Vorbericht

Vattenfall nimmt Pilotanlage für CO2-freies Kraftwerk in Betrieb

Auf dem Gelände des früheren DDR-Kombinats "Schwarze Pumpe" beim brandenburgischen Spremberg nimmt der Energiekonzern Vattenfall am Dienstag eine Pilotanlage für ein nahezu CO2-freies Kohlekraftwerk in Betrieb. Umweltschützer sprechen von einem "Feigenblatt".

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (AFP/sm) - Ziel ist die klimafreundliche Erzeugung von Strom aus Braunkohle: Der größte Teil des klimaschädlichen Treibhausgases wird aus dem Abgas herausgefiltert, unter hohem Druck verflüssigt und in Hohlräume unter die Erde gepresst. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) wirft Vattenfall vor, mit der Pilotanlage neue, klimaschädliche Kraftwerke durchsetzen zu wollen. Die Pilotanlage sei nur ein "Feigenblatt". Vattenfall erzeugt einen großen Teil seines Stroms mit Hilfe der besonders klimaschädlichen Braunkohle.

Zur feierlichen Einweihung der 40 Millionen Euro teuren Anlage kommen Kanzleramtsminister Thomas de Maizière und der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck. Auch Vattenfall-Chef Lars Göran Josefsson und Deutschlandchef Tuomo Hatakka werden dabei sein. Die Versuchsphase war im April 2007 im brandenburgischen Jänschwalde gestartet und von Wissenschaftlern der Brandenburgischen Technischen Universität betrieben worden. Die Pilotanlage in Spremberg soll die Technik nun zur Marktreife bringen.

Der BUND kritisiert, es sei völlig unklar, ob die Abscheidungstechnologie überhaupt in großem Maßstab funktioniere. Die damit ausgerüsteten Kraftwerke würden einen um bis zu zehn Prozent geringeren Wirkungsgrad aufweisen als konventionelle Kraftwerke und brauchten deshalb mehr Kohle. Offen sei zudem, ob es ausreichend sichere Lagerstätten für das CO2 gebe. Das testet Vattenfall zusammen mit dem französischen Energiekonzern GDF Suez in einem weitgehend ausgeförderten Erdgasfeld in der Altmark in Sachsen-Anhalt, wohin das flüssige CO2 per Lastwagen transportiert wird.

Vattenfall wolle noch "Jahrzehnte an der klimaschädlichen Braunkohleverstromung festhalten", wirft der BUND dem Konzern vor und verweist auf die beiden geplanten konventionellen Kraftwerke in Hamburg-Moorburg und Berlin mit hohem CO2 Ausstoß. Stattdessen solle das Unternehmen verstärkt auf erneuerbare Energien und die Kraft-Wärme-Kopplung setzen, fordern die Umweltschützer. Sie haben bereits zu einer Demonstration gegen Vattenfall am Freitag beim Kraftwerk Jänschwalde aufgerufen. Das Kraftwerk gehört laut BUND zu den fünf schmutzigsten Kraftwerken Europas.

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