Zukunftsmusik

Strom mit Prepaid-Karte aufladen

Die große Koalition will zum Schutz vor Energiearmut ein anderes Zahlungssystem einführen. Mit Prepaid-Karten soll die Stromrechnung künftig im Voraus gezahlt werden. Dadurch sollen weniger Schulden aufgebaut werden und die Abschaltung des Stroms, besonders bei Menschen mit geringem Einkommen, soll verhindert werden.

Geld© Gina Sanders / Fotolia.com

Saarbrücken (AFP/dpa/red) - Mit Prepaid-Karten für Strom wollen Union und SPD die wachsende Zahl von Stromsperren wegen unbezahlter Stromrechnungen eindämmen. "Die Versorger bekommen ihr Geld und der Verbraucher muss nicht auf Strom verzichten", sagte Mechthild Heil (CDU), bei den Koalitionsverhandlungen Unions-Chefunterhändlerin in der Arbeitsgruppe Verbraucherschutz, der "Saarbrücker Zeitung" (Montagsausgabe). Das Vorkasse-System solle verhindern, dass sich Monat für Monat Stromschulden auftürmen, die dann zu einer Stromsperre und zu noch höheren Kosten führen könnten.

Umstellung innerhalb von zehn Jahren

Die Stromkunden würden durch das Prepaid-System "achtsamer und sparsamer mit ihrem Verbrauch umgehen", sagte Ulrich Kelber, Chef-Unterhändler für die SPD, der "Saarbrücker Zeitung". Es sei geplant, dass die Verbraucher Stromkontingente auf "Prepaid-Karten" laden oder ihr Guthaben online beziehen können. Die Energieversorger sollen dem Bericht zufolge verpflichtet werden, ihre Stromzähler technisch umzurüsten und auf Kundenwunsch Geräte mit Prepaid-Funktion einzubauen. Pflicht für alle Stromkunden sollen sie aber nicht werden. Heil sagte der Zeitung, dafür sei eine Frist innerhalb "von zehn Jahren" vorstellbar.

Die Linke dagegen findet die Idee von "Prepaid-Karten" für Strom unausgereift. "Da wird eine Show gemacht, die am eigentlichen Kernproblem vorbeigeht", sagte Linksparteichef Bernd Riexinger am Montag in Berlin mit Blick auf die Pläne von Union und SPD. Stromsperren müssten verboten werden. Menschen, die ihren Strom nicht zahlen könnten, bräuchten Unterstützung, mahnte Riexinger. Er forderte einen Härtefonds für sozial schwache Menschen, die in Zahlungsnot geraten seien. Eine rein technische Lösung werde dem Problem nicht gerecht.

Schutz vor Energiearmut

Die Unterarbeitsgruppe Verbraucherpolitik hatte bereits am Freitag zum Abschluss ihrer Verhandlungen Maßnahmen gegen Strom- und Gassperren angekündigt, um vor allem Verbraucher mit niedrigem Einkommen vor Energiearmut zu schützen. In Deutschland sind dem Bericht zufolge pro Jahr mehr als 300.000 Haushalte von Stromsperren betroffen.

Quelle: AFP

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