Neue Regeln

Steuererklärung 2020: Freibeträge, neue Pauschalen und Pflichten

Für 2020 dürfte die Abgabe der Steuererklärung für mehr Menschen verpflichtend sein. Ursache ist die Corona-Pandemie und deren Folgen.

03.02.2021, 09:55 Uhr (Quelle: DPA)
FinanzenBundesbürger, die mehr als 410 Euro Lohnersatzleistungen bekommen haben, sind verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben.© Kautz15 / Fotolia.com

Berlin - Noch ist zwar Zeit. Wer will, kann sich aber jetzt schon um seine Steuererklärung für das Jahr 2020 kümmern. Beeilen muss man sich dabei nicht: Die Frist für die Abgabe läuft am 31. Juli ab - und auch nur für die, die zur Abgabe verpflichtet sind.

"Da dies ein Samstag ist, verlängert sich die Frist auf den 2. August 2021", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler in Berlin. Diejenigen, die auf die Hilfe eines Steuerberaters oder Lohnsteuerhilfevereins setzen, haben bis Ende Februar 2022 Zeit.

Steuererklärung ist für mehr Menschen verpflichtend

Da 2020 aufgrund der Pandemie viele Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld bekommen haben, sind auch mehr Beschäftigte verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben. Denn alle, die mehr als 410 Euro Lohnersatzleistungen bekommen haben, kommen um die Erklärung nicht herum. Neben Kurzarbeitergeld zählen auch Eltern- oder Arbeitslosengeld zu den Lohnersatzleistungen. Der steuerliche Grundfreibetrag ist 2020 von 9.168 Euro auf 9.408 Euro gestiegen. Das bedeutet: Bis zu einem Bruttoeinkommen von 9.408 Euro fallen keinerlei Steuern an. Was bei der Steuererklärung für 2020 sonst zu beachten ist:

Kinderfreibetrag wurde erhöht

Zudem ist der Kinderfreibetrag 2020 um 192 Euro gestiegen. Bei gleichbleibendem Betreuungsfreibetrag beträgt er für 2020 exakt 7.812 Euro pro Kind und Jahr (2019: 7.620 Euro). Wer alleinerziehend ist und mindestens ein Kind bei sich wohnen hat, profitiert 2020 von einem steuerlichen Entlastungsbetrag von 4.008 Euro (zuvor: 1.908 Euro). "Für jedes weitere Kind erhöht sich der Entlastungsbetrag, und zwar um jeweils 240 Euro", erklärt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL) in Berlin.

Homeoffice- und Pendlerpauschale

Neue Homeoffice-Pauschale: Ihren Arbeitsplatz haben viele Menschen wegen der Corona-Pandemie nach Hause verlagern müssen. Bei ihrer Steuererklärung für 2020 können sie nun die sogenannte Homeoffice-Pauschale geltend machen. Für jeden Arbeitstag in der häuslichen Wohnung können sie einen Betrag von fünf Euro als Werbungskosten angeben - maximal aber 600 Euro im Jahr.

Die Homeoffice-Pauschale gibt es nicht zusätzlich zum Werbungskostenpauschbetrag. Daher ist sie für jene von Vorteil, die Werbungskosten von über 1000 Euro haben. Bei Arbeitstagen im Homeoffice entfällt indes die Pendlerpauschale, da es keine Fahrten zur Arbeitsstätte gab.

"Eine Homeoffice-Tagespauschale von fünf Euro darf man nur angeben, wenn man an dem Tag ausschließlich von zu Hause aus gearbeitet hat", stellt BVL-Geschäftsführer Uwe Rauhöft klar. Wer an einem Tag zusätzlich in die Firma fährt - etwa um Post abzuholen -, kann die Tagespauschale von fünf Euro nicht geltend machen, wohl aber die Entfernungspauschale zwischen Wohnung und Firma.

Die Homeoffice-Pauschale gilt auch für 2021. Ein Tipp von Klocke: Für Beschäftigte, die regulär einen weiten Weg zur Arbeit haben und deswegen einen Freibetrag beim Finanzamt beantragt hatten, nun aber pandemiebedingt von zu Hause aus arbeiten, sollten beim Finanzamt den bisherigen Freibetrag anpassen lassen. «Bei einem zu hohen Freibetrag wird zu wenig Lohnsteuer vom Lohn abgezogen", warnt Klocke. Im Ergebnis kann es dann bei der Einkommensteuererklärung zu einer Nachzahlung kommen.

