lautete das Fazit.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA) hat auf seiner Mitgliederversammlung kürzlich in Dortmund vor dem gänzlichen Bankrott der Marktöffnung bei Strom und Gas gewarnt. Im Zentrum der Kritik des Verbandes: Die Pläne der Bundesregierung zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG).

Die Novellierung des EnWG sieht vor, den Verbändevereinbarungen (VV) Gesetzesrang zukommen zu lassen. "Wenn der Bundestag die bisherige Vorlage akzeptiert und die für den Wettbewerb weitgehend nutzlosen Ergebnisse der Verbändevereinbarung (VV) in das neue Energiewirtschaftsgesetz fließen, wird der Stillstand auf den Energiemärkten zementiert. Die Bundesregierung muss die Chance nutzen und das im September gescheiterte Gesetzesvorhaben von Grund auf revidieren", forderte Harald Wildhagen, Vorstandsvorsitzender des VEA. Die VV seien das Ergebnis von Verhandlungen zwischen Energiewirtschaft und Industrieverbänden. "Sie haben auf ganzer Linie versagt. Unter dem Deckmantel der freien Marktentfaltung haben die Beteiligten gekungelt, bis ihre Partikularinteressen durchgesetzt waren. Die mittleren und kleinen Kunden sowie die neuen Anbieter profitieren von den VV überhaupt nicht. Das Ergebnis erleben wir tagtäglich: Kein Wettbewerb auf den Energiemärkten und steigende Preise", wurde Wildhagen deutlich.

Nach vier Jahren Marktöffnung auf den Energiemärkten sei die Lage verheerend. Nach anfänglichen Senkungen würden die Preise auf dem Strommarkt jetzt wieder steigen. Die großen Konzerne kontrollierten die Märkte, neuen Anbietern würde der Markteintritt bewusst schwer gemacht, bilanzierte der VEA auf seiner Mitgliederversammlung. "Einige Anbieter halten vor allem durch erhöhte Netznutzungsentgelte Wettbewerber vom Markt fern. Die Durchleitungspreise in Deutschland sind die höchsten in der EU. Hier werden erhebliche Monopolgewinne realisiert", erläuterte Wildhagen. Noch erdrückender sei die Lage auf dem Gasmarkt: "Es herrscht absolut kein Wettbewerb. Ein Fazit zu ziehen lohnt sich noch gar nicht. Es gab keinen Zentimeter Bewegung in punkto Wettbewerb. Die Zeit des Stillstands nutzten die Gasversorger aber, um ihre Oligopole auszubauen."

Der unbefriedigende Zustand würde in Zahlen belegt: Nur vier Prozent aller Haushalte und etwa sechs Prozent der Gewerbekunden hätten bisher ihren Stromanbieter gewechselt. Lediglich bei den Großkunden liege die Quote mit 15 bis 20 Prozent höher. "Im Vergleich zu Ländern mit konsequenter Marktöffnung sind diese Werte blamabel. Großbritannien und die skandinavischen Länder zeigen uns, wie man es richtig macht. In Berlin stellt man sich auf stur. Nur die EU-Kommission könnte mit der geplanten Änderung der Richtlinien für Strom und Gas den deutschen Wettbewerb aus der Sackgasse führen und den Weg frei machen für eine Regulierungsinstanz", resümierte Wildhagen abschließend.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Stromkosten

    EU: Firmen hätten nicht von Netzentgelten befreit werden dürfen

    Große Stromverbraucher wurden 2012 und 2013 in Deutschland noch von den Netzentgelten befreit. Zu Unrecht – entschieden die EU-Wettbewerbshüter jetzt und fordert Deutschland auf, das Geld von den betroffenen Unternehmen zurückzuholen.

  • Energiewende

    EU billigt Notfall-Kraftwerke im Zuge der Energiewende

    Falls es im Zuge der Energiewende zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen sollte, will die Bundesregierung Kraftwerke in Reserve halten. Die Betreiber der Anlagen sollen dafür bezahlt werden. Das prüfte die EU-Kommission genauer, denn dadurch kommen Mehrkosten auf Stromverbraucher zu.

  • Hochspannungsmasten

    VEA: Liberalisierung der Energiemärkte nur mit Entflechtung der Netze

    "Deutschland ist nicht Motor der EU, sondern Bremse. Das ist ein Unding." Mit diesen Worten forderte der Bundesverband der Energie-Abnehmer von der Bundesregierung eine gesetzliche Regelung für die Liberalisierung der Energiemärkte. Die konstante Verweigerungshaltung stimme den Verband bedenklich.

  • Hochspannungsmasten

    Verbraucher Inititiative: Enttäuschend auf ganzer Linie

    "In Brüssel haben sich die Bremser und Besitzstandwahrer durchgesetzt." Mit diesen Worten kommentierte die Verbraucher Initiative die Entscheidung des EU-Energierates gestern in Brüssel. Der Verband monierte insbesondere, dass die Interessen der Verbraucher weitgehend unberücksichtigt blieben.

  • Stromnetz Ausbau

    Clement über zukunftsfähige und nachhaltige Energiewirtschaft als Standortfaktor

    Nachfolgend veröffentlichen wir die Rede von Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, auf einer Veranstaltung der DIHK-IHK Köln am 18. November 2002 in der Originalversion.

Top