Preisanalyse

Strompreise: im Osten günstiger - im Westen teurer

Die Strompreise sind in den letzten zwölf Monaten im Osten gesunken und im Westen gestiegen, zeigt der Verbraucherpreisindex von Verivox. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten zahlen die Deutschen in den neuen Bundesländern demnach den kleineren Preis.

25.05.2020, 12:05 Uhr (Quelle: DPA)
Strompreise© svort/fotolia.com

Erstmals kostet Strom in den neuen Bundesländern weniger als in den alten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse des Vergleichsportals Verivox. Mussten ostdeutsche Verbraucher in den vergangenen Jahrzehnten deutlich tiefer für Strom in die Tasche greifen, haben sie demnach nun einen Preisvorteil - wenn auch nur ein kleinen.

Haushalte im Osten zahlten jahrelang mehr für Strom

Gemäß Verivox-Verbraucherpreisindex zahlt ein Vierpersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 Kilowattstunden in Ostdeutschland aktuell 1.189 Euro. Das seien 1,1 Prozent weniger als der gleiche Haushalt westlich der Elbe (1.202 Euro). Noch 2017 habe das Kostengefälle zwischen Ost und West rund 4 Prozent zu Ungunsten der Verbraucher im Osten betragen.

Dass Strom für Haushalte im Osten lange Zeit teurer gewesen sei, habe in erster Linie an den Netzentgelten gelegen: Der starke Zubau erneuerbarer Energien, eine geringe Bevölkerungsdichte und die Abschreibungen auf Netzinvestitionen hätte die Kosten regional stark steigen lassen.

Angleichung der Netzkosten

2017 seien so im Westen 274 Euro Netzkosten für einen Vierpersonenhaushalt fällig gewesen, im Osten 339 Euro. Seither verlaufe die Entwicklung der Netzkosten entgegengesetzt: In den alten Bundesländern seien sie um rund 5 Prozent auf 287 Euro gestiegen, in den neuen hingegen um 11 Prozent auf 301 Euro gefallen. Die Ost-West-Differenz sei von 24 Prozent auf heute nur noch 5 Prozent gesunken.

"Die politische Entscheidung, die Übertragungsnetzentgelte bundesweit schrittweise anzugleichen und so die Kosten der Energiewende gleichmäßiger zu verteilen, trägt Früchte", erklärt Valerian Vogel, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox.

„Offenbar nutzen die Stromanbieter in den neuen Bundesländern die sinkenden Netzkosten, um den Verbrauchern günstigere Angebote zu machen. Das allgemeine Preisniveau ist allerdings nach wie vor hoch. In Deutschland werden fast die höchsten Strompreise in ganz Europa fällig.“

Strompreise 2020: Entwicklung nach Regionen

Strom sei in den letzten 12 Monaten erneut teurer geworden, deutschlandweit seien die Kosten um 1,4 Prozent gestiegen. Die Preise hätten sich jedoch in Ost und West unterschiedlich entwickelt. Während die Stromkosten im Westen durchschnittlich um 1,7 Prozent anzogen, sind sie im Osten um 0,2 Prozent gesunken.

Der regional höchste Anstieg der Strompreise sei im Saarland zu verzeichnen. Die Kosten seien auf Jahressicht um 3,8 Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich stark habe sich Strom unter anderem in Nordrhein-Westfalen (3 Prozent), Baden-Württemberg (2,9 Prozent), Rheinland-Pfalz (2,7 Prozent) und Bremen (2,6 Prozent) verteuert.

In drei Bundesländern sei Strom in den vergangenen zwölf Monaten günstiger geworden. In Brandenburg (minus 2,7 Prozent), Mecklenburg-Vorpommern (minus 1,8 Prozent) und Bayern (minus 0,7 Prozent) könnten sich Verbraucher über gesunkene Strompreise freuen.

Größter Preisunterschied zwischen Hamburg und Bremen

Das höchste Preisniveau findet sich der Analyse nach in Hamburg. Die jährliche Stromrechnung eines Haushalts beläuft sich hier auf 1.266 Euro. Das seien knapp 11 Prozent mehr als im günstigsten Bundesland Bremen (1.145 Euro). Auch in Schleswig-Holstein (1.257 Euro), Berlin (1.240 Euro), Baden-Württemberg (1.235 Euro), Saarland (1.221 Euro), Rheinland-Pfalz (1.218 Euro), Thüringen (1.215 Euro) und Nordrhein-Westfalen (1.209 Euro) würden überdurchschnittlich hohe Strompreise fällig.

Sparpotenzial ist in Rheinland-Pfalz am größten

Zwischen den Stromanbietern gebe es große Preisunterschiede. Wer aus der Grundversorgung hin zum günstigsten Angebot mit verbraucherfreundlichen Bedingungen wechselt, spare bei einem Verbrauch von 4.000 kWh durchschnittlich 370 Euro ein.

Am höchsten ist die Wechselersparnis mit 414 Euro in Rheinland-Pfalz. Verbraucher in Berlin, Baden-Württemberg und Hessen können ihre Stromrechnung um über 400 Euro reduzieren. Mit 293 Euro am wenigsten sparen die Einwohner Bremens.

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