Prognose

Schätzerkreis: So entwickeln sich die Beiträge für die Krankenkassen

Bei den gesetzlichen Krankenkassen sollen die Zusatzbeiträge Experten zufolge steigen. Die gute Nachricht für Versicherte: Weil die Reserven der Kassen derzeit hoch sind, könnten die Gesamtbeiträge für einige sogar sinken.

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Berlin - Die Zusatzbeiträge für die gesetzliche Krankenversicherung dürften zwar im nächsten Jahr steigen. Dennoch könnten die Gesamtbeiträge aufgrund der hohen Reserven der Krankenkassen sinken. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag, der jährlich neu errechnet wird, wird wohl leicht von derzeit 0,9 Prozent um 0,2 Prozentpunkte oder 0,3 Prozentpunkte zunehmen. Das geht aus dem am Freitag bekannt gewordenen Ergebnis des Schätzerkreises von Gesundheitsministerium, Bundesversicherungsamt und Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) hervor.

Entscheidung über Zusatzbeitrag fällt im November

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist eine rein statistische rechnerische Größe. Entscheidend für die Versicherten ist, was sie bei ihrer Kasse wirklich zahlen müssen. Dank der übermäßig hohen Rücklagen vieler Krankenkassen, werden die tatsächlich zu zahlenden Beiträge für sehr viele Versicherte unterm Strich in 2020 gleich bleiben oder sinken. Das ist die entscheidende Botschaft." Letztlich wird das Ministerium bis November entscheiden, wie hoch der Anstieg des durchschnittlichen Zusatzbeitrages tatsächlich ausfällt.

Prognose: Auf Krankenkassen kommen hohe Belastungen zu

Offensichtlich gab es zwischen Ministerium und GKV unterschiedliche Einschätzungen der künftigen Finanzsituation der Kassen. Die Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Doris Pfeiffer, erklärte: "Das kommende Jahr wird die gesetzliche Krankenversicherung insgesamt auf der Ausgabenseite vor Herausforderungen stellen, soweit teilen wir die Sicht der Experten aus dem Bundesversicherungsamt und aus dem Bundesgesundheitsministerium." Pfeiffer sieht vor allem durch Reformgesetze hohe Belastungen auf die Kassen zukommen. "Viele werden ab dem kommenden Jahr schrittweise ihre Finanzwirkung entfalten." Allein durch Terminservicegesetz und Pflegepersonal-Stärkungsgesetz kämen auf die GKV 2020 rund fünf Milliarden Euro an Mehrausgaben zu.

Wie haben sich die Reserven der Kassen entwickelt?

Die gesetzlichen Kassen haben inzwischen Reserven von mehr als 20 Milliarden Euro angespart, so dass bei vielen Kassen trotz des Anstiegs des durchschnittlichen Zusatzbeitrags der Gesamtbeitrag gesenkt werden könnte. Allein von 2015 bis 2019 legten die Gesamtreserven von 14,5 Milliarden auf 21,2 Milliarden Euro zu. Ob der Gesamtbeitrag also tatsächlich steigt oder eher fällt, hängt von der Finanzlage jeder einzelnen Krankenkasse ab.

Die hohen Reserven lägen zum einen an der sehr guten Einnahmesituation aufgrund der guten wirtschaftlichen Konjunktur, hieß es. Zum anderen zeige sich, dass die vielen Leistungsverbesserungen für gesetzlich Versicherte und Patienten sowie die bessere Bezahlung der Beschäftigten im Gesundheitswesen die Beitragszahler offensichtlich nicht belastet hätten.

Krankenkassen müssen Finanzreserven ab einer bestimmten Grenze abbauen

Mehr als die Hälfte der Krankenkassen verfügt den Angaben zufolge derzeit über mehr als eine Monatsausgabe Betriebsmittel und Rücklagen. Sie dürfen, solange sie diese Quote überschreiten, ihre Zusatzbeiträge nicht anheben. Und einige Kassen, deren Finanzreserven deutlich über einer Grenze von einer Monatsausgabe hinausgehen, müssen diese ab 2020 innerhalb der kommenden drei Jahre schrittweise abzubauen.

Seit 1. Januar dieses Jahres teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer sowohl den variablen Zusatzbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung als auch den allgemeinen, festen Beitrag von 14,6 Prozent je zur Hälfte. Davor mussten die Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag alleine schultern.

Quelle: DPA

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