Preisunterschiede

Studie: Gebühren für Müll unterscheiden sich um mehr als 600 Euro

Die Kosten für die Entsorgung von Müll belasten Haushalte einer Studie zufolge in einigen Städten deutlich mehr als in anderen. Demnach ergeben sich in verschiedenen Orten Preisunterschiede von zum Teil mehr als 600 Euro. Die Untersuchung selbst ist umstritten.

EntsorgungDie Kosten für die Entsorgung von Müll sind einer Studie zufolge in Flensburg erheblich günstiger als in Leverkusen.© eyetronic / Fotolia.com

Berlin - Müll kann für Haushalte in Deutschland sehr teuer sein. Nach einer Studie klaffen die Gebühren weit auseinander: Am günstigsten ist es in Flensburg, Nürnberg und Magdeburg. Am teuersten in Leverkusen, Moers und Bergisch Gladbach, also in drei Städten in Nordrhein-Westfalen, wie ein Vergleich des Forschungsunternehmens IW Consult für den Eigentümerverband Haus und Grund ergab. Demnach unterscheiden sich die jährlichen Gebühren zum Teil um mehr als 600 Euro. Die Abfallwirtschaft der Städte sieht solche Vergleiche skeptisch.

Gebühren für Müll vor drei Jahren: Bisher hat sich wenig verändert

Haus und Grund ließ zum zweiten Mal die Entsorgungskosten für Restmüll, Biomüll, Sperrmüll und Altpapier in den 100 größten Städten vergleichen. Schon die erste Untersuchung vor drei Jahren hatte große Unterschiede ergeben. Geändert hat sich daran wenig. Allerdings haben sich manche Städte verbessert, zum Beispiel rutschte die Stadt Bonn von Platz 27 im Jahr 2016 nun auf Rang 8. Je niedriger der Rang, desto höher sind die Müllgebühren. Leverkusen belegt mit Rang 100 den letzten Platz.

Ergebnis: 123 Euro Müllgebühren in Flensburg – 771 Euro in Leverkusen

Grundlage für die Berechnung war ein symbolischer Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern, die in einem Einfamilienhaus leben - eine übliche Vergleichsgröße, die jedoch in Großstädten nicht immer dem durchschnittlichen Haushaltstyp entspricht. Veranschlagt werden 60 Liter Restmüll je Haushalt und Woche. In Flensburg zahlt ein solcher Haushalt demnach im Mittelwert gut 123 Euro pro Jahr für die Müllabfuhr, in Leverkusen dagegen knapp 771 Euro.

Kritik an der Untersuchung – Falsche Zahlen?

Kein realistisches Bild ergeben solche Vergleiche aus Sicht des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Er vertritt auch städtische Abfall- und Stadtreinigungsbetriebe. Zur Rechnung gehörten viele weitere Faktoren, darunter wie weit Müllwagen zu fahren haben, wie groß die Tonne ist und wie oft sie geleert wird, wie Wertstoffhöfe finanziert werden und ob Anlagen schon abgeschrieben sind.

Auch von der Stadt Leverkusen, die am abgeschlagenen Ende der Rangliste wie bereits bei der vergangenen Studie steht, kam deutliche Kritik. Eine Sprecherin der Stadt bezeichnete die in der Analyse angegebenen Zahlen als falsch. "Die heute veröffentlichte Studie kommt zu Zahlen, die nichts mit den Gebühren zu tun haben, die wir von unseren Bürgern verlangen", teilte sie mit.

IW Consult bezieht seine Daten hauptsächlich aus den Satzungen der Städte. Bei einem Großteil der Kommunen legten die Autoren zum Teil auch Schätzungen zugrunde, um einen Vergleich der unterschiedlichen Tarifgruppen zu ermöglichen. Was konkret in die Gebühren der Städte eingepreist ist, ist nicht klar.

Stadt Nürnberg gilt als Vorbild

Aus der Studie zogen der Eigentümerverband und das Institut diesen Schluss: Die Stadt Nürnberg gelte als Vorbild. Einwohner könnten dort die Größe der Restmüllbehälter frei wählen und so an den tatsächlichen Verbrauch anpassen. Das Gebührensystem sei zudem sehr einfach gehalten.

Quelle: DPA

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