BGH-Urteil

Urteil zur Rückabwicklung von Lebensversicherungen

Wer zwischen 1195 und 2007 eine Renten- oder Lebensversicherung abgeschlossen hat und nicht ordnungsgemäß über das Widerspruchsrecht aufgeklärt wurde, kann den Vertrag möglicherweise rückabwickeln. Auch aus bereits gekündigten Verträgen kann man noch Geld bekommen.

Lebensversicherung© Marco2811 / Fotolia.com

Hamburg (red) - Verbraucher, die bei Abschluss ihrer Renten- oder Lebensversicherung in den Jahren 1995 bis 2007 nicht ordnungsgemäß über ihr Widerspruchsrecht belehrt wurden, können ihre Verträge möglicherweise auch heute noch rückabwickeln und davon finanziell profitieren.

Nun hat der Bundesgerichtshof eine weitere verbraucherfreundliche Entscheidung getroffen (BGH, Urteil vom 8. April 2015, Az.: IV ZR 103/15). Demnach verjähren Rückabwicklungsansprüche erst drei Jahre, nachdem der Widerspruch erklärt worden ist. Das gilt auch für bereits gekündigte Verträge.

Verbraucherzentrale: Viele Kunden bekamen zu wenig Geld

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat in den vergangenen Jahren viele Verbraucher beraten, die bei Kündigung ihrer Versicherungsverträge keinen oder einen geringeren Rückkaufswert erstattet bekommen haben, als ihnen nach einschlägiger Rechtsprechung zugestanden hätte. "Die Versicherungsgesellschaften haben sich aber häufig darauf berufen, dass die Ansprüche schon verjährt seien und nichts gezahlt", sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Jetzt können Verbraucher auf eine kräftige Nachzahlung hoffen."

Überprüfung von Verträgen ratsam

Versicherungskunden sollten ihre Verträge bei der Verbraucherzentrale überprüfen lassen, rät diese. Für viele Verbraucher bestünde die Möglichkeit, dass ihnen die eingezahlten Beiträge abzüglich des Wertes des Versicherungsschutzes zuzüglich einer attraktiven Verzinsung rückerstattet werden. Auch bei noch laufenden oder regulär abgelaufenen Verträgen kann eine Rückabwicklung eine geldwerte Alternative sein.

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