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Strompreise: Geringverbraucher werden stärker belastet

Die Strompreise sind in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Die Preisbestandteile sind nicht im gleichen Maße teurer geworden. Das führt einer Auswertung zufolge dazu, dass Haushalte mit geringem Verbrauch benachteiligt werden.

StrompreisDie hohen Strompreise belastet Geringverbraucher stärker.© SZ-Designs/ fotolia.com

Heidelberg - Die Strompreise in der Grundversorgung sind in den letzten fünf Jahren in Deutschland gestiegen. Dabei ist bemerkenswert: Haushalte mit einem geringen Stromverbrauch werden deutlich stärker belastet als Haushalte mit höheren Verbräuchen. Das hat eine Analyse der Tarifexperten von Verivox ergeben.

In fünf Jahren stieg der Grundpreis um fast 25 Prozent

Die meisten Stromtarife bestehen aus einem festen monatlichen Grundpreis, der unabhängig vom Verbrauch fällig wird, und einem Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde (kWh). Der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: Der feste Grundpreis ist für alle Verbrauchstufen um etwa 25 Prozent angestiegen. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde ist hingegen nur um rund fünf Prozent gestiegen. In konkreteren Zahlen:

Bei einem Ein-Personen-Haushalt ohne elektrische Warmwasserbereitung (1.500 kWh) beträgt der Arbeitspreis im örtlichen Grundversorgungstarif heute im bundesweiten Durchschnitt 28,20 Cent pro Kilowattstunde. Anfang 2013 lag dieser Preis noch bei 26,98 Cent/kWh (Preisanstieg ca. fünf Prozent).

Der durchschnittliche Grundpreis hingegen ist im gleichen Zeitraum von jährlichen 86,35 Euro auf heute 108,12 Euro gestiegen (Plus von rund 25 Prozent).

Je höher der Stromverbrauch, desto geringer der Preisanstieg

Heute zahlt ein Single-Haushalt damit etwa 531 Euro für Strom – 8,2 Prozent mehr als noch im Januar 2013. Das Skurrile: Der Anstieg der Grundkosten fällt weniger ins Gewicht, je höher der Verbrauch ist: Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 kWh (zum Beispiel ein Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung) stiegen die Gesamtkosten seit Januar 2013 nur um 5,6 Prozent.

Noch deutlicher wird das Phänomen bei einem sehr hohen Stromverbrauch von 10.000 kWh (Familie mit stromintensiven Installationen wie etwa Sauna oder Swimmingpool). Hier stiegen die Stromkosten von 2.868 Euro im Januar 2013 auf heute 2.933 Euro gerade einmal um 2,3 Prozent.

Preistreiber beim Grundpreis

Der Hauptgrund für diese Entwicklung sind die Gebühren der Stromnetzbetreiber, die rund ein Viertel des Strompreises ausmachen. Sie geben den Trend vor, den Grundpreis stärker zu erhöhen als den Arbeitspreis, wie eine weitere Auswertung zeigt.

Die Grundkosten der Netzbetreiber sind in den letzten fünf Jahren um 62 Prozent gestiegen, während die Arbeitspreise nur um drei Prozent gestiegen sind. Entsprechend ist die Preisentwicklung in den verschiedenen Verbrauchsstufen: Die Netzgebühren der Geringabnehmer (1.500 kWh) stiegen seit 2013 um rund 22 Prozent, während die Preise für Großabnehmer (10.000 kWh) nur um sieben Prozent zulegten.

"Als Grund wird angegeben, dass so die Kosten gerechter verteilt werden würden. Eigenheimbesitzer, die selbst Strom produzieren und weniger Kilowattstunden aus dem Netz beziehen, sollen über den Grundpreis mit in die Pflicht genommen werden", sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte bei Verivox. "Doch gleichzeitig werden dadurch Haushalte mit geringen Verbräuchen gegenüber Großverbrauchern benachteiligt."

Wie können sich Verbraucher gegen diese Entwicklung wehren?

Da die Netzbetreiber eine regulierte Monopolstellung haben, können sich private Verbraucher diesen Gebühren nicht entziehen. Sie können sich jedoch für einen Stromtarif entscheiden, der insgesamt günstiger ist. Eine Familie mit einem Stromverbrauch von 4.000 Kilowattstunden, die bisher noch nie gewechselt hat und somit beim Grundversorger unter Vertrag steht, spart mit einem Wechsel in den günstigsten verfügbaren Tarif mit empfehlenswerten Bedingungen durchschnittlich 458 Euro ein. Aktuell wird rund ein Drittel der deutschen Haushalte zu den Bedingungen der Grundversorgung beliefert.

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