Umstrukturierung

Vattenfall will offenbar Kohlekraftwerke verkaufen

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall plant nach Angaben des "Handelsblattes" erneut eine große Umstrukturierung. Dabei schließt der Konzern einen Verkauf der deutschen Kohlekraftwerke nicht aus. Das schrieb die Zeitung am Montag unter Berufung auf Unternehmenskreise in Stockholm.

21.09.2010, 08:26 Uhr
Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Düsseldorf/Berlin (dapd/red) - Danach wird die Hinwendung zu erneuerbarer und klimaneutraler Stromherstellung auch für die deutsche Tochter in Berlin gravierende Folgen haben. So solle der Staatskonzern seinen Kohleanteil verringern. Vattenfall betreibt in Brandenburg große Braunkohle-Kraftwerke (Jänschwalde) und baut gerade in Hamburg-Moorburg ein großes Steinkohle-Kraftwerk.

Hintergrund sei eine neue Eigner-Direktive des schwedischen Staats an Vattenfall, schreibt das "Handelsblatt" weiter. Ein vollständiger Rückzug aus Deutschland oder bei den beiden stillstehenden Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel an der Elbe sei aber nicht geplant. Laut Zeitung will der neue norwegische Vattenfall-Chef Öystein Löseth die Länder-Organisation zerschlagen und den Konzern in fünf neue Teile zusammenfügen: Produktion, Forschung und Entwicklung, Vertrieb, Beschaffung von Brennstoffen sowie erneuerbare Energien. Diese Teile sollten stärkere Vorgaben aus der Zentrale in Stockholm erhalten. Vattenfall ist auch in Polen engagiert.

Gleichzeitig forderten Bundestagsabgeordnete aus drei Fraktionen, zwei Bürgermeister aus der Lausitzer Kohleregion und der Umweltverband Grüne Liga in einem Schreiben an alle schwedischen Reichstagsfraktionen, die Braunkohle-Förderung von Vattenfall geordnet auslaufen zu lassen. Die Unterzeichner bitten den schwedischen Staat, als Eigentümer "eine Wende hin zur Reduzierung atomarer und fossiler Energiegewinnung" zu erwirken. Nicht die Privatisierung der Kohlesparte, sondern das Ende der Braunkohle-Förderung sei hierfür der richtige Weg.

Das Schreiben wurde unterzeichnet von den Bundestagsabgeordneten Wolfgang Neskovic (Linke), Cornelia Behm (Grüne) und Hermann Scheer (SPD), den Bürgermeistern von Schenkendöbern und Wiesengrund, Peter Jeschke (CDU) und Egbert S. Piosik (parteilos), sowie dem Vorsitzenden der Grünen Liga, Klaus Schlüter. Vattenfall sei bei der Privatisierung der Lausitzer Kohlewirtschaft ein Vorkaufsrecht auf nicht aufgeschlossene Kohlefelder eingeräumt worden, das mehr als 50 weitere Ortschaften bedrohe. Die Bewohner müssten dauerhaft vor weiteren Umsiedlungen geschützt werden.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Tagebau

    Kohlekommission entscheidet fast einstimmig

    21 Stunden haben die Mitglieder der Kohlekommission diskutiert und letztendlich tatsächlich fast einstimmig entschieden. Demnach soll Ende 2038 der Ausstieg aus der Kohleverstromung geschafft sein. Welche Punkte gehören sonst zum Ausstiegsplan?

  • Rechtsschutz

    Kabinett: Konzerne werden für Atomausstieg entschädigt

    Für den beschleunigten Atomausstieg erhalten die Betreiber von Atomkraftwerken eine Entschädigung. Das Bundeskabinett segnete den Entwurf zur Änderung des Atomgesetzes ab. Die genaue Summe wird aber erst 2023 ermittelt.

  • Strom sparen

    CSU-Umweltexperte will Laufzeitverlängerung unter Vorbehalt stellen

    In der jüngsten Sitzung der Unions-Bundestagsfraktion sollen sich Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und CSU-Umweltexperte Josef Göppel vom Atomkompromiss der Bundesregierung distanziert haben. Nach der Sitzung sollen die beiden Politiker viel Zustimmung erhalten haben, hieß es.

  • Stromnetz Ausbau

    Grüne stellen nach Atom-Deal Schwarz-Grün in Frage

    Die Grünen haben der schwarz-gelben Bundesregierung angesichts der jüngsten Atom-Entscheidung den Kampf angesagt. Bei ihrer Herbstklausur am Mittwoch in Mainz verurteilte die Grünen-Fraktion die geplanten Laufzeitverlängerungen für deutsche Atomkraftwerke und kündigte heftigen Widerstand an.

  • Stromtarife

    Forscher zweifeln an Erfolg von CO2-Abscheidung

    Das Auffangen und unterirdische Speichern von Kohlendioxid aus Kraftwerken wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) keinen Beitrag zum Klimaschutz leisten können. Die sogenannte CCS-Technologie habe sich "als sehr unsicher und gleichzeitig sehr teuer erwiesen".

Top