Die Entscheidung

Regulierungsbehörde entscheidet am Donnerstag über Zukunft der Flatrates - Teil II

T-Online-Konkurrenten fordern Pauschal-Angebot statt Minutenabrechnung - die Telekom aber sträubt sich.

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Der Online-Dienst AOL und der Netzbetreiber mediaways sind Mitte September in die letzte Instanz gegangen: Sie traten vor die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP), um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Will heißen: Weg mit den 1,5 Pfennigen Nutzungsentgelt für die Telekom. Entweder soll das Nutzungsentgelt gesenkt werden oder es soll eine so genannte "Großhandelsflatrate" her, sozusagen ein Tarif für Großhändler. Das heißt nichts anderes, als dass die Internet-Provider selbst auch Pauschal je Kunde bei der Telekom einkaufen und nicht mehr, wie bis dato, in Minutenpreisen abgerechnet wird. Damit wird das Geschäft kalkulierbar, interessanter für die Anbieter - und letztlich auch für den Kunden. Über das Verfahren gegen die Telekom entscheidet die RegTP am Donnerstag dieser Woche.

Nur konsequent klagt AOL bei der RegTP gleich die Großhandelsflatrate ein - auch mit dem Ziel, die Kosten für Flatrates drastisch senken zu können. 45 bis 50 Mark - bis auf diese Grenze hinab will Deutschlands zweitgrößter Provider die Flatrate-Kosten senken. Dass so etwas geht, ist bewiesen: Von den kostenlosen Ortsgesprächen in Amerika mal ganz abgesehen, kosten Flatrates in Kanada rund 20 Mark, in Großbritannien 30 bis 45 Mark und in Österreich knapp 40 Mark. Spanien? - Knapp 60 Mark. Ein Armutszeugnis für eine derart starke Wirtschaftsnation wie die Bundesrepublik.

Im Umkehrschluss würde ein günstigerer Internetzugang einen Wirtschaftsboom mit sich bringen. "Auf Basis verschiedener Untersuchungen erwarten wir beim Übergang zu einer Flatrate-Bepreisung, dass ein Wachtsumseffekt in der Höhe von einem halben Prozent des Bruttoinlandsprodukts zustande kommt: Der Beschäftigungseffekt könnte sich mittelfristig auf 100.000 bis 400.000 Arbeitsplätze belaufen". Bis zu 400.000 Arbeitsplätze - diese Zahl darf man mit Skepsis betrachten, aber die Quintessenz liegt auf der Hand: Eine Flatrate dient der wirtschaftlichen Entwicklung und trägt dazu bei, dass die Bundesrepublik nicht die "rote Laterne" - und also das Schlusslicht - der europäischen Staaten übernimmt, wenn es um einen günstigen Internetnutzung geht. Nur en passant: Wen man daran denkt, dass in den vergangenen 14 Monaten die Online-Minuten um 600 Prozent gestiegen sind, so wird deutlich, welches Potenzial eine günstige Flatrate mit sich bringt. Nein, was die Flatrate angeht, sind sich alle einig: SPD und Grüne, CDU und FDP, die Bürgerinitiative "Internet ohne Taktung", die binnen kurzer Zeit mehr als 40.000 Unterschriften für den Wettbewerb sammelte und zudem die "Internetkoalition für eine Großhandelsflatrate in Deutschland" initiierte, ohnehin: Der Wettbewerb muss kommen und Preissenkungen mit sich bringen.

Aber es geht nicht nur um das Nutzungsentgelt, dass Provider der Telekom zahlen müssen - es geht auch um etwaige Diskriminierungstatbestände. Zu deutsch: Pusht die Telekom das Angebot ihrer Tochter T-Online? Diese Vermutung liegt nahe, wenn man sich den Konzernverbund und die damit einhergehenden Chancen betrachtet - und freilich die wesentlich geringere Risikosphäre, der sich T-Online ausgesetzt sieht. Nun ist allerdings der Telekom jedwede Quersubventionierung ihrer Töchter verboten - direkte Einflussnahme auf das Angebot gibt's also nicht. Gunnar Bender von AOL Deutschland aber skizzierte gegenüber dem Magazin "Internet World" bereits eine andere Möglichkeit der Bevorzugung: "Da schaltet die Telekom für 62 Millionen Mark ein Werbe-Banner auf dem T-Online-Portal".

Experten gehen davon aus, dass die Telekom keine Großhandelsflatrate einführen wird, sondern vielmehr bei der zeitabhängigen Tarifierung bleibt - wenngleich zu günstigeren Konditionen. Aber: Derzeit kann die Telekom niemand zwingen, eine Großhandelsflatrate einzuführen, auch die RegTP nicht - da ist die Sachlage mehr als deutlich. Zumal die Telekom selbst wenig Interesse an der Einführungen einer Großhandelsflatrate zeigt: Die normalen, schmalbandigen Leitungen seien nicht für derlei Kapazitäten ausgelegt, vielmehr gelte es, die Zukunftstechnik DSL zu forcieren. Dem widerspricht die Konkurrenz freilich wieder: In Großbritannien beispielsweise würde man mittels des "FRIACO"-Modells Daten- und Sprechverkehr voneinander trennen und derart für ein stabiles Netz sorgen - trotz Großhandelsflatrat. Noch etwas spricht für die Einwände der Konkurrenz: Analoge Anschlüsse werden trotz allem bestehen bleiben - sollen User mit analogen Anschlüssen deshalb auf Flatrates verzichten?

Voraussichtlich wird es also keine Großhandelsflatrate geben, zumindest nicht umgehend. Fest steht aber auch: Die Telekom wird den Providern entgegenkommen müssen - ansonsten droht die Situationen einen unerfreulichen Verlauf zu nehmen. Der bereits angeschlagene Ton spricht eine deutliche Sprache: Es weht ein eisiger Wind zwischen Telekom/T-Online und der Konkurrenz.

Teil I

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