Exklusivinterview

Teledump-Chef: "Abmahnungen ersticken jede Innovation im Keim"

Christian Wolff, der Chef der 01051 Telecom, stand dem call-magazin in einem Exklusivinterview Rede und Antwort zum Thema Teledump.

Festnetz© zentilia / Fotolia.com
Christian Wolff, der Geschäftsführer der Düsseldorfer 01051 Telecom, äußert sich exklusiv im call-magazin zum Thema Teledump. Die TK-Gesellschaft ist vor wenigen Monaten mit ihrer Billigmarke angetreten, den TK-Markt für Ortsgespräche umzukrempeln. Viele Auseinandersetzungen und Abmahnungen von der Telekom und Mobilcom haben dafür gesorgt, dass Teledump und billige Ortsgespräche auf der Tagesordnung bleiben und die Diskussion um eine entgültige Liberalisierung des TK-Markts fortgeführt wird.

call-magazin: Die Einführung kostengünstiger Ortsgespräche im offenen Call-by-Call durch Ihre Billigmarke Teledump hat in den letzten Wochen für reichlich Furore gesorgt. Hatten Sie mit einem solchen Aufsehen gerechnet?

Christian Wolff: Wir freuen uns darüber, dass unser bis dahin einmaliges Angebot in Deutschland für eine Wiederaufnahme der Diskussionen über das Ortsnetzmonopol der Deutschen Telekom AG gesorgt hat. Unserer Ansicht nach führt nur eine breite öffentliche Diskussion zu einer schnellen Einigung, die für alle Beteiligten, Anbieter wie Endverbraucher, von Vorteil sein wird.

call-magazin: Hatten Sie bereits in der Planungsphase von Teledump Abmahnungen durch andere TK-Unternehmen oder einstweilige Verfügungen befürchtet?

Christian Wolff: Wenn Sie die Entwicklungen der letzten Zeit betrachten, wird der wirtschaftliche Wettbewerb anscheinend nur noch auf gerichtlicher Ebene geführt. Diese Flut von Abmahnungen und einstweiligen Verfügungen lassen jede Innovation im Keim ersticken. Anstelle eigener kreativer Lösungsansätze setzen Unternehmen vermehrt auf die Verhinderung wettbewerbsfördernder Neuerungen vor Gericht. Diese Vorgehensweise bringt uns nicht weiter, sondern behindert den weiteren Fortschritt in Deutschland.

call-magazin: Wie wird Ihr Unternehmen weiter vorgehen, wenn das Urteil des entscheidenden Landgerichts Köln zu Ihren Ungunsten ausfällt?

Christian Wolff: Die Zielsetzung unseres Angebots ist unter anderem, auch die Thematik "Ortsnetzgespräche" für den Verbraucher transparenter zu machen und zu zeigen, dass Verbindungsnetzbetreiber bereits heute technisch in der Lage sind, Ortsgespräche in einem für den Endkunden wirtschaftlich interessanten Rahmen anzubieten. Dieses Ziel haben wir auch erreicht, wenn sich das Gericht gegen eine weitere Nutzung der 031-Gasse entscheidet. Durch die breite öffentliche Diskussion, zu der unser Teledump-Angebot geführt hat, sehen wir auch die Chance, dass der anstehende Beschluss auf EU-Ebene zu einer weiteren Liberalisierung des deutschen Telekommunikationsmarkts führt - sodass unter Umständen eine "kreative Lösung", wie wir sie momentan anbieten, nicht mehr notwendig ist. Im günstigsten Fall können dann Call-by-Call-Ortsgespräche auch über den normalen Carriercode abgewickelt werden.

call-magazin: Welche weiteren Überraschungen wird 01051 in der Zukunft noch für uns bereithalten?

Christian Wolff: (lacht) Sie sagen ja selbst "Überraschungen". Es wäre doch schade, wenn wir diese bereits heute bekannt geben würden. Unsere Zielsetzung liegt auch weiterhin darin, Telefongespräche so günstig wie möglich anzubieten. Sicherlich werden wir unser Angebot jenseits der Festnetztelefonie ausbauen, so dass auch billige Call-by-Call-Gespräche über das Mobilfunknetz möglich sind. Aber dazu möchte ich momentan noch keine weiteren Details bekannt geben.

call-magazin: Wie bewerten Sie die Entscheidung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, dass die Deutsche Telekom den anderen Internet-Service-Providern eine so genannte Großhandelsflatrate anbieten muss? Und kann dieser Beschluss auch als ein positives Zeichen für die entgültige Liberalisierung des TK-Markts gewertet werden?

Christian Wolff: Wir begrüßen den Entschluss der Regulierungsbehörde und wünschen uns auch in anderen Bereichen ähnlich konsequente Entscheidungen. Die Entscheidung der Regulierungsbehörde am Beispiel der Großhandelsflatrate ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Ein Schritt hin zu mehr wirtschaftlichem Wettbewerb und weg von der Monopolstellung eines einzelnen Unternehmens.

call-magazin: Plant Ihr Unternehmen irgendwann auch als Mobilfunk- oder Internetprovider aufzutreten?

Christian Wolff: 01051 ist ein junges, innovatives Telekommunikationsunternehmen. Der Begriff Telekommunikation umfasst für uns nicht nur den Bereich Festnetztelefonie. Sicherlich werden wir auch eines Tages andere Bereiche jenseits des offenen Call-by-Calls erschließen. Konkrete Pläne oder Ziele stehen allerdings zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.

Die Fragen stellte Lutz Steinmüller.

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