Kunden-Information

Studie: Jährliche Infos zur Lebensversicherung weisen Mängel auf

Wie viel Geld die Lebensversicherung am Ende bringt, ist noch immer nicht für jeden in der jährlichen Information ersichtlich. Eine Studie zeigt, dass alle Versicherer seit Einführung der neuen Vorschriften 2018 an ihren Schreiben gearbeitet haben, gleiche Standards gibt es deshalb aber nicht.

09.03.2020, 11:20 Uhr (Quelle: DPA)
Lebensversicherung© Marco2811 / Fotolia.com

Wie hoch fällt das Zusatzplus im Alter durch die Lebensversicherung aus? Zwar sind die jährlichen Kunden-Informationen einer Auswertung zufolge besser geworden, sie reichen aber nicht immer aus für eine umfassende Bewertung. Alle Lebensversicherer haben demnach ihre Schreiben überarbeitet und die seit Juli 2018 geltenden Vorschriften weitgehend umgesetzt.

Experte: Noch immer keine einheitlichen Standards

Doch "die neuen Vorschriften haben nicht zu einem einheitlichen Standard geführt, weil die Angabe weiterer wichtiger Informationen und deren Darstellung weiter im Ermessen der Versicherer liegen", erläuterte Henning Kühl, Chef-Versicherungsmathematiker von Policen Direkt.

"Genau wie es Versicherer gibt, die die neue Verordnung für eine Qualitätsoffensive genutzt haben, gibt es auch Versicherer, die nur die Informationen mitteilen, zu denen sie nach eigener Auffassung verpflichtet sind", sagte Kühl. Policen Direkt kauft bestehende Verträge von Versicherten und führt sie weiter.

Verbraucherschützer sehen Fortschritte. "Wir merken in der allgemeinen Beratung, dass sich die Angaben deutlich verbessert haben", sagte Kerstin Hußmann-Funk von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Übersichtlichkeit variiere allerdings von Anbieter zu Anbieter.

Welche Angaben müssen Versicherer verpflichtend machen?

Verpflichtend sind Angaben über die Leistung im Todesfall sowie die Summe, die nach unveränderter Fortführung des Vertrages bei dessen Ablauf gezahlt wird. Genannt werden muss auch der Betrag, den Versicherte bei Verzicht auf Zahlung weiterer Beiträge erhalten würden, sowie der aktuelle Rückkaufswert des Vertrages.

Policen Direkt wertete die Schreiben - im Fachjargon Standmitteilung genannt - von 78 Lebensversicherern aus. Das Unternehmen hat rund 12.000 übernommene Policen im Bestand. Untersucht wurden die Standmitteilungen klassischer kapitalbildender Lebensversicherungen. Die jährliche Info ist wichtig, damit Sparer abschätzen können, was sie im Alter rausbekommen.

Insgesamt erfüllten 66 der 78 Assekuranzen den Angaben zufolge die gesetzlichen Mindestanforderungen vollständig. Darüber hinaus setzten 34 Assekuranzen sämtliche Info-Anforderungen der Finanzaufsicht Bafin zu den Bewertungsreserven um. Bewertungsreserven sind eine Komponente der Gesamtverzinsung - neben Garantiezins, Überschussbeteiligung und Schlussüberschuss.

Weniger Transparenz bei älteren Verträgen

Zwar haben der Auswertung zufolge alle Gesellschaften ihre Standmitteilungen überarbeitet. "Gerade aber Kunden mit älteren Verträgen profitieren oft deutlich weniger von der Überarbeitung oder warten in Einzelfällen sogar noch auf die Umsetzung", berichtete Kühl. Vor allem bei älteren Policen verzichteten Gesellschaften darauf, die Garantiezinsen und die bis dato erreichten Überschüsse aufgeschlüsselt mitzuteilen.

Generell verbessert habe sich die Darstellung unter anderem des Rückkaufswertes. Manche Unternehmen punkteten mit zusätzlichen Infos, beispielsweise über die im Vertrag enthaltenden laufenden Kosten. Je jünger die Police sei, desto mehr zusätzliche Informationen gebe es in der Regel.

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