Ohne Regulator

VDN fordert: Zugang zu EU-Stromnetzen harmonisieren

Der Verband der Netzbetreiber (VDN) zeigte sich auf einer ersten Pressekonferenz zuversichtlich, dass der europäische Energiemarkt auch ohne Regulierer funktionieren würde. Generell gehört Deutschland bei den Transportgebühren zu den kostengünstigsten Anbietern.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

"Bei den Transportgebühren für die überregionalen Stromnetze gehört Deutschland im europäischen Vergleich zu den kostengünstigsten Anbietern." Dies hat der neue Verband der Netzbetreiber (VDN) beim VDEW auf seiner ersten Pressekonferenz kürzlich in Berlin mitgeteilt. Etwa vier Euro koste in Deutschland der Transport von 1000 Kilowattstunden Strom. "Dieser Preis ist nur rund halb so hoch wie in England oder Spanien", betont VDN-Präsident Dr. Jürgen Kroneberg. Die Zahlen stammen aus einer neuen EU-Studie.

Die Stromnetze, so Kroneberg weiter, spielen für den Wettbewerb im Strommarkt eine Schlüsselrolle. "In Deutschland stehen jedem Marktteilnehmer die Stromnetze zu gleichen Konditionen zur Verfügung", betont er. Dabei werde kein Unterschied zwischen den Kunden des eigenen Konzerns und denen von Wettbewerbern gemacht. "Dieser Wettbewerb funktioniert: Täglich gibt es in Deutschland etwa 1,3 Millionen Durchleitungen, d.h. Stromtransporte, von Händlern, die keine eigenen Netze besitzen." Als wichtigste Aufgabe des VDN sieht Kroneberg deshalb die Harmonisierung des Netzbetriebs auf europäischer Ebene. "Gut die Hälfte der 200 Millionen Stromkunden in der EU kann ihren Stromlieferanten immer noch nicht frei wählen", kritisierte er. Während der Zugang zu den deutschen Stromnetzen für alle Marktteilnehmer offen sei, bliebe deutschen Anbietern der umgekehrte Weg noch vielfach versperrt. Allerdings betonte er auch: "Einen europäischen Super-Regulator brauchen wir nicht, um Chancengleichheit im EU-Strommarkt herzustellen." Eine eigene Vereinbarung könne flexibel und schnell an neue Markterfordernisse angepasst werden: "Derzeit wird die Weiterentwicklung der Vereinbarung mit allen Marktteilnehmern sowie Verbraucherschutz-Organisationen verhandelt." Ende 2001 werde das verbesserte Regelwerk unterschriftsreif sein.

"In Deutschland gibt es gegenwärtig noch eine erhebliche Spreizung bei den Entgelten für die Nutzung der Stromnetze," berichtete Kroneberg außerdem. Bei den einzelnen Netzbetreibern gebe es Strukturunterschiede, die sich in den Preisen niederschlagen müssten. So habe ein Stadtwerk andere Kundenstrukturen, als ein Versorger in der Region. Deshalb gebe es keinen Einheitspreis für die Netznutzung in Deutschland. Dennoch stünden die Betreiber der Stromnetze ohne Wenn und Aber hinter der Verbändevereinbarung für die Nutzung der Stromnetze. "Der Wechsel eines Netzkunden ist ein normaler Teil unseres Geschäfts." Ob es "schwarze Schafe" gebe, die den Wettbewerb behindern, wolle der VDN klären. "Wir werden sie identifizieren und in den Griff bekommen", versprach Kroneberg.

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