Trotz Krise

RWE verzeichnet weiter Rekordergebnisse

Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE zeigt sich von der Wirtschaftskrise weiter unbeeindruckt und peilt für dieses Jahr ein neues Rekordergebnis an. RWE wibt erneut für eine Laufzeitverlängerung der Atommeiler und ist nach eigenen Angaben bereit, einen Teil der Mehrerlöse abzugeben.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Essen (ddp/red) - Das Betriebsergebnis und der um Sondereffekte bereinigte Reingewinn sollen um jeweils fünf Prozent steigen, kündigte Vorstandschef Jürgen Großmann auf der Hauptversammlung am Donnerstag in Essen an. Im Vorjahr hatte RWE das Betriebsergebnis um vier Prozent auf 7,1 Milliarden Euro verbessert.

Profitieren will RWE 2010 laut Großmann vor allem von der vollständigen Eingliederung des zugekauften niederländischen Energieversorgers Essent und der höheren Verfügbarkeit des Kernkraftwerks Biblis. Beide Biblis-Blöcke liefen 2009 nur rund drei Monate. In diesem Jahr erwartet Großmann deutlich längere Laufzeiten.

Unter den aktuell niedrigen Großhandelspreisen an den Strombörsen - Folge der Wirtschaftskrise - leidet RWE laut Großmann nicht. Die deutsche Stromproduktion des Konzerns für 2010 sei bereits nahezu vollständig auf Termin verkauft worden. Auch die Produktion für 2011 sei bereits zu mehr als 70 Prozent verkauft und dies ebenfalls zu höheren Preisen, als der Markt aktuell hergebe. Langfristig rechnet Großmann aber wieder mit steigenden Strompreisen, wenn die Konjunktur wieder mehr Fahrt aufnimmt.

Der RWE-Chef bekräftigte vor diesem Hintergrund auch weitgehend die zum Jahresanfang angekündigten Ergebnisziele bis Ende 2012. Demnach soll das Betriebsergebnis auch in den kommenden beiden Jahren um jeweils fünf Prozent zulegen. Beim Reingewinn reduzierte Großmann die Erwartungen auf durchschnittlich fünf Prozent statt bislang zehn Prozent. Grund seien Verzögerungen bei großen Kraftwerksneubauten und bei Projekten in der Gas- und Ölförderung.

Großmann warb erneut für die in der Bundesregierung debattierte Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Eine Vereinbarung müsse dann aber für alle der noch bestehenden 17 Kraftwerksblöcke gelten. Dafür sei RWE bereit, einen erheblichen Teil der durch die Laufzeitverlängerung erzielten Mehrerlöse abzugeben. Allerdings gebe es Grenzen, schränkte Großmann ein. Nur einer ökonomisch sinnvollen Lösung werde RWE zustimmen.

Der Konzern kündigte gegenüber den Aktionären zugleich eine Neuregelung der Vorstandsvergütung an. Diese soll künftig an Nachhaltigkeitskriterien wie Umweltschutz, Mitarbeiterorientierung und Kundenloyalität ausgerichtet werden. Dazu soll ein Viertel der Vorstandstantiemen für drei Jahre zurückgestellt werden. Am Ende dieses Zeitraums prüft der Aufsichtsrat, ob die Konzernentwicklung nachhaltig war und in welcher Höhe die Tantiemen ausgezahlt werden.

Die Aktionärsvertreter zeigten sich mit der Entwicklung des Konzerns zufrieden. Vereinzelt wurden Forderungen laut, dass die früheren Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD, Dortmund) und Wolfgang Reiniger (CDU, Essen) den Aufsichtsrat verlassen. Beide seien keine Vertreter ihrer Kommunen mehr. "Sitzenbleiben ist schon in der Schule blöd und bei RWE auch", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler.

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