Preisunterschied

Test: E-Auto tanken kostet bis zu 66,9 Cent pro Kilowattstunde

Welche Ladesäule man für das Aufladen seines Elektroautos wählt, ist sehr entscheidend dafür, was letztendlich die Fahrt mit dem grünen Mobil kostet. Je nachdem, wer die Ladesäule betreibt, kostet die Kilowattstunde einer Untersuchung zufolge zwischen 0 und 66,9 Cent.

11.07.2017, 12:27 Uhr (Quelle: DPA)
E-Auto LadesteckerLaut einer aktuellen Untersuchung sind nicht nur die Preise an den Ladesäulen sehr unterschiedlich. Oft ist auch der Zugang erschwert.© Picture-Factory / fotolia.com

Hamburg - Für Fahrer von Elektroautos ist das Stromtanken an öffentlichen Ladesäulen kompliziert und häufig teuer. In der Spitze zahlen sie für eine Reichweite von 100 Kilometern inklusive einmaliger Gebühr bis zu 25 Euro, berichtet die Lichtblick SE. Die komplexen Tarifstrukturen seien für Verbraucher kaum zu durchschauen. Bei acht der elf untersuchten Ladesäulen-Betreiber sei zudem kein spontanes Laden ohne vorherige Anmeldung möglich.

Das sind die zentralen Ergebnisse einer Untersuchung, die im Auftrag des Energieversorgungsunternehmens vom Marktforschungsunternehmen statista durchgeführt wurde und rund 80 Prozent aller öffentlichen Ladesäulen betrachtet.

Strom für E-Autos ist teurer als Haushaltsstrom

Die meisten Ladesäulenbetreiber rechnen demnach nicht nach Verbrauch, sondern nach Ladezeit ab. Umgerechnet auf den Preis pro Kilowattstunde ergäben sich oft deutlich höhere Preise als für Haushaltsstrom. So koste die Kilowattstunde Ladestrom beim größten deutschen Ladesäulenbetreiber innogy, der vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet Stromtankstellen betreibt, 66,9 Cent. Bei der EWE, deren Ladesäulen im Elbe-Weser-Ems-Gebiet stehen, kostet die Kilowattstunde laut Untersuchung 52,7 Cent, bei den Stadtwerken München 47,3 Cent und bei Allego/The New Motion in Berlin 32,2 Cent.

Diese Tarife sind damit deutlich teurer als Haushaltsstrom mit durchschnittlich 29 Cent je Kilowattstunde.

Registrierungsgebühr und andere Hindernisse

Besonders kostspielig sei das Laden an den Säulen von EnBW im Raum Stuttgart, denn neben einem Kilowattstundenpreis von 32,4 Cent fällt hier eine einmalige Registrierungsgebühr von 20 Euro an. Vergleichbar mit dem Haushaltsstrompreis sei dagegen der Tarif von Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29,5 Cent/kWh), günstiger sei der Tankstrom bei Mainova (18,8 Cent/kWh) oder bei Drewag-Stadtwerke Dresden (13,5 Cent/kWh).

Kostenlos tankten Elektroautofahrer Strom bislang bei den Stadtwerken Leipzig, den Stadtwerken Düsseldorf und der RheinEnergie. Ein weiteres Hindernis für Elektroautos sei der Zugang zu den Ladesäulen. Ein spontanes Stromtanken ist laut Ladesäulen-Check nur bei drei von elf Ladesäulenbetreibern möglich (innogy, EWE, Mainova).

Versteckte Kosten beim Laden per SMS

Ein Praxistest von LichtBlick in Hamburg habe zudem ergeben, dass beim Laden an öffentlichen Säulen auch noch versteckte Kosten anfallen könnten. Wählt der E-Autofahrer an einer Säule von Stromnetz Hamburg das Zahlen per SMS, so zahle er hierfür zusätzlich einen Starttarif von 1,73 Euro sowie einen festen Aufschlag von 12,5 Prozent auf den Gesamtbetrag als Servicegebühr.

Berechnungsgrundlage der Untersuchung waren jeweils die Kosten pro Kilowattstunde für eine Tankfüllung für 100 Kilometer mit einem Nissan Leaf (ca. 16 kWh) an einem AC-1-Anschluss mit einer Leistung von 7,4 Kilowatt. Es wurden ausschließlich Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.

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