Flugausfälle und Verspätungen

Ryanair-Streik: Diese Rechte haben Fluggäste

Bei der Fluggesellschaft Ryanair haben Piloten und Flugbegleiter erneut angekündigt, in den Streik zu treten. Was können Fluggäste, die am Flughafen festsitzen, an Ansprüchen geltend machen?

Flugzeug© dell / Fotolia.com

Berlin - Bei Ryanair wollen am 12. September die Piloten und Flugbegleiter streiken. Die Fluggesellschaft hat daher 150 Flüge von und nach Deutschland gestrichen. Die betroffenen Kunden würden informiert und entschädigt, kündigte Ryanair-Marketingchef Kenny Jacobs an. Bereits im August sorgte ein Ausstand der Piloten bei Ryanair für viele Flugausfälle und Verspätungen.

Muss Ryanair mir Alternativen anbieten?

Auf die Umbuchung haben Passagiere laut der Fluggastrechte-Verordnung der EU einen Anspruch. Möglich ist auch, dass Passagiere auf andere Transportmittel gebucht werden, wenn das Ziel per Bus oder Bahn erreichbar ist.

Was passiert, wenn ich am Flughafen festsitze?

Stranden Passagiere vorübergehend am Flughafen, muss die Fluggesellschaft sie betreuen - unabhängig davon, ob das Unternehmen für die Verspätungen und Ausfälle verantwortlich ist. Passagiere haben Anspruch auf Verpflegung. Verschiebt sich der Flug auf einen anderen Tag, muss die Airline die Hotelübernachtung übernehmen.

Gibt es abweichende Regelungen für Pauschalreisen?

Ist der Ryanair-Flug Teil einer Pauschalreise, ist nicht die Airline der Ansprechpartner, sondern der Reiseveranstalter. Er ist nach Angaben der Verbraucherzentralen auch bei Streiks verantwortlich für Kosten, die Reisenden durch eine Verspätung entstehen. Das können zum Beispiel Ausgaben für Verpflegung, Unterkunft, Taxifahrten und Telefonate sein. Bei großen Verspätungen können Pauschalreisende außerdem den Reisepreis mindern. Dafür gibt es Rechentabellen: Ab fünf Stunden Verspätung können Urlauber pro Stunde Verspätung fünf Prozent des anteiligen Tagespreises zurückfordern.

Flugausfall wegen Streik: Haben Kunden das Recht auf eine Entschädigung?

Bei Pilotenstreiks haben Reisende eigentlich keinen Anspruch auf eine Ausgleichszahlung für Ausfälle oder Verspätungen von mehr als drei Stunden. Ein Streik gilt als außergewöhnlicher Umstand. Das gilt aber nur unter der Bedingung, dass die Airline alles in ihrer Macht stehende unternimmt, um die Folgen des Ausstands zu minimieren.

Allerdings hat sich die Rechtsprechung inzwischen weiterentwickelt, erklärt der Reiserechtsexperte Paul Degott aus Hannover. So entschied der Europäische Gerichtshof im April 2018, dass eine Airline bei einem wilden Streik nur unter zwei Bedingungen von der Erstattungspflicht befreit werden könne: Zum einen dürfe das Ereignis, das zu den Behinderungen führte, nicht Teil der normalen Betriebstätigkeit sein. Und zum anderen dürfe es von der Airline nicht beherrschbar sein (Az.: C-195/17).

Aus dem Urteil leitet Degott ab, dass Entschädigungszahlungen auch bei regulären Streiks möglich sind - wenn es den Streikenden nicht nur um die Bezahlung, sondern um die Arbeitskonditionen insgesamt geht. Betrachtet man die Streikgründe des Ryanair-Personals, "dann liegt das sehr nahe an dem, was der EuGH sagt", urteilt Degott. Allerdings müsse das zunächst erneut gerichtlich geklärt werden. Der Jurist rät, vorsorglich Ausgleichszahlungen zu fordern.

Quelle: DPA

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