Haushalt

Studie: Müllgebühren unterscheiden sich um bis zu 600 Euro im Jahr

An Müllgebühren zahlen einige in Deutschland bis zu 600 Euro mehr im Jahr als andere. Das zeigt eine Untersuchung des Forschungsunternehmens IW Consult. Ob der Preisunterschied nachvollziehbar ist, bietet Stoff für Diskussionen.

Müllgebühren© eyetronic / Fotolia.com

Berlin - In Flensburg ist die Müllabfuhr am billigsten, in Leverkusen am teuersten - das geht aus einem Bundesvergleich der 100 größten Städte durch das Forschungsunternehmen IW Consult hervor. "Zwischen der günstigsten und der teuersten Stadt liegen 600 Euro im Jahr", kritisierte Kai Warnecke, der Präsident des Eigentümerverbands Haus und Grund, der die Studie in Auftrag gegeben hatte, am Mittwoch in Berlin. Müll mache bis zu zehn Prozent der Nebenkosten aus, es gebe großes Einsparpotenzial. Besonders niedrig seien die Müllgebühren demnach auch in Chemnitz, Nürnberg und Magdeburg. Bergisch Gladbach, Karlsruhe und Moers sind dagegen relativ teuer.

"Es ist nicht nachvollziehbar, dass für ein und dieselbe Dienstleistung extrem unterschiedliche Gebühren verlangt werden", kritisierte der Deutsche Mieterbund. Geschäftsführer Ropertz sieht in vielen untersuchten Städten Klärungsbedarf und verlangte mehr Transparenz bei Kosten und Gebühren.

Verband: Rechnung ergibt sich aus mehreren Bestandteilen

Der Verband kommunaler Unternehmen dagegen bewertete die Untersuchung skeptisch. "Denn was auf den ersten Blick wie eine leicht vergleichbare Dienstleistung wirkt, ist bei näherer Betrachtung eine komplexe Kombination verschiedener Bestandteile." Wie dicht die Gemeinde besiedelt sei spiele ebenso eine Rolle wie Behältergrößen und Leerungsintervalle. Wichtig sei auch, ob neue Anlagen etwa zur Müllverbrennung noch abgeschrieben werden müssen und welche Rückstellungen für Deponien gebildet werden müssen.

Untersuchung beruht zum Teil auf Schätzungen

Haus und Grund ließ die Entsorgungskosten für Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier vergleichen, die bei einem Einfamilienhaus mit einer vierköpfigen Familie anfallen. Die Daten stammen hauptsächlich aus den Satzungen der Städte. Bei einem Großteil der Kommunen legten die Autoren zum Teil auch Schätzungen zugrunde, um einen Vergleich der unterschiedlichen Tarifgruppen zu ermöglichen.

Müllbranche steht unter Beobachtung durch das Bundeskartellamt

Das Bundeskartellamt hatte Ende 2015 begonnen, den Wettbewerb in der Müllbranche zu überprüfen. Die Behörde sieht Anzeichen dafür, dass der Wettbewerb in der Müllbranche nicht richtig funktioniert. Dem Amt war aufgefallen, dass immer weniger Entsorgungsbetriebe an der Ausschreibung von Aufträgen teilnähmen.

Entsorger: Oftmals sind Monopolunternehmen am Zug

Die privaten Entsorger führen die großen Unterschiede darauf zurück, dass in vielen Städten kommunale Monopolunternehmen dem Müll abholten. "Beispiele wie in Schleswig-Holstein zeigen, dass es in Einzelfällen möglich ist, durch Ausschreibungen die Gebühren um bis zu 40 Prozent zu senken", sagte Peter Kurth, der Präsident Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft.

Quelle: DPA

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