Studie der DZ Bank

Sparquote in Deutschland steigt 2020 wegen Corona auf Rekordwert

Wegen der Corona-Krise sparen viele Bundesbürger noch mehr als in normalen Zeiten. Eine aktuelle Analyse der DZ Bank geht für 2020 von einer Sparquote von 16 Prozent für Deutschland aus.

22.09.2020, 15:59 Uhr (Quelle: DPA)
Sparen© Frog 974 / Fotolia.com

Die Corona-Krise dürfte die Sparquote in Deutschland nach Einschätzung der DZ Bank in diesem Jahr auf einen Rekordwert treiben. Nachdem die Verbraucher bereits im ersten Halbjahr 2020 deutlich mehr Geld auf die hohe Kante legten als üblich, erwarten die Experten des genossenschaftlichen Spitzeninstituts dies auch für die nächsten Monate. "Auch in der zweiten Jahreshälfte dürfte die Sparquote hoch bleiben und im Gesamtjahr auf rund 16 Prozent steigen, verglichen mit 10,9 Prozent in 2019", heißt es in einer aktuellen Studie der DZ Bank, die der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag vorlag.

Höchste Sparquote seit der Wiedervereinigung erwartet

Damit würden die privaten Haushalte von 100 Euro verfügbarem Einkommen in diesem Jahr etwa 16 Euro sparen. Dies wäre Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge der höchste Wert seit der Wiedervereinigung. Die bislang höchsten Sparquoten in Deutschland wurde demnach 1991 und 1992 mit jeweils 12,9 Prozent gemessen.

Nach Berechnungen der DZ Bank fiel die Sparquote schon im ersten Quartal 2020 mit 16,5 Prozent deutlich höher aus als in den Vorjahren, im zweiten Quartal sei sie dann auf 20,1 Prozent nach oben geschossen. "Einerseits haben viele private Haushalte aus Angst vor Einkommenseinbußen durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit vorsorglich mehr gespart", erklärte Volkswirt Michael Stappel. "Andererseits behinderten Lockdown-Maßnahmen und Reisebeschränkungen vor allem in der ersten Hälfte des zweiten Quartals den privaten Verbrauch massiv."

Zurückhaltung bei Reisen und größeren Anschaffungen

Reisen wurden in der Folge nur zum Teil nachgeholt, bei größeren Anschaffungen wie zum Beispiel Autos sind viele Verbraucher wegen der unsicheren wirtschaftlichen Aussichten nach wie vor zurückhaltend - obwohl der Gesetzgeber vom 1. Juli an die Mehrwertsteuer für ein halbes Jahr gesenkt hat, um den Konsum anzukurbeln.

"Dass die Sparquote dermaßen stark anstieg, hängt aber auch damit zusammen, dass die Einkünfte der Privathaushalte angesichts des Ausmaßes der anhaltenden Corona-Krise bisher erstaunlich stabil blieben", heißt es in der DZ-Bank-Analyse. Im zweiten Quartal 2020 sei das verfügbare Einkommen zum Vorjahreszeitraum gerade einmal 0,8 Prozent niedriger gewesen. Zugleich sei der Verbrauch der privaten Haushalte nominal um 11,7 Prozent eingebrochen.

Im Juni hatte bereits der Bankenverband BVR für das Gesamtjahr 2020 eine auf 11,9 Prozent steigende Sparquote prognostiziert - vor allem infolge des gedrosselten Konsums wegen der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie.

Weiterführende Links
Passende Ratgeber
Das könnte Sie auch interessieren
  • Geldstapel

    Steuersenkung und Kinderbonus: Mega-Konjunkturpaket steht

    Mit einem riesigen Konjunkturprogramm will die Bundesregierung die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise auffangen. Zwei Tage lang dauerten die Verhandlungen an. Jetzt steht fest, mit welchen Maßnahmen und Geldern Firmen und Verbraucher entlastet werden sollen.

  • Onlineshopping

    Banken starten Bezahlsystem im Internet

    Deutsche Privat- und Genossenschaftsbanken wollen Ende 2015 eigenes Online-Bezahlsystem etablieren. Verbraucher könnten dann beim Einkauf in Online-Shops direkt von ihrem Girokonto aus bezahlen, teilt der Bankenverband mit.

  • Tarife

    Deutsche setzen bei der Geldanlage auf Sicherheit

    Die privaten Haushalte in Deutschland haben ein Geld- und Immobilienvermögen von rund zehn Billionen Euro angehäuft. Noch nicht berücksichtigt seien dabei andere Vermögensarten wie Autos, Wohnungseinrichtungen, private Kunstsammlungen und Schmuck, teilte der Bundesverband deutscher Banken (BdB) mit.

Top