Nachrechnen

Steuerbescheid prüfen: Neue Regeln für außergewöhnliche Belastungen

Wer kürzlich seinen Steuerbescheid erhalten hat und dabei auch außergewöhnliche Belastungen geltend machen wollte, der sollte die Rechenweise prüfen. Unter Umständen wurden neue und womöglich begünstigende Regeln nicht berücksichtigt.

05.07.2017, 15:18 Uhr (Quelle: DPA)
Geld© Alfred Wimmer / Fotolia.com

Berlin - Steuerzahler sollten Kosten für eine neue Brille, Zahnersatz oder Zuzahlungen zu Medikamenten in der Einkommensteuererklärung als außergewöhnliche Belastungen geltend machen. "Dies lohnt sich jetzt um sehr mehr, denn der Bundesfinanzhof hat eine neue Rechenregel für außergewöhnliche Belastungen aufgestellt, die für Steuerzahler günstiger ist", sagt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler. Betroffene sollten prüfen, ob die neue Rechenweise in ihrem Steuerbescheid berücksichtigt wurde.

Kein Stichtag für die neue Regelung

Zwar hat das Bundesfinanzministerium am 1. Juni mitgeteilt, die günstigere Rechenregel grundsätzlich anzuwenden. Allerdings fehlt ein Stichtag, ab wann die Finanzämter die geänderte Berechnungsweise im Steuerbescheid berücksichtigen. Steuerzahler, die kürzlich ihren Steuerbescheid erhalten haben, können sich also nicht darauf verlassen, dass bei ihnen die bessere Rechenweise angewendet wurde.

Zumutbare Eigenbelastung und Steuerminderung

Zum Hintergrund: Bestimmte Kosten dürfen als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Erst wenn die sogenannte zumutbare Eigenbelastung überschritten ist, werden die Kosten aber vom Finanzamt steuermindernd berücksichtigt. Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass die Zumutbarkeitsgrenze in Stufen berechnet wird (Az.: VI R 75/14). "Dieser Rechenweg führt dazu, dass die Grenze der zumutbaren Eigenbelastung früher erreicht wird und deshalb womöglich mehr Kosten von der Steuer abgesetzt werden können", sagt Klocke.

Anspruch online prüfen

Wer prüfen möchte, ob das Finanzamt die neue Rechenweise angewendet hat, kann die Rechner der Finanzverwaltung nutzen. Unter anderem die Oberfinanzdirektion Niedersachsen stellt auf ihren Internetseiten einen aktualisierten Onlinerechner zur zumutbaren Eigenbelastung zur Verfügung. Hat das Finanzamt die neue Rechenweise nicht angewandt, sollte Einspruch gegen den Steuerbescheid erhoben werden.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Steuererklärung

    Steuererklärung 2019: Neue Formulare und vorausgefüllte Felder

    Bei der Steuererklärung 2019 wurden einige Anpassungen vorgenommen, die es dem Steuerzahler leichter machen sollen. Beispielweise wurden die Formulare angepasst. Was hat sich geändert und welche Fristen gelten bei der Abgabe?

  • Steuererklärung

    Regeln und Fristen für die Steuererklärung 2019

    Eine Steuererklärung müssen unter anderem Selbstständige und diejenigen verpflichtend abgeben, die mehr als 410 Euro an Lohnersatzleistungen erhalten haben. Dazu gehört zum Beispiel auch das Elterngeld. Die Abgabefrist ist der 31. Juli. Es gibt aber auch Ausnahmen.

  • Steuererklärung

    Steuererklärung muss bald abgegeben werden

    Wer zur Steuererklärung verpflichtet ist, sollte langsam aber sicher tätig werden. Der Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine erinnert daran, dass die Frist am 31. Mai endet. Für wen gilt das genau?

  • Steuererklärung

    Außergewöhnliche Belastungen: Neue Regeln bei der Steuererklärung

    Bei der Steuererklärung gibt es künftig einen Vorteil für Steuerzahler im Hinblick auf außergewöhnliche Belastungen. Der Bundesfinanzhof hat die Berechnungsgrundlagen angepasst, sodass mehr Ausgaben steuerlich geltend gemacht werden können.

  • Steuererklärung

    Steuererklärung bringt im Schnitt 900 Euro ein

    Steuerpflichtige bekommen im Schnitt 900 Euro vom Finanzamt zurück, so das Statistische Bundesamt in Wiesbaden. Nachzahlen müssen längst nicht so viele Verbraucher, aber wenn, dann fallen die Zahlungen ähnlich hoch aus.

Top