Hauptversammlung

Stromnetz steht laut E.ON vor milliardenteurer Modernisierung

Das Stromnetz in Deutschland steht nach Einschätzung des Energiekonzerns E.ON in den nächsten Jahren vor gewaltigen Herausforderungen. Allein bis 2020 seien rund 20 Milliarden Euro an Investitionen für Modernisierungen nötig - der Löwenanteil dafür wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Das sagte der neue E.ON-Vorstandschef Johannes Teyssen auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Essen. "Ohne diese Investitionen bleiben große Teile der energie- und klimapolitischen Programmatik Makulatur", warnte er.

Hauptgrund für die Modernisierung ist laut Teyssen der wachsende Anteil erneuerbarer Energien, der eine stärker dezentral aufgebaute Netzstruktur notwendig mache. Auch E.ON will in diesem Energiezweig kräftig mitmischen. Im Zeitraum 2007 bis 2012 seien dazu acht Milliarden Euro an Investitionen vor allem in Windenergie geplant. Schon jetzt betreibt der Konzern im US-Bundesstaat Texas den nach eigenen Angaben größten Windpark der Welt. Vergangene Woche nahm E.ON den Windpark vor der Nordseeinsel Borkum in Betrieb.

Teyssen steht seit Monatsanfang als Nachfolger von Wulf Bernotat an der Spitze von Deutschlands größtem Energiekonzern. Auf seinem ersten öffentlichen Auftritt auf dem Aktionärstreffen machte er aber zugleich klar, das E.ON auch unter neuer Führung weiter auf einen Erhalt der Kernenergie dringt: "Ich sehe nicht, wie Deutschland kurzfristig auf die Kernenergie verzichten könnte, wenn Stromversorgung und Klimaschutz bezahlbar bleiben sollen."

Kernenergie und erneuerbare Energien sind aus Sicht Teyssens "keine Gegner, sondern zwei tragfähige, einander stützende Brückenpfeiler auf dem Weg in eine bessere Energiezukunft". Der wichtigste Grundsatz einer zukunftstauglichen Energiepolitik sei für ihn die Nutzung aller Optionen: "Wir sollten auf keine Energietechnologie leichtfertig verzichten, solange wir nicht ganz sicher sind, dass wir sie nicht mehr brauchen. Das gilt auch für die Kohle und ebenso für die Kernenergie."

Teyssen will E.ON in erster Linie aus eigener Kraft - dass heißt ohne Zukäufe - weiter nach vorn bringen: "Wir bauen neue Kraftwerke, Gasspeicher und Netze." Vom laufenden Jahr bis 2012 sollen demnach 24 Milliarden Euro in den Kraftwerkspark, den Ausbau der erneuerbaren Energien und die Erweiterung der eigenen Erdgasförderung fließen. Das gegenwärtige Überangebot an Gas sei nicht von Dauer, zeigte sich Teyssen überzeugt.

Vor dem Hintergrund seiner Konzernstrategie verteidigte Teyssen auch den umstrittenen Neubau des Kohlekraftwerks in Datteln. Dessen Fertigstellung steht wegen fehlerhafter Bauplanung derzeit auf der Kippe. Das neue Kraftwerk soll nach Konzernangaben gegenüber Altanlagen 1,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen und dient zur Hälfte der Stromversorgung der Bahn. "Wer hier ein Symbol für den Kampf gegen die Kohleverstromung setzen will, hat das Projekt nicht verstanden", kritisierte Teyssen.

Aktionärsvertreter aus der Region nahmen den Konzern dagegen wegen seiner Kohlekraftwerks-Strategie heftig in die Kritik und forderten einen Ausbaustopp.

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