Regeln zum Kurzarbeitergeld

Wer 2020 Kurzarbeitergeld bekommen hat, zahlt darauf selbst keine Abgaben. Allerdings unterliegt das Kurzarbeitergeld dem Progressionsvorbehalt. Das führt dazu, dass das Kurzarbeitergeld den Steuersatz für die übrigen Einkünfte erhöht. Aber: "Oft wird dies letztendlich mit einer Steuererstattung einhergehen, da für den Arbeitslohn zu viel Lohnsteuer abgezogen wurde", sagt Klocke.

In einigen Fällen ist aber auch eine Steuernachzahlung möglich. Etwa dann, wenn der Arbeitnehmer weniger Wochenstunden gearbeitet hat und sein Lohn mit Kurzarbeitergeld aufgestockt wurde. "Hier macht es Sinn, sich Geld für eine Steuernachzahlung beiseite zu legen", empfiehlt Klocke.

Höhere Pauschalen für Dienstreisen, Kraftfahrer und bei Umzügen

Außerdem gibt es höhere Verpflegungspauschalen bei Dienstreisen: Wer mehr als acht Stunden am Tag dienstlich unterwegs war, kann pro Tag in der Steuererklärung 14 Euro (vorher: 12 Euro) angeben. Bei einer Dienstreise, die an einem Tag mindestens 24 Stunden dauerte, können 28 Euro (vorher: 24 Euro) geltend gemacht werden.

Seit 2020 gibt es zudem eine Übernachtungspauschale für Berufskraftfahrer. Sie können für den An- und Abreisetag sowie für jede Übernachtung im Lkw acht Euro pro Arbeitstag in ihrer Steuererklärung als Werbungskosten eintragen. "Wer zum Beispiel zwei Tage unterwegs war, aber nur einmal in seinem Fahrzeug übernachtet hat, kann dafür 16 Euro angeben", erklärt Bauer.

Steuerzahler können außerdem seit dem 1. März 2020 eine höhere Umzugskostenpauschale geltend machen. Die Pauschale steigt für Singles auf 820 Euro (zuvor: 811 Euro), für Verheiratete oder Alleinerziehende auf 1.639 Euro (zuvor: 1.622 Euro).

Steuerliche Förderung energetischer Gebäudesanierungen

Eigentümer, die ihre Immobilie selbst bewohnen und das Gebäude energetisch sanieren, können seit 2020 für die nächsten zehn Jahre in den Genuss von Steuervorteilen kommen. "Hierfür wird es einen neuen Vordruck für die Steuererklärung geben", erklärt Rauhöft.

Zur energetischen Gebäudesanierung zählen unter anderem die Wärmedämmung von Wänden, Dachflächen oder Geschossdecken, die Erneuerung von Fenstern und Außentüren oder der Heizungsanlage sowie die Optimierung bestehender Heizungsanlagen.

Insgesamt werden 20 Prozent der Aufwendungen mit einem Höchstbetrag von 40.000 Euro von der Steuer abgezogen. In dem Jahr, in dem die Sanierungsmaßnahme beendet wird, und im Folgejahr können Immobilienbesitzer jeweils 7 Prozent der Aufwendungen (maximal 14.000 Euro) geltend machen. Im dritten Jahr sind sechs Prozent (maximal 12.000 Euro) absetzbar.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Finanzen

    Steuererklärung 2020: Was gilt für Homeoffice und Co.?

    Die Steuerklärung für das vergangene Jahr dürfte für viele Bundesbürger Veränderungen mit sich bringen. Aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie wurde unter anderem eine Homeoffice-Pauschale eingeführt.

  • Münzgeld

    Rente, Mindestlohn, Steuern: Was ändert sich 2021?

    Höhere Renten, mehr Kindergeld und ein steigender Mindestlohn treffen 2021 auf Teuerungen in anderen Bereichen. Was erwartet die Bundesbürger bei Steuern und Bezügen im kommenden Jahr?

  • Steuererklärung

    Steuererklärung 2019: Neue Formulare und vorausgefüllte Felder

    Bei der Steuererklärung 2019 wurden einige Anpassungen vorgenommen, die es dem Steuerzahler leichter machen sollen. Beispielweise wurden die Formulare angepasst. Was hat sich geändert und welche Fristen gelten bei der Abgabe?

  • Steuererklärung

    Regeln und Fristen für die Steuererklärung 2019

    Eine Steuererklärung müssen unter anderem Selbstständige und diejenigen verpflichtend abgeben, die mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen erhalten haben. Dazu gehört zum Beispiel auch das Elterngeld. Die Abgabefrist ist der 31. Juli. Es gibt aber auch Ausnahmen.

Top