Shopping-Mall und Polizeistaat

Scharfe Kritik an US-Internetpolitik

Andy Müller-Maguhn, ICANN-Vorstand und Computerexperte vom Chaos Computer Club Hamburg, befürchtet eine zunehmende US-Dominanz hinsichtlich der weltweiten Vergabe von Internetadressen.

06.03.2002, 11:14 Uhr
Internetverbindung© Pavel Morozov / Fotolia.com

Müller-Maguhn, eines der bekanntesten Gesichter des Hamburger Chaos Computer Clubs, warnt in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung Die ZEIT vor einer Abschaffung der Interessenvertretung der weltweiten Internetnutzer in der "Internet Corporation for Assigned Names and Numbers" (ICANN). Diese Corporation regelt die weltweite Vergabe von Internetadressen.

Anlass für die Kritik von Müller-Maguhn sind die Pläne des US-Geschäftsführers von ICANN, die fünf frei gewählten Vertreter der weltweiten Internetbenutzer im ICANN-Vorstand abzuschaffen und durch Regierungsvertreter zu ersetzen. Davon wäre auch Müller-Maguhn betroffen, der vor zwei Jahren in den 19-köpfigen ICANN-Vorstand gewählt wurde. "Der Plan wurde nicht einmal mit dem Vorstand abgesprochen und trägt insofern Züge eine Staatsstreichs", so Maguhn.

Der Hamburger Computerexperte nimmt eine Woche vor der nächsten ICANN-Tagung in Ghana die gesamte Internetpolitik der US-Regierung ins Visier: "Ihre Versuche, mit Hilfe von ICANN das Internet einerseits in eine Shopping-Mall, andererseits in einen Polizeistaat zu verwandeln, sind offensichtlich", so Müller-Maguhn im ZEIT-Interview.

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